Sturm "Frank" Bojen am Nordpol melden extremen Wärmeschub

Kräftig wie ein starker Hurrikan: Der riesige Sturm "Frank" ist über Island und Großbritannien gezogen. Die Nordpolregion erlebt einen Wärmeschock.
Sturm "Frank" (untere Hälfte): 260 km/h Windgeschwindigkeit

Sturm "Frank" (untere Hälfte): 260 km/h Windgeschwindigkeit

Foto: wetter.com/ DWD

Der Nordatlantik-Sturm "Frank" hat Großbritannien voll erfasst. Windböen bis zu 120 Stundenkilometer und heftiger Regen haben am Mittwoch vor allem Schottland und Nordirland heimgesucht. Tausende Häuser waren ohne Strom; Straßen und Bahnverbindungen mussten gesperrt werden. Es ist die dritte Flut innerhalb eines Monats.

Auch Island und Norwegen wurden von der riesigen Unwetterfront erfasst. Medienberichten aus Island zufolge  wurden in dem Land im Nordatlantik Windgeschwindigkeiten von 260 km/h gemessen - so stark blasen die kräftigsten Hurrikane.

Die Warmluft hat die Temperatur am Nordpol bereits bis auf null Grad getrieben. Eine Wetterstation auf einer Boje 500 Kilometer vom Pol entfernt habe am Mittwochvormittag mitteleuropäischer Zeit genau null Grad angezeigt, berichtete Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Eine andere Boje in 330 Kilometern Entfernung habe minus ein Grad angezeigt. Damit liege das Temperaturniveau etwa 30 Grad über dem normalen Wert in dieser Region zu dieser Jahreszeit. Plusgrade am Donnerstag seien möglich. Am Nordpol herrschen damit ähnliche Temperaturen wie derzeit im Süden Kaliforniens.

"Sehr ungewöhnlich"

Warmluftvorstöße bis in die Polregion gebe es im Winter immer mal, "aber dieser ist schon sehr ungewöhnlich", sagte Leyser. Am Donnerstag werde voraussichtlich das Maximum erreicht. Danach sinken die Temperaturen nach Erwartungen der Meteorologen wieder, aber es bleibe sehr mild.

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Die Temperaturen in der Polregion werden mithilfe von Bojen ermittelt, direkt am Nordpol gibt es keine Wetterstation. Die am nächsten gelegene Landstation steht auf Spitzbergen 1500 Kilometer vom Pol entfernt. Dort wurden am Mittwoch plus 3 Grad gemessen, etwa 15 Grad mehr als zu dieser Jahreszeit üblich.

Warum sich eine solche Wetterlage ausgebildet habe, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, teilte der DWD mit. "Es ist ein Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre." Mit dem Klimawandel habe es nichts zu tun.

Am stärksten betroffen waren am Mittwoch die Regionen um Aberdeen im Osten und Glasgow im Westen Schottlands. Dort mussten Straßen und teilweise Autobahnen gesperrt werden, Fährverbindungen zwischen einzelnen Inseln wurden eingestellt, berichteten die Behörden. Es wurden keine Toten oder Vermissten gemeldet. Zugleich blieb es vergleichsweise warm: In den meisten Regionen kletterten die Temperaturen erneut über zehn Grad.

Licht aus

Allein in Schottland ließ "Frank" in 5500 Häusern das Licht ausgehen. In Nordirland, wo der Sturm in der Nacht hinwegfegte, waren zeitweise 2000 Häuser ohne Strom. In Belfast fielen mehrere Flüge aus. In Osten Islands riefen die Behörden die Bewohner auf, wegen des Unwetters zu Hause zu bleiben, viele große Straßen wurden gesperrt. Auch an der Westküste Norwegens führte "Frank" zu Stromausfällen.

Besonders geplagt sind die Menschen im nordenglischen Yorkshire, die erst über Weihnachten mit schweren Überschwemmungen zu kämpfen hatten. Auch hier wird erneut Hochwasser befürchtet - wenn auch nicht so stark wie zuvor. In Croston in Lancashire riefen die Behörden Bewohner auf, ihre gefährdeten Häuser zu verlassen. Zugleich klagte die Polizei in Yorkshire, es habe vereinzelt Plünderungen gegeben.

Am Dienstagabend stürzte in der Ortschaft Tadcaster in Yorkshire eine Brücke in den Fluss Wharfe. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Bauwerk war allerdings bereits Tage zuvor für den Verkehr gesperrt worden. Mehrere Häuser in unmittelbarer Nähe wurden evakuiert.

Es ist die dritte Unwetterfront in Großbritannien im Dezember. Anfang des Monats tobte zunächst Sturm "Desmond", über Weihnachten kam Sturm "Eva".

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boj/dpa