Streit um Eisbären-Artikel Polarforscher erstreitet Entschädigung

Von einem Tag auf den anderen durfte Charles Monnett sein Büro nicht mehr betreten: Das US-Innenministerium warf dem Polarforscher vor, Daten für einen Artikel gefälscht zu haben. Jetzt sind die Vorwürfe vom Tisch - doch Monnett grollt weiter.

Eisbär unter Wasser (in einem kanadischen Zoo, 2011): Maskottchen des Klimawandels
REUTERS

Eisbär unter Wasser (in einem kanadischen Zoo, 2011): Maskottchen des Klimawandels


Die Zutaten für einen veritablen Forschungskrimi waren alle beisammen: Mächtige Ölfirmen im Hintergrund, tote Eisbären als Maskottchen des Klimawandels - und ein Wissenschaftler unter Verdacht. Der US-Forscher Charles Monnett war vor rund zweieinhalb Jahren von seiner Arbeit bei einer untergeordneten Umweltbehörde des US-Innenministeriums suspendiert worden. Für sie hatte er zuvor wissenschaftliche Projekte im Umfang von 50 bis 60 Millionen Dollar koordiniert. Dabei ging es nicht zuletzt um die Frage, welchen Einfluss die Förderung von Öl und Gas auf Lebewesen in der Arktis hat.

Doch von einem Tag auf den anderen durfte Monnett seinen Arbeitsplatz in Alaska nicht mehr betreten, musste Schlüssel und Zugangskarten abgeben. Der Vorwurf: Der Forscher sollte im Jahr 2006 die Daten für einen wissenschaftlichen Artikel im Fachblatt "Polar Ecology" frisiert haben. Darin ging es um ertrunkene Eisbären - deswegen hatte die Arbeit weltweit für Schlagzeilen gesorgt (Die Details des Falles lesen Sie hier). Nun ist der Vorwurf der Manipulation endgültig vom Tisch - und der beschuldigte Wissenschaftler um 100.000 Dollar reicher. Allerdings kann der 65-Jährige seinen Job nicht mehr aufnehmen und muss in Rente gehen.

Die Einigung kam bereits im Oktober zustande. Allerdings hat die NGO "Public Employees for Environmental Responsibility" (PEER), die Monnetts Interessen vertreten hatte, die Details erst jetzt veröffentlicht. Die Organisation setzt sich für umweltbewusste Regierungsbeamte ein, die mit ihrem Dienstherren im Streit liegen. Laut der veröffentlichten Einigung zieht die Behörde eine schriftliche Rüge gegen Monnett zurück, zahlt eine Entschädigung und verleiht dem Forscher eine ihm zustehende Auszeichnung ("Cooperative Conservation Award") für seine Arbeit mit Grönlandwalen.

Monnett wiederum ist ihm Rahmen der Einigung seit dem 15. November in den Ruhestand getreten. Er darf sich außerdem fünf Jahre lang nicht um Jobs des Innenministeriums bewerben. Und er muss alle von ihm angestrengten Klagen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückziehen. Dazu gehört auch ein Verfahren, in dem er die internen Ermittlungen gegen ihn untersuchen lassen wollte - inklusive des Verhaltens seiner Vorgesetzten.

"Zwei Jahre Hölle"

Der Forscher sah sich in der von seinem Dienstherrn angestrengten Untersuchung als Opfer politischer Ränkespiele. Im Gegensatz zur US-Regierung in Washington und den lokalen Behörden in Alaska hatte er sich immer gegen eine Öl- und Gasförderung vor der Nordküste der USA stark gemacht - und auf die fragilen Ökosysteme dort verweisen.

Was bleibt ist ein vergleichsweise läppisches Vergehen: Monnett hatte in den Jahren 2007 und 2008 in insgesamt fünf E-Mails Informationen an Außenstehende gegeben. Der Behörde war das seit längerem bekannt, sie hatte aber zunächst auf disziplinarische Maßnahmen verzichtet. Pikant war allerdings, dass genau diese E-Mails später von einem Berufungsgericht als Begründung herangezogen wurden - und zwar um die Explorationsgenehmigung einer Öl- und Gasfirma zu widerrufen.

Monnett sprach nach der aktuellen Einigung von "zwei Jahren Hölle", durch die er und seine Familie gegangen seien. Er könne nicht mehr guten Gewissens für eine Behörde arbeiten, die "Unehrlichkeit fördert, diejenigen bestraft, die sich für wissenschaftliche Integrität einsetzen und nicht mit wissenschaftlicher Arbeit umgehen kann, die nicht im Sinne der eigenen Agenda angepasst wurde".

Doch klar ist auch: Die Einigung stellt kein Eingeständnis der Behörde dar, etwas falsch gemacht zu haben.

chs

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