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Satellitenbilder: Wie "Haiyan" auf den Philippinen gewütet hat

Foto: DLR/ DFD/ ZKI

Satellitenbilder vom Taifun-Gebiet Katastrophenhilfe aus dem Orbit

Die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen stellt die Helfer vor gewaltige Herausforderungen. Dichte Wolken erschweren die Aufnahme von Satellitenbildern. Die wenigen, die es bisher gibt, zeigen: Die Späher im All sind für die Rettungstrupps von entscheidender Bedeutung.

Als Weihnachten 2004 der Tsunami über Südasien hereinbrach und Hunderttausende in den Tod riss, war das Grauen schon wenig später auf Satellitenbildern zu sehen. Hochauflösende Vorher-nachher-Fotos zeigten, wie aus Dörfern und Ferienorten Todeszonen geworden waren - die Sicht für Satelliten war frei. Während und nach der Katastrophe herrschte in den betroffenen Gebieten Sonnenschein, am Himmel hing kaum eine Wolke.

Jetzt, nach der Sturmkatastrophe auf den Philippinen, sieht die Lage anders aus: Seitdem Taifun "Haiyan" über den Inselstaat hinwegtobte, riss die Wolkendecke nur selten auf.

Satellitenbilder aus dem optischen Bereich - also jenen Wellenlängen, die vom menschlichen Auge wahrgenommen werden können - sind deshalb Mangelware. Nur Radarinstrumente können die Wolken durchdringen. "Sie eignen sich gut, um Überflutungen und den Zustand von Straßen abzuschätzen", erklärt Hendrik Zwenzner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Für Schäden in Siedlungen wären hochaufgelöste optische Fotos allerdings besser."

Die Satellitenkarten, die bisher von internationalen Organisationen veröffentlicht wurden, haben viele blinde Flecken. Über große Gebiete liegen kaum Informationen vor, weil Wolken bisher die Sicht behindert haben. "Luftbilder aus Flugzeugen kommen als Alternative derzeit kaum in Frage", sagt Zwenzner. Schlechtes Wetter oder fehlende Ressourcen machten derartige Einsätze vor Ort weitgehend unmöglich - zumal es auf den Flugplätzen nicht viel besser aussehen dürfte als anderswo. In der schwer zerstörten Stadt Tacloban etwa liegt der Flugplatz in den am stärksten betroffenen Gebieten.

Wertvolle Informationen für Helfer am Boden

Fotos aus dem All sind für die Helfer am Boden von großer Bedeutung. "Sie sind wichtig für die Verteilung von Ressourcen und um festzustellen, welche Gebiete überhaupt erreichbar sind", erklärt Zwenzner. Davon soll laut DLR unter anderem ein 17-köpfiges Einsatzteam des Technischen Hilfswerks (THW) profitieren, das am Donnerstag mit zwei Wasseraufbereitungsanlagen auf den Philippinen ankommen soll. Dem THW-Einsatzleiter vor Ort lägen die Satellitenaufnahmen und ihre Auswertung bereits vor.

Unter günstigen Bedingungen können Satellitenbilder wertvolle Dienste leisten: Mehrmals täglich können sie ein Krisengebiet mit einer Auflösung von bis zu 50 Zentimetern pro Bildpunkt ablichten. Wolken sind allerdings nicht das einzige Problem, sondern auch die Koordinierung der verschiedenen Organisationen.

Da gibt es zum einen die International Charter Space and Major Disasters, die von der europäischen Weltraumbehörde Esa und ihrem französischen Pendants (CNES) ins Leben gerufen wurde und der seitdem zahlreiche nationale Weltraum- und Wetterbehörden beigetreten sind. Die Vereinten Nationen betreiben außerdem das Unosat-Programm, das Hilfsorganisationen mit Satellitendaten versorgt, und die Gemeinsame Forschungsstelle der EU (JRC). "Eine übergeordnete Stelle, die alle Arbeiten koordiniert, gibt es nicht", sagt Zwenzner. Absprachen liefen eher informell per E-Mail und Telefon, was mitunter zu Verzögerungen führe.

"Zerstörung so großflächig, dass kaum noch etwas erhalten blieb"

Die Bilder aus dem DLR-Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) dienen nun auf den Philippinen dem Technischen Hilfswerk für Rettungseinsätze auf der Insel Cebu. Die ZKI-Experten nahmen deshalb Bogo City ins Visier, eine Stadt mit rund 70.000 Einwohnern. Vergleiche mit früheren Satellitenbildern zeigten, wie verheerend "Haiyan" gewütet hat. Rot eingefärbte Bereiche, die stark zerstörte Infrastrukturen markieren, bedecken große Teile des Stadtgebiets. "Die einzelnen Häuser sind fast nicht mehr zu erkennen, weil dort die Zerstörung so großflächig ist, dass kaum noch etwas erhalten blieb", sagt Zwenzner.

Noch schlimmer sieht es in Tacloban aus. Auf einer Live-Landkarte  von Unosat ist auf Basis von Satellitendaten verzeichnet, welche Gebiete wie stark von "Haiyan" getroffen wurden. In Tacloban ist demnach praktisch nichts unbeschädigt geblieben: In weiten Teilen der 220.000-Einwohner-Stadt sind die Schäden "katastrophal" oder "umfangreich". Die Bewohner der wenigen kleinen gelben Flecken können sich noch vergleichsweise glücklich schätzen. Dort sind die Zerstörungen "moderat". Flächen mit begrenzten oder keinen Schäden sucht man dort vergebens.