Südlicher Schneeferner Deutschland ist ein Gletscher weggeschmolzen
Schnee auf dem Südlichen Schneeferner im August 2021: Der Gletscher hat seinen Status verloren
Foto:Angelika Warmuth / dpa
Deutschland hat einen Gletscher verloren: Im Sommer 2022 schritt der starke Eisschwund am Südlichen Schneeferner in den bayerischen Alpen derart voran, dass er nun seinen offiziellen Status als Gletscher verliert, wie die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München mitteilte. Damit gibt es in Deutschland nur noch vier Gletscher, die ebenfalls stark vom Abschmelzen bedroht sind.
Neue Georadar-Messungen von Mitte September zeigten das große Ausmaß des Verlustes am Südlichen Schneeferner, teilten die Wissenschaftler mit. Die Dicke des Eises nahm demnach in weiten Bereichen deutlich ab und erreicht an den meisten Stellen nicht einmal mehr zwei Meter. Selbst an der tiefsten Stelle sei das Eis inzwischen weniger als sechs Meter dick, im Vergleich zu etwa zehn Metern Dicke im Jahr 2018. »Daraus lässt sich schließen, dass das verbleibende Eis innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre vollständig abschmelzen wird«, heißt es von den Wissenschaftlern. Zugleich habe sich die Gletscherfläche seit 2018 auf weniger als einen Hektar halbiert.
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Auch das Eis der anderen vier Gletscher in Deutschland – Nördlicher Schneeferner und Höllentalferner an der Zugspitze sowie Blaueis und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen – war in diesem Sommer weiter geschmolzen.
Gletscher sind große Massen hauptsächlich aus Schnee, Firn und Eis, die meist von Bergen langsam in Richtung Tal strömen. Die meisten der heute existierenden Gletscher entstanden während der letzten Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren. Aufgrund der geringen Eisdicke kann der Akademie zufolge auch keine Eisbewegung mehr erwartet werden, sodass der Südliche Schneeferner nicht länger als eigenständiger Gletscher betrachtet wird.
Die langjährigen Vermessungen am Südlichen Schneeferner werden daher eingestellt. Erstmals gab es 1892 solche Messungen. Sie werden regelmäßig seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wiederholt, um die Veränderung der bayerischen Gletscher zu erfassen.