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08. Mai 2009, 10:02 Uhr

Termiten

Gen sichert die Macht der Königin

Die Macht einer Termitenkönigin gründet sich offenbar auf ein einziges Gen. Das legt ein Experiment mit einer australischen Termitenart nahe: Als Forscher die Erbinformation ausschalteten, begehrten die Termitenarbeiter auf und wollten selbst herrschen.

Eine hierarchische Gesellschaft ist keine Erfindung der Menschheit. So gibt es bei vielen staatenbildenden Insekten eine strikte Klassentrennung zwischen Arbeitern und sich fortpflanzenden Tieren. Bei Termiten der australischen Art Cryptotermes secundus können die Arbeiter den Platz ihrer Könige und Königinnen einnehmen, sobald diese gestorben sind. Was aber steuert das Verhalten der Arbeiter?

Arbeiterin der australischen Termite Cryptotermes secundus: Status über Protein vermittelt
DDP

Arbeiterin der australischen Termite Cryptotermes secundus: Status über Protein vermittelt

Forscher von der Universität Osnabrück haben nun herausgefunden, dass ein einzelnes Gen den Königinnenstatus sichert und damit auch die Machtverhältnisse im Termitenvolk zementiert. Das Gen namens Neofem2 unterdrücke das Fortpflanzungsverhalten der Arbeiter, schreiben Judith Korb und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Science". Wenn das Gen aktiv ist, scheidet die Königin ein Protein aus, das den Arbeitern ihren Status vermittelt.

Nachdem die Forscher das Gen bei der Königin ausgeschaltet hatten, änderte sich nichts an ihrem Verhalten. Das Termitenvolk aber begehrte auf und verhielt sich so, als sei es führungslos. Die Termitenarbeiter, die den Herrscherstatus für sich beanspruchten, legten nun ein sehr viel dominanteres Verhalten an den Tag.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen auch einen neuen Ansatz zur Insektenbekämpfung: Der Einsatz von chemischen Genschaltern führt zur Anarchie in der Termitengesellschaft.

hda/ddp

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