Fast drei Kilometer tief Wal stellt Tauchrekord auf

Tintenfische sind ihre Leibspeise - um sie zu fangen, tauchen Cuvier-Schnabelwale tief und lange. Messungen haben jetzt gezeigt: Die Art verdrängt den bisherigen Tauchrekordhalter, den Südlichen See-Elefanten, vom Spitzenplatz im Tierreich.

DPA / Erin A. Falcone / Cascadia Research

Los Angeles - Wer besondere kulinarische Vorlieben hat, der muss sich manchmal auch ein bisschen anstrengen. Im Fall der Cuvier-Schnabelwale heißt das: Die bis zu drei Tonnen schweren Tiere müssen sich auf der Suche nach ihrer Beute auch in den Tiefen der Ozeane umschauen. Bei der Jagd nach Tintenfischen tauchen sie dabei beinahe drei Kilometer tief.

Forscher um Gregory Schorr vom Cascadia Research Collective in Olympia (US-Bundesstaat Washington) berichten im Fachmagazin "PLoS One", dass die Wale teilweise eine Tiefe von 2992 Metern erreichen. Der längste registrierte Tauchgang habe 140 Minuten gedauert. Damit schlägt der Cuvier-Schnabelwal den bisherigen Rekordhalter unter den Säugern, den Südlichen See-Elefanten. Von ihm war eine Tauchtiefe von 2388 Metern und eine Tauchdauer von 120 Minuten bekannt.

Besonders erstaunlich sei die kurze Auftauchzeit der Schnabelwale zwischen den einzelnen Tauchgängen, schreiben die Forscher. Im Schnitt verbrachten die Wale demnach weniger als zwei Minuten an der Wasseroberfläche, bei besonders tiefen Tauchgängen etwas mehr. See-Elefanten und Pottwale legen lange Erholungspausen zwischen einzelnen Tauchgängen ein.

Ausflug ins militärische Übungsgebiet

Die Wissenschaftler hatten die Daten von acht Cuvier-Schnabelwalen bei mehr als 6000 Tauchgängen vor der Küste Kaliforniens erfasst. Diese hatten sie zuvor mit einem Sender versehen. Die gemessenen Werte überträfen die bisher bekannte Tauchtiefe und -dauer um fast das Doppelte.

Die rund sieben Meter langen Wale ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen, die oft in großen Wassertiefen leben. Von Walfängern droht ihnen im Prinzip wenig Gefahr, allerdings enden sie immer wieder als Beifang in den Netzen von Fischern.

Schorr und seine Kollegen weisen darauf hin, dass das Tauchverhalten in der vorliegenden Studie vom Menschen beeinflusst sein könnte: Die beobachteten Tiere hielten sich zumindest zeitweise in einem militärischen Übungsgebiet vor der kalifornischen Küste auf. Und Cuvier-Schnabelwale reagieren besonders sensibel auf Störungen durch militärischen Sonareinsatz. Zwei Drittel aller in Folge von Lärm durch Militärtechnik gestrandeten Wale gehören dieser Art an.

Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass Cuvier-Schnabelwale nach einer Lärmstörung außerdem ungewöhnlich lange tauchen und nur langsam wieder an die Wasseroberfläche steigen. In dem beobachteten Fall hatten die Tiere sogar zeitweilig auf ihr Echolot verzichtet, sie suchten also länger als sonst nicht nach Nahrung. Eine andere Forschungsarbeit hatte allerdings auch die umgekehrte Variante ins Spiel gebracht: Die Tiere könnten durch Sonar zum zu schnellen Auftauchen gebracht werden - und deswegen sterben.

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Wale: Die Faszination für die Meeresgiganten

chs/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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max_schwalbe 27.03.2014
1. faszinierend
schnelles oder langsames Aufsteigen hin oder her - es ist kaum vorstellbar wie ein Tier so gebaut sein kann, dass es sowohl mit atmosphärischem Druck als auch mit jenem Druck klarkommt, der bei 3000 m Wassersäule anliegt. Über das Tauchverhalten der Pottwale ist ja einiges bekannt - Schnabelwale dagegen sind sehr wenig erforscht da sie nur selten in Küstennähe vorkommen, und obendrein nicht allzuoft an der Wasseroberfläche sind. Mehrere Schnabelwalarten sind nicht einmal sicher beschrieben, zu Vorkommen und Bestand liegen oft kaum bis gar keine Daten vor. Und das bei einem so großen Säugetier.
aquarelle 27.03.2014
2.
Zitat von sysopDPA / Erin A. Falcone / Cascadia ResearchTintenfische sind ihre Leibspeise - um sie zu fangen, tauchen Cuvier-Schnabelwale tief und lange. Messungen haben jetzt gezeigt: Die Art verdrängt den bisherigen Tauchrekordhalter, den Südlichen See-Elefanten, vom Spitzenplatz im Tierreich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tauchrekord-von-schnabelwal-3-kilometer-tief-140-minuten-unter-wasser-a-960916.html
Auch beim Pottwal hat man bereits Tiefen von 3Km gemessen, allerdings stellt die kurze Ruhephase und die dabei lange Tauchphase von bis zu 140 Min. von Ziphius cavirostris diesen komplett in den Schatten. Das beste an der Natur ist, dass sie immer wieder überrascht. Wir sollten also alles dafür tun, das sie das auch noch sehr lange tut...
prince62 27.03.2014
3. Gut, daß diese Frage beantwortet ist.
Zitat von sysopDPA / Erin A. Falcone / Cascadia ResearchTintenfische sind ihre Leibspeise - um sie zu fangen, tauchen Cuvier-Schnabelwale tief und lange. Messungen haben jetzt gezeigt: Die Art verdrängt den bisherigen Tauchrekordhalter, den Südlichen See-Elefanten, vom Spitzenplatz im Tierreich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tauchrekord-von-schnabelwal-3-kilometer-tief-140-minuten-unter-wasser-a-960916.html
Damit wäre dann eine der wichtigsten und drängendsten Fragen der Menschheit beanwortet, die Zukunft kann kommen!
BobMitDemBlub 27.03.2014
4. .
Zitat von max_schwalbeschnelles oder langsames Aufsteigen hin oder her - es ist kaum vorstellbar wie ein Tier so gebaut sein kann, dass es sowohl mit atmosphärischem Druck als auch mit jenem Druck klarkommt, der bei 3000 m Wassersäule anliegt. Über das Tauchverhalten der Pottwale ist ja einiges bekannt - Schnabelwale dagegen sind sehr wenig erforscht da sie nur selten in Küstennähe vorkommen, und obendrein nicht allzuoft an der Wasseroberfläche sind. Mehrere Schnabelwalarten sind nicht einmal sicher beschrieben, zu Vorkommen und Bestand liegen oft kaum bis gar keine Daten vor. Und das bei einem so großen Säugetier.
Da kann ich ihnen nur zustimmen. Und was die fehlenden Daten und wenigen Beschreibungen anbelangt, ich glaube Wale sind sehr schlaue Tiere, sie halten sich vom Menschen fern ;)
johnzon 27.03.2014
5. Beitrag des
Schön dass Sie sich nicht für Biologie interessieren, ich tue es und bin sher fasziniert über Erkenntnisse dieser Art und jedem halbwegs bewanderten Menschen ist klar, dass wir von der Natur nur lernen können, deswegen halte ich solche Beiträge und die Forschung die zu solchen Erkenntnissen führt für absolut gerechtfertigt
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