Ansteckende Krebserkrankung Hoffnung für den Tasmanischen Teufel

Ein tödlicher Gesichtskrebs bedroht den Tasmanischen Teufel, er hat den Bestand drastisch schrumpfen lassen. Forscher prognostizieren nun: Die Tiere könnten dennoch überleben. Selbst ohne Hilfsmaßnahmen.

Tasmanischer Teufel im Currumbin Wildlife Sanctuary in der Nähe von Brisbane
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Tasmanischer Teufel im Currumbin Wildlife Sanctuary in der Nähe von Brisbane


Der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) oder Beutelteufel kommt nur noch auf Tasmanien vor - einer Insel im Süden Australiens. Doch seit Jahren sterben die Tiere an einer Krebserkrankung: Die Tumoren bilden sich im Gesicht, sie haben den Bestand drastisch schrumpfen lassen. Forscher suchen seit Jahren nach einer Möglichkeit, um die Tiere zu retten. Dazu zählen Zuchtprogramme, spezielle Schutzgebiete oder Impfstoffe.

Unabhängig von solchen Maßnahmen ist eine Gruppe von Wissenschaftlern nun zuversichtlich: Die Krebserkrankung werde voraussichtlich nicht zum Aussterben der bedrohten Art führen. Wahrscheinlicher sei es, dass der Gesichtskrebs mit der Zeit aus der Population verschwinde, argumentiert ein Team um Konstans Wells von der walisischen Universität Swansea nach entsprechenden Computersimulationen.

Denkbar sei demnach, dass die Beutelteufel Strategien entwickeln, die es ihnen ermöglichen, mit der Erkrankung zu leben, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Ecology".

Krebserkrankung wird durch Bisse übertragen

1996 wurde der tödliche Gesichtskrebs (Devil Facial Tumour Disease, DFTD) im Nordosten der Insel erstmals festgestellt. Die Erkrankung ist ansteckend. Sie wird durch Bisse übertragen, die in der Paarungszeit oder bei Kämpfen um Nahrung unter den Tieren recht häufig vorkommen.

Dabei gelangen einzelne Krebszellen auf den Partner oder Gegner und können sich ansiedeln. Durch den Gesichtskrebs werden die bis zu 70 Zentimeter langen und zwölf Kilogramm schweren Tiere grässlich entstellt. Viele verenden qualvoll, weil sie wegen der Geschwüre in Mund und Rachen nicht mehr fressen können.

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Tasmanischer Teufel: Vom Aussterben bedroht

Seit dem Auftauchen der Krebserkrankung schrumpfte die Population der Teufel drastisch - um etwa 80 Prozent. Forscher fürchteten, dass der Tasmanische Teufel aussterben könnte. Die Wissenschaftler um Wells erstellten nun ein Computermodell mit Angaben zur Populationsstruktur und zur Anzahl der erkrankten Tiere, die in den vergangenen zehn Jahren erhoben wurden. Sie prüften dann, wie sich die Erkrankung unter verschiedenen angenommenen Szenarien in der Zukunft ausbreiten wird.

"Unmittelbare Eingriffe nicht nötig"

57 Prozent der Simulationen ergaben, dass die Krebserkrankung langsam aus der Population verschwinden wird, 22 Prozent kamen zu dem Schluss, dass die Beutelteufel dazu Anpassungsstrategien entwickeln.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass unmittelbare Eingriffe nicht nötig sind, um das Überleben der Tasmanischen Teufel sicherzustellen", sagt Wells. "Der starke Rückgang der Population nach dem ersten Auftreten der Erkrankung übersetzt sich nicht zwangsläufig in einen langfristigen Populationsrückgang."

Ein Verständnis der zugrundeliegende Prozesse sei vor allem angesichts der Entdeckung einer neuartigen Form einer übertragbaren Krebserkrankung wichtig, ergänzt Mitforscher Rodrigo Hamede von der University of Tasmania. Die sehr ähnliche "Devil Facial Tumor 2" genannte Erkrankung betrifft vor allem Populationen im Südosten der Insel.

Resistenz gegen den Tumor

Bereits 2016 hatten Forscher berichtet, dass Tasmanische Teufel womöglich eine Waffe gegen den tödlichen Krebs besitzen. Sie fanden unter Angehörigen dreier Populationen einige genetische Merkmale, die den Tieren eine Resistenz gegen den ansteckenden Tumor verleihen. Dies sei eine außergewöhnlich schnelle evolutionäre Antwort auf die Ausbreitung der Erkrankung, berichtete das internationale Forscherteam damals im Fachblatt "Nature Communications".

Zuletzt hatten Wissenschaftler in einer entlegenen Region der Insel 14 gesunde Beutelteufel entdeckt. Die Entdeckung von Tieren mit einer frischen genetischen Vielfalt biete vielleicht die Chance, die Population zu retten, hieß es im Sommer 2018.

joe/dpa



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Ratzekarl 28.01.2019
1. Modelle bilden die Prämissen mit Hilfe von Algorithmen ab
Modelle bilden die Prämissen mit Hilfe von Algorithmen ab, waren Prämissen falsch oder die Algorithmen fehlerhaft, ist auch das Simulationsergebnis falsch. Die Simulation muss auch nicht der Realtitä entsprechen, sondern zeigt bloß eine Entwicklungsmöglichkeit auf. Davon abgesehen ist das Überleben der Art dann nicht gesichert, wenn der Anteil der lebenden, uninfizierten Tiere unter eine bestimmte Schwelle sinkt. Will sagen: Die Untersuchung mag eine Ausrede sein, nichts zu tun, mehr aber auch nicht.
Leser161 29.01.2019
2. Versteh ich nicht
Natürlich kann man die Auswirkungen einer Krankheit auf eine Population durchsimulieren, wenn bestimmte Werte bekannt sind (Ansteckungsgefahr, Letalität etc.), diese sind unter Umständen ermittelbar, wenn man die die Teufel genau beobachtet. Aber auch dann ist man weit von einer guten statistischen Basis entfernt. Aber seis drum. Nehmen wir mal an die Forscher haben diese Werte. Dann kann man gut schätzen ob der Tumor verschwindet. Eine Simulation hingegen ob der Beutelteufel eine Immunantwort entwickelt finde ich sehr gewagt. Es ist eine neue Krankheit über die sehr wenig bekannt ist, wie will man da berechnen ob eine Immunantwort entsteht? Wenn ich das glauben soll, muss man das besser erklären. PS: Selbst wenn die Forscher recht haben. Es bleibt eine Chance von 25%, dass der Beutelteufel ausstirbt. Stellen Sie sich vor jemand kommt zu ihnen und sagt "Hey, wir haben das ausgerechnet, wenn wir ihnen keine Medikamente geben sterben sie nur mit 25% Wahrscheinlichkeit, deshalb sind ihre Medikamente gestrichen, wegen zu teuer" - na was würden sie dann sagen?
permissiveactionlink 29.01.2019
3. Der Gesichtskrebs
der tasmanischen Teufel ist auf eine zufällige Transformation einer Schwannzelle in einem Weibchen dieser Art zurückzuführen, und geht auf das Jahr 1996 zurück. Schwannzellen sind spezielle Gliazellen, also Stütz- oder Hüllzellen der Axone von Nervenzellen, bei Schwannzellen letzteres. Sie umhüllen die Axone im Zentralen Nervensystem mit einer "Myelinscheide", so dass eine schnellere "saltatorische" Leitung von Aktionspotentialen über die Axone möglich ist. Diese Zellen transformieren meistens zu relativ gutartigen Tumoren, selten aber leider auch zu malignen peripheren Nervenscheidentumoren ("MPNST") Ein solcher Tumor hatte das Weibchen offenbar befallen, das Expressionsmuster der Tumorzellen deutet darauf hin. Den Zellen fehlen fünf Chromosomen, darunter die Geschlechtschromosomen. Stattdessen existieren vier neue Chromosomen in ihnen (M1-M4). Krebsübertragung nach Allo-Transplantationen ist niemals völlig auszuschließen. Allerdings sind immer Immunsuppressiva essentiell, um eine Abstoßung des transplantierten Gewebes durch das Immunsystem des Empfängerszu verhindern. Und genau da wird die Erkrankung hochinteressant : Warum überleben die Tumorzellen im Speichel des erkrankten Tieres, und warum kann das Immunsystem eines gebissenen Tieres die Tumorzellen, die in seinen Körper gelangen, nicht als körperfremd erkennen ? Jede Säugerzelle besitzt auf ihrer Oberfläche einen Personalausweis, Moleküle, die man MHC oder LHA (Major Histocompatibility Complex bzw. Human Lyphocyte Antigen) nennt. Normalerweise erkennt das Immunsystem sofort einen falschen Ausweis und leitet Gegenmassnahmen ein, deshalb die Immunsuppressiva bei Transplantationen. Man stelle sich einmal eine durch solche Tumorzellen beim Menschen als Geschlechtskrankheit über kleinste Verletzungen beim Sex verbreitete Krebsform vor, die Genitalien und Unterleib befällt. Ein Horrorszenario ! Ausnahmsweise ist am drohenden Aussterben des tasmanischen Teufels der Mensch völlig unschuldig. Der Zufall führte zu dem Tumor, und die innerartliche Agressivität der Teufel sorgt für die Verbreitung über ganz Tasmanien. Entweder ist der Teufel evolutiv gesehen also fällig, oder aber Zufallsmutationen in seinem Genpool, die sein Immunsystem gegen den Tumor stärken und die durch die Tumoren nicht hervorgerufen werden, sondern lediglich selektiert, ermöglichen einigen wenigen Tieren das Überleben. So läuft das eben bei Seuchen und Epi/Pandemien. Auch beim Menschen. C'est la vie !
betonklotz 29.01.2019
4. Woher haben Sie ihre Informationen?
Zitat von permissiveactionlinkder tasmanischen Teufel ist auf eine zufällige Transformation einer Schwannzelle in einem Weibchen dieser Art zurückzuführen, und geht auf das Jahr 1996 zurück. Schwannzellen sind spezielle Gliazellen, also Stütz- oder Hüllzellen der Axone von Nervenzellen, bei Schwannzellen letzteres. Sie umhüllen die Axone im Zentralen Nervensystem mit einer "Myelinscheide", so dass eine schnellere "saltatorische" Leitung von Aktionspotentialen über die Axone möglich ist. Diese Zellen transformieren meistens zu relativ gutartigen Tumoren, selten aber leider auch zu malignen peripheren Nervenscheidentumoren ("MPNST") Ein solcher Tumor hatte das Weibchen offenbar befallen, das Expressionsmuster der Tumorzellen deutet darauf hin. Den Zellen fehlen fünf Chromosomen, darunter die Geschlechtschromosomen. Stattdessen existieren vier neue Chromosomen in ihnen (M1-M4). Krebsübertragung nach Allo-Transplantationen ist niemals völlig auszuschließen. Allerdings sind immer Immunsuppressiva essentiell, um eine Abstoßung des transplantierten Gewebes durch das Immunsystem des Empfängerszu verhindern. Und genau da wird die Erkrankung hochinteressant : Warum überleben die Tumorzellen im Speichel des erkrankten Tieres, und warum kann das Immunsystem eines gebissenen Tieres die Tumorzellen, die in seinen Körper gelangen, nicht als körperfremd erkennen ? Jede Säugerzelle besitzt auf ihrer Oberfläche einen Personalausweis, Moleküle, die man MHC oder LHA (Major Histocompatibility Complex bzw. Human Lyphocyte Antigen) nennt. Normalerweise erkennt das Immunsystem sofort einen falschen Ausweis und leitet Gegenmassnahmen ein, deshalb die Immunsuppressiva bei Transplantationen. Man stelle sich einmal eine durch solche Tumorzellen beim Menschen als Geschlechtskrankheit über kleinste Verletzungen beim Sex verbreitete Krebsform vor, die Genitalien und Unterleib befällt. Ein Horrorszenario ! Ausnahmsweise ist am drohenden Aussterben des tasmanischen Teufels der Mensch völlig unschuldig. Der Zufall führte zu dem Tumor, und die innerartliche Agressivität der Teufel sorgt für die Verbreitung über ganz Tasmanien. Entweder ist der Teufel evolutiv gesehen also fällig, oder aber Zufallsmutationen in seinem Genpool, die sein Immunsystem gegen den Tumor stärken und die durch die Tumoren nicht hervorgerufen werden, sondern lediglich selektiert, ermöglichen einigen wenigen Tieren das Überleben. So läuft das eben bei Seuchen und Epi/Pandemien. Auch beim Menschen. C'est la vie !
Eine nähere Untersuchung der ausbleibenden Immunabwehr könnte zu bahbrechenden neuen Möglichkeiten bei der Transplantationsmedizin führen. Desweiteren habe ich mich gefragt, ob dieser Art Tumor wirklich so neu ist. Wenn es tatsächlich in dieser vergleichsweise kurzen Zeit seit dem ersten (wirklich ersten?) Ausbruch dieser Epidemie schon zur Entstehung einer und sei es auch nur partiellen Immunität gekommen ist, könnte ich mir gut vorstellen, das die erforderliche genetische Variante schon vorhanden war und durch alternatives Splicing aktiviert wurde.
permissiveactionlink 29.01.2019
5. #4, betonklotz
Ich habe diese Informationen seinerzeit von der website "dancelikeamonkey.wordpress.com" bekommen, auf der man sich mittlerweile anmelden muss. Zu den Resistenzen ist zu sagen, dass diese schon im Genpool vorhanden sind, bevor die neue Krankheit auftritt. Die sexuelle Fortpflanzung hat ja genau dieses Ziel : eine möglichst hohe Variationsbreite im Genpool zu erreichen, um dann sofort bei veränderten Umweltbedingungen, Krankheiten, Parasiten usw. geeignete Varianten zu selektieren, die für ein Überleben garantieren, sofern vorhanden. Bei HIV und bei der Pest im Mittelalter gab es auch vorab schon Mutationen bei Menschen, die gegen die Krankheiten immun machen. Zumindest im Mittelalter hätte sonst niemand die Pestepidemien überlebt. Zur Transplantationsmedizin : genau an diesen Prblemen wird intensiv gearbeitet, um z.B. mit Hilfe gentechnischer Verfahren auch Organe von artfremden Spendern, insbesondere von Schweinen, nutzen zu können (Xenotransplantation). Dadurch wäre eine Abstoßungsreaktion gebannt, nicht aber das Risiko einer Einbringung eines Tumors in den Körper des Empfängers. Zum genauen Mechanismus, warum das Immunsystem des tasmanischen Teufels nicht auf die übertragenen Tumorzellen reagiert, findet sich zurzeit nichts. Für die Immunologie und Onkologie ist dieser Tumor aber ganz sicher ein sehr wichtiges Forschungsthema.
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