Streit mit China Staatschef sieht Mexikaner wegen Schweinegrippe diskriminiert

Mexikos Präsident ist empört: Einige Länder hätten wegen der Schweinegrippe diskriminierende Maßnahmen ergriffen, sagte Calderón. Seine Kritik galt vor allem China, wo Mexikaner isoliert wurden - obwohl sie keine Symptome zeigten.

Mexiko-Stadt - Felipe Calderón hat einigen Ländern vorgeworfen, diskriminierende Maßnahmen gegen seine Landsleute wegen der Schweinegrippe ergriffen zu haben. Dies geschehe aus "Unwissenheit und Fehlinformation", sagte er am Sonntag in Mexiko-Stadt. Calderón nannte zwar kein Land beim Namen, aber seine Kritik zielte in erster Linie auf China. Nur wenige Stunden zuvor hatte der mexikanische Botschafter in China mitgeteilt, dass dort mehr als 70 Mexikaner in die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht worden seien. Einige davon hätten keine Symptome der Schweinegrippe gezeigt.

Calderón kritisierte China in dem TV-Interview andeutungsweise. Er verwies darauf, dass Mexiko nicht wie andere Staaten in der Vergangenheit versucht habe, die Epidemie zu verheimlichen. China war 2003 international kritisiert worden, weil die Regierung zunächst dementiert hatte, dass es Probleme wegen der Lungenkrankheit Sars gebe.

China wies die Vorwürfe Calderóns zurück. Das Außenministerium in Peking erklärte, es würden nicht gezielt Mexikaner isoliert. Man hoffe, dass Mexiko mit dem Problem "in einer objektiven und ruhigen Art umgeht".

Calderón zufolge hat Mexiko die Schweinegrippe im Griff. Sein Land sei in der Lage, die Epidemie zu bewältigen, sagte er. Die Behörden hätten nach dem Auftreten der Erkrankung "unverzüglich" ihren Kampf gegen das Influenza-Virus vom Typ A/H1N1 aufgenommen und "korrekt" gehandelt. Sie hätten es geschafft, die Übertragungsrate gleich zu halten oder sogar zu senken, sagte Calderón.

Der Präsident bekräftigte, dass womöglich bereits am Mittwoch die Schließung von rund 35.000 Cafés, Restaurants, Theatern und Discotheken in der Hauptstadt Mexiko-Stadt wieder aufgehoben werden könnte. Sie war am vergangenen Dienstag als Sicherheitsmaßnahme angeordnet worden und hatte für wirtschaftliche Einbußen in der 20-Millionen-Einwohner-Metropole gesorgt.

Gesundheitsminister José Ángel Córdova gab einen weiteren Anstieg der Zahlen für Todesfälle und Erkrankungen durch das Schweinegrippe-Virus bekannt. 22 Menschen seien an der Krankheit gestorben, drei mehr als bislang mitgeteilt. Den jüngsten Todesfall habe es am 29. April gegeben. Die Zahl der Erkrankungen sei auf 568 gestiegen.

Dennoch zeigte sich Córdova optimistisch, dass die Maßnahmen seiner Regierung zur Behandlung und Isolierung von Schweinegrippe-Kranken gegriffen haben. Die Epidemie habe in Mexiko ihren Höhepunkt vom 23. bis zum 28. April gehabt. Die Einschnitte ins öffentliche Leben hätten eine schlimmeren Ausbruch verhindert. "Die Entwicklung der Epidemie ist nun in der abnehmenden Phase", sagte er.

Die USA, die bislang den einzigen Todesfall außerhalb Mexikos bestätigten, meldeten unterdessen 244 bestätigte Erkrankungen and dem Schweinegrippe-Virus. Weltweit wurden mindestens 999 Infektionen gemeldet, davon acht mit relativ mildem Verlauf in Deutschland.

In Kanada sprang das Virus erstmals vom Menschen auf das Schwein zurück; Wissenschaftler befürchten nun eine erneute und möglicherweise noch gefährlichere Mutation.

Frankreich verschärfte seine Maßnahmen gegen die Schweinegrippe: Mexiko-Heimkehrer, die beruflich mit Kindern zu tun haben, sollen eine Woche nicht zur Arbeit gehen, wie der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde, Didier Houssin, am Sonntag mitteilte.

Eltern von Kindern, die jünger als ein Jahr sind und aus Mexiko zurückkehren, sollen diese den Angaben zufolge eine Woche lang von anderen Kindern isolieren. Seit Sonntag an werden zudem Passagiere, die auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle ankommen, in einem extra Terminal abgefertigt.

In Ägypten gab es am Sonntag Zusammenstöße, als die Behörden die von der Regierung angeordnete Schlachtung aller 300.000 Schweine umsetzen wollten. Rund 1000 Bewohner eines Elendsviertel in Kairo blockierten die Zufahrt zu Schweinezuchtbetrieben und warfen Steine und Flaschen auf die Beamten. Mindestens zwölf Menschen wurden verletzt, es gab 14 Festnahmen.

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte, die Keulung von Schweinen sei nicht notwendig, weil sich das Virus von Mensch zu Mensch verbreite. Die Vereinigung der US-Fleischexporteure teilte mit, die Ausfuhr amerikanischen Schweinefleisches sei seit Beginn der Schweinegrippe-Epidemie um circa zehn Prozent zurückgegangen.

In Deutschland kritisierte die Bundesärztekammer das Vorgehen der Bundesregierung bei der Umsetzung der Meldepflicht zur Schweingrippe. "Es gibt keinen Grund, Ärzte mit Pflichten oder Strafen zu belegen", sagte Bundesärztekammer-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery der "Thüringer Allgemeinen".

Die Ärzte bräuchten keine Belehrung von der Politik, vielmehr wüssten sie sehr genau, was bei Infektionsfällen zu tun sei. "Statt eine Zwangsverordnung aufzulegen, hätte die Gesundheitsministerin besser mit den Ärzten reden sollen", sagte Montgomery der Zeitung. Seit Sonntag gilt in Deutschland eine Meldepflicht bei Verdacht auf Schweinegrippe, die das Bundesgesundheitsministerium per Rechtsverordnung umgesetzt hatte.

hen/dpa/AP
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