"Lex Wolf" Umweltministerin Schulze will Abschüsse von Wölfen erleichtern

Wölfe reißen in Deutschland immer häufiger Schafe und Ziegen, zuletzt auch Rinder und ein Pferd. Laut einem Medienbericht will Umweltministerin Svenja Schulze die Kriterien für einen Abschuss herabsenken.

Wolf in einem Gehege im Wildpark Eekholt (Archivbild)
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Wolf in einem Gehege im Wildpark Eekholt (Archivbild)


Diskussionen um den Umgang mit Wölfen, die sich problematisch verhalten, gibt es immer wieder. Derzeit in Schleswig-Holstein und auch in Niedersachsen, wo das sogenannte Rodewalder Rudel nördlich von Hannover sogar ein junges Islandpferd tötete. Doch Umweltschützer protestieren gegen die Entscheidung, den Leitwolf erschießen zu lassen.

Nun hat sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in die Debatte eingeschaltet. Sie möchte den Abschuss von Wölfen, die großen Schaden anrichten, erleichtern. Deshalb strebt sie ein Veränderung des Naturschutzgesetzes an.

"Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen", sagte sie der "Bild am Sonntag". Das wolle sie mit einer "Lex Wolf" klarstellen.

Nach der geplanten Gesetzesänderung solle ein Wolf künftig bereits geschossen werden dürfen, wenn er "ernste landwirtschaftliche Schäden" verursache. Bislang war von "erheblichem Schaden" die Rede - der werde laut dem Bericht von den Gerichten erst bei einer Bedrohung der Existenz von Nutztierhaltern gesehen. Mit der Änderung wolle Schulze etwa für Schafshalter Rechtsklarheit schaffen. Nun könnten auch Hobbyschäfer entschädigt werden, so Schulze.

Die geplante Änderung sehe außerdem ein Fütterungsverbot für Wölfe vor. Laut Schulze würden vor allem Menschen, die die Tiere interessant finden, diese füttern. "Aber so lockt man Wölfe in die Nähe von Wohngebieten. Und da gehören sie nicht hin", sagt sie.

Nach dem Wunsch von Schulze soll die Änderung so schnell wie möglich umgesetzt werden. Es fehle aber noch die Zustimmung der CDU.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt - doch auch bisher durften einzelne Tiere getötet werden, wenn von ihnen eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder großer wirtschaftlicher Schaden entstanden war. 2016 wurde in Niedersachsen etwa Problemwolf Kurti geschossen. Immer wieder kommt es aber auch zu illegalen Tötungen der Tiere.

Derzeit leben etwa 600 Wölfe in Deutschland. Im Jahr 2017/18 wurden von der Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW) 73 Rudel, 30 Wolfspaare und einige Einzelwölfe nachgewiesen. Die meisten Wölfe leben in der Lausitz, vor allem in der Grenzregion zwischen Brandenburg und Sachsen.

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Allerdings ist die Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere bundesweit stark gestiegen. 2017 kam es zu 472 dokumentierten Fällen - das entspricht einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 66 Prozent. Die Zahl der getöteten, verletzten oder vermissten Tiere - meist Schafe oder Ziegen - beziffert die Dokumentationsstelle auf 1667 - fast 55 Prozent mehr als noch 2016.

Mitte Februar hatte das niedersächsische Umweltministerium eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für den Abschuss eines Wolfes erteilt. Das Leittier des Rodewalder Rudels soll für zahlreiche Angriffe auf Rinder und Pferde verantwortlich sein. Und im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein hatte ein Wolf mehrfach Schafe gerissen. Dabei überwand er Zäune, die als wolfssicher galten. Auch dieses Tier soll abgeschossen werden, die Genehmigungen für beide Wölfe wurden erst vor wenigen Tagen verlängert.

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Die Tötungen sollen zügig erfolgen. Zum genauen Verfahren wollte man sich aber nicht äußern. Der Naturschutzbund hatte die Abschüsse kritisiert. Im Fall des Rodewalder Rudels sei der Herdenschutz zu gering gewesen, hieß es. Das Landvolk Niedersachsen, das die Interessen der Landwirtschaft vertritt, forderte dagegen den Abschuss des gesamten Rudels.

joe

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charly05061945 03.03.2019
1. Schulze
Endlich mal eine Politikerin (und das von der SPD!) die versucht ohne Schaum vor dem Mund sich dieses Problemes sachlich anzunehmen. Bei uns in der Gegend (Dörverden/Nds) gibt es das sogenannte "Wolfscenter" in dem Wölfe in einem Zwinger ("Gehege") gehalten werden. Ist das noch "artgerechte Haltung" und falls nein wo bleibt der Aufschrei der selbsternannten Tierschützer von BUND, PETA und Co. die sich gerne über Tierhaltung in Zoo und Zirkus das Maul zerreissen? Wurde hier schon eimal von den betreffenden Damen und Herren Anzeige erstattet?
lupo44 03.03.2019
2. der Naturschutzbund ist gegen den Abschuss......
von Wölfen .Auch hier im Forum hat sich eine Mehrheit für den jetzigen Erhalt und Situation entschieden.Man muß einiges Wissen über die Wölfe bevor man eine Entscheidung treffen kann. Es ist doch an zu nehmen das die Mehrheit zuerst im zivilen Sektor Mensch und Tier an erster Stelle der Erhaltung und Schutz stellt.Der freilebende Wolf ist ein Jäger .Leider ist er auch ein Bequemer Jäger.An ein ausgewachsendes Wildschwein geht er nicht ran.Und davon haben wir leider mehr als genug.Diese Tiere im Rottenverband machen jedes Jahr einen großen Schaden in Flur und Garten.Zurück zum Wolf seine Bequemlichkeit läßt ihm einfach in Herden von Schafen,Ziegen und nun auch Pferden eindringen um diese zu töten. Wir haben wohl derzeig eine hohe Anstiegzahl zur Kenntnis zu nehmen bei den Wölfen. Keine Feinde,gutes Futter und die Population ist enorm.Es wird zur Plage eines Tages.Der Mensch soll den Wolf nicht ausrotten aber seine Anzahl auf ein vertretendes Mass halten.Das ist alles!!! Und das ist richtig.Denken wir dabei auch an Kinder und Alte Bürger die sich auch in den Wald wagen dürfen ohne Angst.Deshalb muß der Schutz an erster Stelle stehen gegenüber den Wolf.
jufo 03.03.2019
3. Wolfsfütterer vergrämen
Unglaublich, dass offenbar Menschen Wölfe füttern, wie sie diese interessant finden. Das nimmt den Wölfen die Scheu mit unabsehbaren Folgen. Aber das ist auch eine Folge davon, dass Wölfe von Naturschützern als harmlos dargestellt werden und es stellt sich immer mehr heraus, dass Naturschützer irrren. Wölfe überwinden Absperrungen und töten auch größere Tiere. Das hätte laut Naturschützern nicht passieren sollen. Was passiert in Zukunft noch? Mir sind Schafe lieber als Wölfe.
walli_sp 03.03.2019
4. Schritt in die richtige Richtung
Der Wolf ist da und wir werden ihnwie es aussieht nicht wieder ausrotten. Also müssen wir reagieren und da ist der Vorschlag von Frau Schulze ein Schritt in die richtige Richtung. Der unerträgliche Zustand, dass bislang nur Berufsschäfer bei Rissen abgefunden wurden (und das auch noch schäbig) scheint damit vorbei zu sein. Wenn jetzt noch die genetische Bestimmung ob Wolf oder Hund transparent in einem unabhängigen Institut erfolgt gewinnt man unter der Landbevölkerung sicherlich dazu.
erichb. 03.03.2019
5. Domestizierung
Mit dieser Methode würde man längerfristig in das genetische System der Wölfe eingreifen, indem man das "Aggressionsverhalten" schrittweise herausschiesst. Warum ausgerechnet der Wolf als schützenswert gilt und nicht z. B. der Waschbär, ist mir allerdings rätselhaft. Aussterben wird er nicht. Es erscheint mir irgendwie ewiggestrig.
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