Südamerika Sieben Länder schließen Pakt zum Schutz des Amazonasgebiets

"Entscheidend für das Überleben unseres Planeten": Bei einem Gipfeltreffen im Dschungel haben Vertreter sieben südamerikanischer Länder den "Pakt von Leticia" unterzeichnet - es geht um den Schutz des Regenwalds.

Teilnehmer des Amazonas-Gipfels im kolumbianischen Leticia: "Ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen"
Mauricio Duenas Castaneda/EPA-EFE/REX

Teilnehmer des Amazonas-Gipfels im kolumbianischen Leticia: "Ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen"


Sieben Länder aus Südamerika haben sich auf eine gemeinsame Strategie zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Entwicklung in der Amazonasregion geeinigt. Vertreter aus Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Suriname und Guayana unterzeichneten dafür den Pakt von Leticia für Amazonien. "Amazonien ist unser Erbe, unterliegt unserer Souveränität, aber wir können es mit der Welt teilen", sagte Kolumbiens Präsident Iván Duque. "Es ist ein Schatz, den wir alle gemeinsam hüten müssen."

Duque empfing die Regierungsvertreter der Region zum Amazonasgipfel in Leticia in einer traditionellen Hütte der indigenen Gemeinschaften im Dschungel. "In den vergangenen Jahren haben wir Tausende Hektar Regenwald verloren, weil illegal neue Weide- und Ackerflächen geschaffen werden", sagte Duque. Der Schutz des Regenwalds müsse unbedingt verbessert werden. "Dies ist entscheidend für das Überleben unseres Planeten."

Kolumbiens Präsident Duque umarmt einen indigenen Mann am Rande des Treffens mit Staats- und Regierungschef der Länder in der Region
Nicolas Galeano/Presidencia Colombia/ DPA

Kolumbiens Präsident Duque umarmt einen indigenen Mann am Rande des Treffens mit Staats- und Regierungschef der Länder in der Region

Mit dem Abkommen verständigten sich die Länder auf konkrete Aktionen zum Schutz des Amazonasregenwaldes. "Es bleibt nichts mehr zu sagen, denn nach den Unterschriften muss nun gehandelt werden", sagte Ecuadors Staatschef Lenin Moreno. Sein Kollege Evo Morales sagte, die Menschen müssten sich auf ein harmonisches Verhältnis zur Mutter Erde zurückbesinnen. Allerdings war der linke Präsident zuletzt selbst in die Kritik geraten, weil er nur sehr zögerlich reagierte, als in den vergangenen Wochen riesige Flächen in Bolivien abbrannten.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro konnte wegen einer bevorstehenden Operation nicht persönlich an dem Gipfel teilnehmen und wurde per Videokonferenz zugeschaltet. Er verteidigte seine Umweltpolitik und warf Ländern wie Frankreich erneut vor, sich in die inneren Angelegenheiten von Brasilien einzumischen.

"Dieser Pakt ist etwas ganz Besonderes. Wir werden von der ganzen Welt beobachtet und einige glauben, dass wir nicht in der Lage sind, die wunderbare Natur von Amazonien zu verwalten", sagte der brasilianische Außenminister Ernesto Araújo nach der Unterzeichnung des Abkommens. "Mit diesem Dokument beweisen wir, dass wir dazu fähig und dass wir gemeinsam für den Schutz und die vernünftige Entwicklung der Region arbeiten."

Das ganze Amazonasgebiet leidet derzeit unter zahlreichen Bränden. Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neues Weideland zu schaffen. In der derzeitigen Trockenzeit greifen die Flammen aber auch immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Besonders Bolsonaro war zuletzt international in die Kritik geraten, weil er die wirtschaftliche Nutzung des für das Weltklima bedeutenden Regenwaldes vorantreibt.

Gesangseinlage von Ecuadors Präsident

Um seinen Kollegen aus der Region ins Gewissen zu reden, griff Ecuadors Präsident Moreno bei dem Amazonasgipfel zu einem ungewöhnlichen Mittel. Als er bei dem Treffen an der Reihe war, um eine Stellungnahme abzugeben, stimmte er das Lied "Pare" (Vater) des katalanischen Liedermachers Joan Manuel Serrat an. Es handelt von Umweltzerstörung und Raubbau an der Natur.

"Vater, der Fluss ist kein Fluss mehr. Der Wald ist kein Wald mehr. Wo es keine Bienen mehr gibt, gibt es auch kein Wachs und keinen Honig", heißt es in dem Lied. "Vater, morgen wird Blut vom Himmel regnen." Seine Kollegen spendeten Moreno nach dem Vortrag Beifall.

aar/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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viceman 07.09.2019
1. Morales hätte
Also zögerlich eingegriffen? Im Gegensatz zu den Opportunisten aus Kolumbien, Brasilien, equador konnte man Morales sehen, wie er selbst mit gelöscht hat. Die anderen, v. a. Duque sind nur Schwätzer für die laufenden Kameras, während sie sich von Grossgrundbesitzern und Bergbaufirmen bezahlen lassen...
pwinky22 07.09.2019
2. Noch nichts ist bewiesen.
Jeii, genau.. "Mit diesem Dokument beweisen wir, dass wir dazu fähig sind." Mit diesem Dokument habt ihr noch gar nix bewiesen. Mit einer Einschreibung in die Uni ist ein Student noch kein guter Student. Harte Brocken stehen bevor. Ich hoffe dass ihr das durchzieht. Das Dokument ist erst einmal in meinen Augen PR. Erst erst einmal die Schäden reparieren. Erst dann geht's mal von 0 los. Schützt den Regenwald vor euch selbst. Aber beim Start seid ihr noch nicht mal angelangt. Schutz reicht zudem nicht. In meinen Augen muss man auch Entwicklung und Lebensraum aktiv ausweiten und fördern.
Johann Dumont 07.09.2019
3. Greenpeace schläft - andere NGO s auch !
ein weltweiter Boykottaufruf von NGOs wie Greenpeace wäre sofort wirksam. Weltweiter Boykott von Waren aus Brasilien durch die Verbraucher und keine Tourismus mehr. Schon so ein Aufruf hätte sofortige Konsequenzen. Greenpeace und andere sind nicht mehr was sie mal waren !
dendro 07.09.2019
4. Längst überfällig
Das hätte der Regenwald schon vor Jahrzehnten gebraucht. Aber besser jetzt als nie, wenn die Jungs ihren Worten wirklich Taten folgen lassen. Insbesondere bei Bolsonaro darf man da beträchtliche Zweifel haben.
raton_laveur 07.09.2019
5. Nicht das Papier wert, auf dem es steht.
Das, was da unterschrieben wurde, steht in krassem Gegensatz zum Handeln mancher Unterzeichen, vor allem Bolsonaros Handeln. Internationale Hilfe lehnt er mit pseudonationalistischen Beschimpfungen ab und läßt den Wald weiter abbrennen, damit immer dieselben Cliquen sich daran bereichern können.
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