Gartenvögel in Deutschland Blaumeisen-Bestand erholt sich nach Massensterben

Vor einem Jahr raffte eine Lungenerkrankung Tausende Blaumeisen dahin. Das Ergebnis einer bundesweiten Vogelzählaktion macht jetzt Hoffnung.
Blaumeise: »Offenbar konnten erfolgreiche Bruten die Verluste weitgehend ausgleichen«

Blaumeise: »Offenbar konnten erfolgreiche Bruten die Verluste weitgehend ausgleichen«

Foto: Alberto Carrera / YAY Images / imago images

Im Mai wurden in deutschen Gärten zahlreiche Vögel gezählt. Insgesamt mehr als 3,1 Millionen Tiere haben Freiwillige bei einer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) organisierten Zählaktion gesichtet, teilte die Organisation am Mittwoch mit . Pro Garten wurden im Schnitt 33 Vögel von 11,4 unterschiedlichen Arten entdeckt.

Das waren deutlich mehr als bei der vergangenen Zählaktion. Im Jahr 2020 war mit durchschnittlich 30 Vögeln pro Garten der bisher niedrigste Wert ermittelt worden. Der Vogelbestand sei insgesamt seit Beginn der Zählung 2005 aber weitgehend stabil. Dennoch sinken die Bestände bei 20 der 66 am häufigsten beobachteten Arten.

Zu den größten Verlierern zählen Mauersegler, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Grauschnäpper. Auffällig viele Rückgänge gibt es bei Vogelarten, die sich von Insekten ernähren. Deutliche Zunahmen gab es bei Vegetariern wie Ringeltauben, Stieglitz, Gimpel und Kernbeißer.

Blaumeisen erholen sich

Am häufigsten meldeten die Freiwilligen Haussperlinge in ihren Gärten. Dahinter folgten Amsel, Kohlmeise, Star, Blaumeise, Feldsperling, Elster und Ringeltaube. Das Rotkehlchen erhielt mit Platz neun seine bisher beste Platzierung. Die Mehlschwalbe landet auf dem zehnten Platz.

Die recht häufige Sichtung von Blaumeisen hebt der Nabu besonders hervor. Im Frühjahr 2020 hatte das Bakterium Suttonella ornithocola, das offenbar nur bei Blaumeisen Lungenentzündungen hervorruft, ein Massensterben der Tiere in vielen Teilen Deutschlands verursacht. »Dort, wo es grassierte, hatten die Sichtungen bei der Vorjahreszählung deutlich abgenommen«, schreibt der Nabu.

Auch in diesem Frühjahr seien zwar noch zahlreiche Vertreter der Art an einer solchen Infektion gestorben . Vom Einbruch im vergangenen Jahr habe sich die Spezies aber recht gut erholt, auch wenn sie ihren normalen Durchschnittswert nicht erreiche. »Offenbar konnten erfolgreiche Bruten die Verluste weitgehend ausgleichen.«

230 verschiedene Arten gesichtet

Insgesamt wurden knapp 230 unterschiedliche Vogelarten gemeldet – eine laut Nabu bemerkenswert hohe Zahl. In der Nähe von München wurde beispielsweise eine extrem seltene Kappenammer gesichtet. Diese Art lebt sonst im Balkanraum und brütete bisher in Deutschland nur ein einziges Mal.

Mehr als 140.000 Menschen nahmen zwischen dem 13. und dem 16. Mai an der »Stunde der Gartenvögel« teil. Gemeldet wurden die Sichtungen aus über 95.000 Parks und Gärten.

»Nach der Rekordteilnahme während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr ist die Teilnehmendenzahl auf hohem Niveau geblieben«, erklärte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Für die Natur sei ein gewachsenes Interesse an der Vielfalt vor der Haustür gut. Wer Vögeln helfen wolle, müsse seinen Garten insektenfreundlich gestalten.

jme/AFP
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