Baumsterben Umweltministerin Schulze fordert Klimaprämie für Waldbesitzer

Klimaschutz statt Holzgewinnung: Umweltministerin Schulze will nach SPIEGEL-Informationen ökologische Waldbesitzer belohnen. Damit widerspricht die SPD-Politikerin ihrer Kabinettskollegin Klöckner.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD)

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Dem deutschen Wald geht es miserabel. Nach zwei Jahren extremer Dürre in den Sommermonaten setzen ihm Waldbrände immer wieder zu. Die Borkenkäferplage vernichtet Kiefernwälder in nicht bekanntem Ausmaß. Deutsche Waldbesitzer sprechen angesichts der Situation von einer "Jahrhundertkatastrophe". Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen - im Wesentlichen Käferholz und geschwächte Bäume, die bei Stürmen umgeknickt sind.

Dieser Kahlschlag ist nicht gut, schließlich filtern Bäume CO2 aus der Luft. Deutschland, das bei seinen Klimazielen hinterherhinkt, könnte also intakte Wälder gut gebrauchen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will Waldbesitzer deshalb künftig dafür honorieren, wenn sie in ihrem Baumbestand mehr für den Klimaschutz tun. "Prämien sollte es für diejenigen geben, die ihren Waldumbau vor allem am Nutzen für die Natur und am Klimaschutz ausrichten und nicht an der Holzproduktion", sagte Schulze dem SPIEGEL. "Bäume müssen groß und alt werden dürfen."

Damit widerspricht die Ministerin ihrer Kabinettskollegin, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die mit Geldern für Aufforstaktionen vor allem die Holzgewinnung im Sinn hat. Schulze hingegen wünscht sich staatliche Anreize für die Funktion des Waldes, das Klima zu schützen. "Wenn der Staat mit Steuergeld privaten Waldbesitzern beim Wiederaufbau von Wäldern hilft, muss die Gesellschaft auch etwas davon haben", sagte sie dem SPIEGEL. Das Geld dürfe allerdings nicht mit der Gießkanne verteilt werden. Nötig seien deshalb klare Kriterien für die Förderung, erklärte Schulze. Ende September wird Schulze an dem Waldgipfel teilnehmen, den Landwirtschaftsministerin Klöckner einberufen hat.

Angesichts der verheerenden Zustände in deutschen Wäldern hat die Politik das Thema wieder verstärkt auf die Agenda gebracht. In Sachsen und Thüringen könnten knapp ein Drittel des Waldbestandes verloren gehen. Entsprechend wird das Waldsterben dort zum bestimmenden Thema im Wahlkampf. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer(CDU) traf sich im August mit Julia Klöckner (CDU), gemeinsam verabschiedeten sie die "Moritzburger Erklärung". Darin fordern sie 800 Millionen Euro, um den deutschen Wald den Klimaveränderungen anzupassen.