Eis und Schnee Das müssen Sie über Streusalz wissen

Jeden Winter landen Tonnen von Streusalz auf deutschen Straßen. Dabei ist das Mittel umstritten und vielerorts verboten. Doch was sind die Alternativen? Der Überblick.
Stadtreiniger in Kassel mit Streusalz

Stadtreiniger in Kassel mit Streusalz

Foto: Uwe Zucchi/ dpa

Es ist jedes Jahr ähnlich: Zwar bereiten wir uns im Herbst geistig auf den Winter vor. Aber wenn er dann tatsächlich da ist und Eis und Schnee die Straßen und Wege zur Rutschbahn machen, sind viele spätestens mit dem ersten Schritt aus dem Haus überfordert. Das gilt auch für die Sicherung der Wege.

Zwar sind Anwohner verpflichtet, für sicheren Tritt zu sorgen. Aber womit streut man am besten? Effektiv und immer noch beliebt ist vor allem Streusalz. Doch die Substanz hat viele Nachteile und ist hochumstritten. Eine Übersicht:

Was ist Streusalz?

Es besteht zum Großteil aus normalem Kochsalz, also Natriumchlorid (NaCl). Allerdings ist die Qualität nicht mit Speisesalz zu vergleichen, sondern liegt deutlich darunter - Streusalz ist nicht zum Verzehr geeignet. Zudem werden auch geringe Mengen an Begleitstoffen und Zusätzen, etwa Rieselhilfsstoffe, untergemischt.

Die chemische Substanz wirkt auf die Wassermolekülen und löst das Eis zum Teil auf. Der Schmelzpunkt sinkt durch die Ionen des im Wasser gelösten Salzes, ein Tauprozess wird in Gang gesetzt. Bis zu etwa minus zehn Grad lassen sich glatte Straßen so entschärfen, Kalzium- und Magnesiumchlorid-Salze sind auch noch bei tieferen Temperaturen wirksam.

Darf ich Streusalz überhaupt verwenden?

An vielen Orten dürfen Privatpersonen nicht mit Salz streuen. Der Einsatz kann sogar mit einem Bußgeld belegt werden. Ob Anwohner mit Streusalz arbeiten dürfen, steht in den jeweiligen kommunalen Satzungen - eine bundeseinheitliche Regelung besteht nicht. In einigen Gemeinden darf Streusalz zum Beispiel bei hartnäckigen Vereisungen und an Gefahrenstellen wie Treppen laut Umweltbundesamt (UBA) genutzt werden - Stuttgart erlaubt den Einsatz etwa nur bei Eisregen. Berlin, Hamburg und München verbieten Streusalz auf Gehwegen ganz. Die jeweiligen Vorschriften und Empfehlungen zu Streusalz sollten Sie bei Ihrer Gemeinde erfragen.

Wo wird Streusalz eingesetzt?

Die Straßenmeistereien, die für die Räumung der öffentlichen Wege und Straßen zuständig sind, müssen nicht auf das umstrittene Streugut verzichten. Die Straßen verkehrssicher zu halten, gehe ohne Salzeinsatz häufig nicht. Dieses Argument halten sogar einige Naturschützer für stichhaltig. Bundesweit wurden in den letzten zehn Jahren laut UBA durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Tonnen gestreut, in harten Wintern sogar mehr als vier Millionen. Die Substanz wird meist in Bergwerken abgebaut.

Worin bestehen die Nachteile von Streusalz?

Das Salz schädigt Bäume und andere Pflanzen, greift Oberflächen von Gebäuden und Fahrzeugen an und kann Böden und Gewässer belasten. Auch Tiere sind beeinträchtigt. Salz hat etwa einen Einfluss auf die Entwicklung von Schmetterlingen, wie eine Studie gezeigt hat. Bei Hunden kann es für entzündete Pfoten sorgen. Wenn man mit dem Hund spazieren geht, sollte man die Ballen an seinen Pfoten vorher und nachher mit Vaseline einreiben, sowie Risse vorher zusätzlich mit warmem Wasser abspülen, raten Experten.

Auch Autos und Häusern können Salze schaden: Bei Betonbauten greifen sie laut Umweltbundesamt etwa die Eisenbewehrung im Inneren an. Auch Baudenkmäler leiden stark. Am besten verzichtet man generell auf Streusalze, rät Dennis Klein vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch dann, wenn der Einsatz von Salz am Wohnort eigentlich erlaubt ist.

Zudem können große Mengen Salz die Kosten kommunaler Kläranlagen steigern. Das Salz reduziert die Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser, dadurch entstehen höhere Kosten für die Belüftung, ein Teil der biologischen Reinigungsstufe. Das Salz wird zudem nicht aus dem Wasser gefiltert und gelangt wieder in die Umwelt und ins Grundwasser.

Was sind Streusalz-Alternativen?

Das Umweltbundesamt empfiehlt alternativ salzfreie Streumittel aus Sand, Kies, Kalkstein oder Holzspänen, sogenannte abstumpfende Streumittel. Sie sorgen für Griffigkeit, indem sie sich mit Schnee und Eis verzahnen, haben aber keine abtauende Wirkung. Ist der Schnee weg, kann man diese leicht aufkehren und gegebenenfalls wiederverwenden. Holzspäne sind abbaubar und können nach der Nutzung auf den Kompost.

Bei den holzigen Stücken ist allerdings Vorsicht geboten: Sie können sehr rutschig werden, wenn sie sich mit Feuchtigkeit vollsaugen. In einem Fall vor dem Oberlandesgericht Hamm entschieden die Richter im Jahr 2014: Hobelspäne sind kein geeignetes Streugut (Az.: 6 U 92/12). Eine Frau war vor einem Haus auf dem Gehweg darauf ausgerutscht und hatte sich den Arm gebrochen. Sie verklagte den Hauseigentümer. Das Gericht sprach dem Eigentümer eine Teilschuld am Unfall zu.

Was ist mit Splitt oder Granulat?

Sie sind auch geeignet. Splitt sei jedoch nicht uneingeschränkt empfehlenswert, sagt Klein. "Es kann umweltschädliche Rückstände enthalten." Umweltfreundliche und salzfreie Streumittel erkennt man laut Umweltbundesamt am Umweltzeichen "Blauer Engel". Splitt hat zudem den Nachteil, dass er nach dem Tauen noch für einige Zeit auf den Straßen liegenbleibt. Über die erhöhte Sturz- und Plattfuß-Gefahr ärgern sich dann vor allem Radfahrer. Vor Platten schützen spezielle Reifen mit dicken Einlagen oder Gummibändern, die zwischen Reifen und Schlauch gelegt werden.

Wie viel Streugut muss auf den Boden?

Anwender dürfen mit abstumpfenden Streumittel nicht geizen, um die Glätte zu bekämpfen. Rund hundert Gramm pro Quadratmeter sind laut UBA der Richtwert. Prinzipiell gilt jedoch: Je früher der Schnee mit der Schneeschaufel weggeräumt wird, desto besser, wie Klein erklärt. Dann kommt man gegebenenfalls auch ganz ohne Streugut aus.

Wie steht es mit der Räum- und Streupflicht?

Bei Glatteisbildung besteht sofortige Streupflicht. Der Winterdienst für Privathaushalte ist in den sogenannten Straßenreinigungssatzungen der Städte und Gemeinden verankert. Er betrifft vor allem Eigentümer, kann aber auch an Dritte, beispielsweise Mieter, delegiert werden.

"Mieter müssen aber nur dann Schnee räumen und streuen, wenn dies im Mietvertrag ausdrücklich vereinbart wurde", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Es reicht nicht aus, dies lediglich in der Hausordnung zu regeln. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Az.: 9 U 38/12) ist es auch nicht ausreichend, wenn der Vermieter einen "Schneeräumplan" aufstellt und in die Briefkästen der Mieter wirft.

Sind in einem Mehrfamilienhaus die Bewohner laut Mietvertrag zum Winterdienst verpflichtet, müssen sie abwechselnd Schnee räumen und streuen. "Aufgabe des Vermieters ist es, Geräte und Material zur Verfügung zu stellen", betont Ropertz.

Auch wenn die Satzungen nicht in jeder Kommune identisch sind - einige zentrale Punkte sind fast überall gleich. "Der Abschnitt des Gehwegs vor dem jeweiligen Haus ist üblicherweise werktags von 7 bis 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 20 Uhr passierbar zu halten", sagt Ulrike Steckkönig von der Stiftung Warentest. Passierbar heißt: Der Weg muss ohne Sicherheitsrisiko begehbar sein.

Die Gemeinden legen auch fest, in welcher Breite man den Gehweg vor dem Haus räumen muss. "Üblich sind je nach Kommune 0,80 bis 1,50 Meter", so Steckkönig. Zwei Fußgänger mit Kinderwagen oder Einkaufstaschen müssen aneinander vorbeigehen können. Aber nicht nur den Gehweg und den Hauseingang müssen Mieter fegen und streuen. "Gleiches gilt auch für die Wege zu Mülltonnen und Garagen", teilt Ropertz mit.

Was passiert, wenn ein Passant vor meiner Tür stürzt?

Grundsätzlich gilt: Stürzt ein Passant aufgrund von Eis und Schnee vor einem Haus, kann er Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen. Allerdings muss er auch Vorsicht walten lassen. Hat er leichtfertig gehandelt, trägt er gegebenenfalls eine Mitschuld - etwa, wenn er Schuhe mit glatten Ledersohlen trägt. Grundsätzlich aber sollte man sich Ersatz suchen, wenn man seiner Streupflicht nicht nachkommen kann, weil man etwa im Urlaub ist.

joe/dpa
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