Klimaschutz-Hindernis Konzerne erhalten Milliardensubventionen für Ölprojekte

Offiziell bekennen sich die Industriestaaten zum Klimaschutz - doch zugleich pumpen sie Milliardenbeträge in die Erkundung neuer Ölvorkommen. Laut einer Studie profitieren ausgerechnet Energiekonzerne von den massiven Subventionen.
Ölförderung (in Kalifornien): Milliardensubventionen für Energiekonzerne

Ölförderung (in Kalifornien): Milliardensubventionen für Energiekonzerne

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Die führenden Industrie- und Schwellenländer subventionieren die Erkundung von Ölvorkommen mit 71 Milliarden Euro pro Jahr - und untergraben damit ihre eigene Klimapolitik. Die größten Beträge kämen aus Großbritannien, Russland, den USA und Australien, schreibt das britische Overseas Development Institute in einem am Dienstag veröffentlichten Report . Allein Washington habe Öl- und Gaskonzernen im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) zur Unterstützung der Erkundung von Vorkommen gezahlt. Dies sei doppelt so viel wie 2009 gewesen.

Beim Uno-Klimagipfel 2010 im mexikanischen Cancún hatten sich die Regierungen der Welt offiziell auf das Ziel geeinigt, die globale Erwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Doch die Subventionen könnten das untergraben, warnte das Overseas Development Institute, das den Bericht zusammen mit der US-Aktivistengruppe Oil Change International vorlegte. Er erscheint kurz vor dem Gipfel der G-20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer im australischen Brisbane am Wochenende. Die Autoren kritisierten auch Investitionen staatlicher Konzerne als eine besonders verbreitete Form der Subvention in Ländern wie Brasilien, China, Indien, Mexiko, Russland und Saudi-Arabien.

Demnach reichte die Unterstützung von zwei bis fünf Milliarden Dollar in Russland, Mexiko und Indien bis zu neun Milliarden Dollar in China, elf Milliarden in Brasilien und 17 Milliarden in Saudi-Arabien. Die direkten oder versteckten Subventionen seien eine "öffentlich finanzierte Beihilfe für kohlendioxidintensive Konzerne" zum Schaden der erneuerbaren Energien, heißt es in der Studie. Ohne die Subventionierung der Erkundung der Ölvorkommen und weitere Hilfen wäre ein Großteil der heutigen Öl- und Gasförderprojekte nicht profitabel.

Widerspruch zum Klimaschutz

Erst im September hatte eine Forschergruppe vorgerechnet, dass mehr als die Hälfte der Kohle-, Öl- und Gasvorräte im Boden bleiben müsste, um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Doch derzeit sieht es eher danach aus, als würde es deutlich wärmer werden. Laut dem aktuellen Bericht des Weltklimarats IPCC könnte es Ende des Jahrhunderts vier Grad wärmer sein als zu Beginn der Industrialisierung, sollten keine wirksamen Maßnahmen gegen den CO2-Ausstoß ergriffen werden. Für diesen Fall fürchten Forscher teils katastrophale Folgen durch eine Häufung extremer Wetterereignisse.

Die Ölförderung zieht immer wieder auch direkte Umweltzerstörungen nach sich. Dies prangern nicht nur Wissenschaftler und Naturschützer, sondern auch Prominente an. So hat Hollywoodstar Leonardo DiCaprio am Montag der Ölindustrie vorgeworfen, die letzten Naturreservate Afrikas zu zerstören. "Es sind viele Industriebranchen, die ganze Regionen gefährden. Aber gerade die Ölindustrie geht ohne Rücksicht in empfindliche Regionen", sagte DiCaprio auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. Der 40-Jährige forderte von den Regierungen schärfere Maßnahmen, um die Umwelt, Tiere und auch Menschen vor einem industriellen Raubbau zu schützen.

DiCaprio hat den Film "Virunga" mitproduziert, der die Gefährdung der Berggorillas im mittleren Afrika schildert. "Diese Geschichte muss auf der ganzen Welt erzählt werden", sagte DiCaprio. "Es gibt nur noch 800 Berggorillas auf dieser Welt, ein Drittel davon im Virunga-Nationalpark. Trotzdem wird das empfindliche Gebiet gefährdet, nur weil Öl gefördert werden soll."

mbe/AFP