Temperaturunterschiede Klimawandel bedroht Artenvielfalt in Seen

Tiefe Seen haben Wasserschichten mit unterschiedlichen Temperaturen, die sich nicht vermischen. Die Folge: Lebenswichtiger Sauerstoff gelangt nicht in die Tiefen, die Lebewesen dort sterben. Forscher befürchten, dass der Klimawandel diese Entwicklung verschlimmern könnte.


Der Klimawandel wird sich auf tiefe Seen in wärmeren und kühleren Regionen der Erde unterschiedlich auswirken. Zu diesem Ergebnis kamen deutsche und japanische Wissenschaftler nach der Untersuchung mehrerer Seen in Japan, wie Bertram Boehrer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg erklärte. Gemeinsam mit Forschern der Hokkaido Universität, des Hokkaido Instituts für Umweltforschung und der Kogashima Universität untersuchte der Gewässerforscher in den Jahren 2005 und 2007 sechs japanische Seen und verglich die Ergebnisse mit 70 Jahre alten Messdaten.

Bodensee: Raschen Temperaturanstieg können die Seen nicht ausgleichen
DPA

Bodensee: Raschen Temperaturanstieg können die Seen nicht ausgleichen

Für den Magdeburger Wissenschaftler war vor allem interessant, wie sich das Wasser der unterschiedlichen Schichten mischt. Die Messungen seien in Japan vorgenommen worden, weil es dort extrem tiefe Kraterseen in unterschiedlicher klimatischer Lage gebe, erklärte Boehrer. "Es gibt weltweit nicht viele Seen, die mehrere hundert Meter tief sind", sagte er, "doch das wird sich ändern". In naher Zukunft würden sich viele solcher Seen in ehemaligen Tagebaugebieten formieren, auch in Deutschland. Der Wissenschaftler verweist etwa auf Garzweiler II. Die Seen im Rheinischen würden 200 bis 300 Meter tief sein.

Anders als in flachen Seen bilden sich in tiefen unterschiedlichen Wasserschichten mit unterschiedlicher Temperatur aus. Je tiefer, desto kälter ist das Wasser. Ist der Unterschied zwischen den einzelnen Schichten zu groß, hat das Wasser eine andere Dichte, mit der Folge, dass sich die Schichten nicht mischen. "Einige wenige Zehntel Grad Temperaturunterschied können ausschlaggebend sein", sagte Boehrer. Von der Zirkulation hängt ab, ob die Seen in der Tiefe viel, wenig oder gar keinen Sauerstoff haben. Fehlt der Sauerstoff, so können viele Organismen nicht überleben, die Artenvielfalt nimmt ab. Diesen Trend bestätigen japanische Biologen, mit denen der deutsche Gewässerforscher zusammenarbeitet.

Wo es im Winter kalt ist, wird sich das Tiefenwasser in den Seen nicht verändern. Auch im mittleren klimatischen Bereich funktioniert die Tiefenzirkulation. Dort mischt sich das Wasser in den Seen nicht vollständig. Trotzdem verfügen sie noch über genug Sauerstoff in der Tiefe. Bertram Boehrer nennt als Beispiel den Shikotsu-See auf der nördlichen Insel Hokkaido. Bei Seen in wärmeren Gebieten ist die Zirkulation bereits gestört. Die Wissenschaftler fanden in der Tiefe keinen Sauerstoff. "Grund dafür ist der Temperaturanstieg der zurückliegenden 20 Jahre", begründete Boehrer.

Die Messergebnisse am Ikeda-See auf Kyushu im Süden will er durchaus als Warnung vor dem Klimawandel verstanden wissen. Zwei extrem kalte Winter in den achtziger Jahren haben dafür gesorgt, dass die Temperatur in der Tiefe gesunken ist und dort festgehalten wird. Steigende Temperaturen in den folgenden Wintern hatten zur Folge, dass das Wasser an der Oberfläche nicht mehr kalt genug wird, um sich mit dem Wasser in der Tiefe zu mischen. Vor allem einen raschen Temperaturanstieg können die Seen nicht ausgleichen. Die Messungen bestätigten die Prognosen der Gewässerforscher.

Seen in Deutschland liegen an der Klimagrenze und könnten durch die Erderwärmung von einer Gruppe in die andere wechseln. "Das kann dazu führen, dass manche Seen das Tiefenwasser nicht mehr so gut erneuern wie früher", warnte Boehrer. In manchen Jahren bleibt in einigen Seen bereits die Mischung aus. Das wurde unter anderem im Bodensee beobachtet. Möglicherweise könnte auch der Zürichsee betroffen sei. Derartige Prognosen gibt es auch für den Ammersee.

Annette Schneider-Solis, AP



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Astir01 16.10.2008
1.
Zitat von sysopNicolas Sarkozy verteidigt die EU-Pläne zur Senkung des CO2-Ausstoßes: Der amtierende EU-Ratspräsident hat Forderungen abgelehnt, wegen der Finanzkrise die Klimaschutz-Vorgaben zu lockern. Ihre Meinung: Soll es beim Klimaschutz Ausnahmen für die Industrie geben?
Nur, wenn das Klima die Industrie von seinen Folgen ausnimmt.
mr.gamer 16.10.2008
2.
Zitat von sysopNicolas Sarkozy verteidigt die EU-Pläne zur Senkung des CO2-Ausstoßes: Der amtierende EU-Ratspräsident hat Forderungen abgelehnt, wegen der Finanzkrise die Klimaschutz-Vorgaben zu lockern. Ihre Meinung: Soll es beim Klimaschutz Ausnahmen für die Industrie geben?
Ich glaube kaum, daß sich das Klima um die "EU-Pläne zur Senkung des CO2-Ausstoßes" kümmert.
Peter_der_Grosse 16.10.2008
3. Grundsätzlich KEINE Ausnahmen
Zitat von sysopNicolas Sarkozy verteidigt die EU-Pläne zur Senkung des CO2-Ausstoßes: Der amtierende EU-Ratspräsident hat Forderungen abgelehnt, wegen der Finanzkrise die Klimaschutz-Vorgaben zu lockern. Ihre Meinung: Soll es beim Klimaschutz Ausnahmen für die Industrie geben?
Das Thema Klimaschutz scheint ja nicht mehr sehr zu interessieren seit der Weltwirtschaftskrise. Dabei ist es aus meiner Sicht extrem wichtig bei der Beendung derselben. Schließlich handelt es sich zu allererst um eine Vertrauenskrise. Keiner weiß wie es weiter geht, darum hält jeder erst einmal seine Kröten zusammen und wartet ab. Der Turbo- und Raff-was-Du-kannst-Kapitalismus ohne Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft ist ohl am Ende. Erst wenn es für die globale Menschheit erkennbar wird, dass umwelterhaltendes Verhalten und gleichzeitig wirtschaftliches Wachtum für alle möglich sind, wird der Einzelne wieder investieren. Darum ist es ganz wichtig, grundsätzlich den als richtig erkannten Weg zur Klimarettung weiter zu gehen. Am klarsten wäre es also, die EU macht keine Ausnahmen und treibt gerade jetzt die umweltfreundliche Renovierung des gesamte Wirtschafts- und Privatbereiches vorwärts. Was wäre denn verloren, wenn tatsächlich ab 2012 120g/CO2 für Neuwagen gelten würde ? Das ist doch nur ein Durchschnittswert ! Klar müssten unsere Premiumhersteller schleunigst die S-Klasse neu entwickeln und haben da sicherlich Nachteile ggü. Italien und Frankreich. Aber schaffen werden sie es wohl, da habe ich feste Zuversicht. Der Wert von 120g ist ja auch schon seit ein paar Jahren bekannt, hätten sie schon längst was tun können, oder ? Seit 1999 gibt es Auto's, die nur 90g ausstoßen. Aber wahrscheinlich wird unsere Regierung das Abwarten und sich die Taschen vollstopfen (der Autoindustrie mit ihren alten Spritschluckerprodukten) jetzt wie bei den Banken auch noch schützen, anstatt dass Fehleinschätzungen bestraft werden. Vielleicht noch dieser Ansporn für alle, die jetzt in verantwortlichen Regierungspositionen vor Entscheidungen stehen: wenn DU es nicht schaffst, Vertrauen in die Zukunft zu erzielen, dann wird nach der nächsten Wahl ein anderer diese Chance haben... Aber
Peter_der_Grosse 16.10.2008
4.
Zitat von mr.gamerIch glaube kaum, daß sich das Klima um die "EU-Pläne zur Senkung des CO2-Ausstoßes" kümmert.
Klar, um einen PLAN kümmert sich das Klima sicher nicht. Aber glauben Sie noch, es gibt keinen Zusammenhang zwischen Klima und tatsächlichem CO2-Ausstoß ?
mr.gamer 16.10.2008
5.
Zitat von Peter_der_GrosseKlar, um einen PLAN kümmert sich das Klima sicher nicht. Aber glauben Sie noch, es gibt keinen Zusammenhang zwischen Klima und tatsächlichem CO2-Ausstoß ?
Genau das. Warum liegen Ruinen heute unter Wasser ? Warum heißt Grönland "Grönland" ? Wie groß ist der menschliche Anteil am CO2-Ausstoß ? Welchen Anteil an der Atmosphäre hat CO2 ? Ein wie starkes Treibhausgas ist CO2 (z.B. im Vergleich zu Wasser) ? Was passiert mit in Wasser gelöstem CO2, wenn man dieses Wasser erwärmt ? Ich vermute, der Anstieg des CO2s ist eine Folge der Erwärmung und nicht ihre Ursache. Es gibt auch Studien, die zeigen, daß der CO2-Anteil der Temperatur folgt und nicht umgekehrt. Das habe ich einmal in einer Dokumentation gesehen ("Der Klimaschwindel"). Die teilweise recht fanatisch vertretene Auffassung, der menschliche CO2-Ausstoß hätte nennenswerten Einfluß auf das Klima, hat wahrscheinlich andere Ursachen: Die Weltbevölkerung nimmt zu und Schwellenländer benötigen mehr Primärenergie für ihre wachsende Wirtschaft. Damit die vorhandene Primärenergie möglichst noch lange für alle reicht, muß gespart werden. Aber wenn man das so sagt, entfaltet es bei weitem nicht die Wirkung wie die Angst vor einer Klimakatastrophe. Es ist ungefähr wie mit Beschneidung und Schweinefleisch bei Moslems bzw. Juden. Soweit ich weiß hatte dies ursprünglich auch eher praktische Gründe (Gesundheit, Hygiene). Um die Ideen umzusetzen integrierte man sie in die Religion. So ähnlich ist es mit der Umweltbewegung / dem Umweltbewußtsein und dem "Klimaschutz" heute auch. Hier wird nicht "geredet um etwas zu sagen, sondern um etwas zu erreichen".
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