Tauwetter in der Arktis Eiskoloss bricht auseinander

Das Eis der Arktis schmilzt rapide. Die größte zusammenhängende Eisfläche der Nordhalbkugel ist jetzt in zwei Teile gebrochen, ein Ende des Tauwetters ist nicht abzusehen. Forscher streiten allerdings darüber, ob der Mensch dafür verantwortlich ist.

Winzig war der Spalt im Ward-Hunt-Eissschelf, als er im Jahr 2000 entdeckt wurde. In den folgenden zwei Jahren aber wuchs er an manchen Stellen auf eine Breite von 85 Metern, wurde begleitet von zahlreichen weiteren Rissen, Brocken lösten sich von den Rändern. Schließlich brach der Koloss, der noch 1998 eine Größe von der Stadtfläche Kölns besaß, vollständig auseinander. "Wir glauben, dass diese Ereignisse in einen größeren Zusammenhang passen und ein weiterer Beweis für die Erwärmung des Nordpols sind", sagt Martin Jeffries von der University of Alaska.

Das Ward-Hunt-Eisschelf war das größte seiner Art auf der nördlichen Erdhalbkugel, schreiben die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Es gehörte zu einer Eisfläche, die vor einem Jahrhundert noch die nördlichen Inseln Kanadas berührte. Schon 1982 waren 90 Prozent verschwunden - entweder war das Eis geschmolzen oder hatte sich von der Küste gelöst. Forscher hatten gemessen, dass die Durchschnittstemperatur des Schelfs in den Sommermonaten der vergangenen Jahre sogar über dem Gefrierpunkt lag.

Dadurch, erklärte Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in Denver gegenüber der "Washington Post", bildeten sich kleine Schmelzwasser-Seen. Da diese Wasserflächen dunkler seien als das restliche Eis, nehmen sie die Sonnenwärme besser auf - der Schmelzeffekt wird noch verstärkt.

Trenberth und andere Forscher warnten jedoch davor, die aktuelle Entwicklung als Beweis für eine vom Menschen verursachte Klimaveränderung zu sehen. Sie vermuten, dass die Schelf-Schmelze weniger etwas mit erhöhtem Kohlendioxid-Ausstoß und dem damit verbundenen Treibhauseffekt als vielmehr mit einer langfristigen Klimaschwankung zu tun hat.

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