Terrorvögel So jagten die tödlichsten Räuber Südamerikas

Die Terrorvögel Südamerikas zählten zu den mächtigsten und tödlichsten Räubern ihrer Zeit. Nun haben Forscher die blutige Jagdtaktik der bis zu drei Meter großen Tiere entschlüsselt. Die Tiere attackierten ihre Beute offenbar so, wie ein Boxer auf seinen Gegner losgeht.
Angriff eines Terrorvogels (künstlerische Darstellung): Schnabel wie eine Axt eingesetzt

Angriff eines Terrorvogels (künstlerische Darstellung): Schnabel wie eine Axt eingesetzt

Foto: DDP / Museo de La Plata / Marcos Cenizo

San Francisco - Die mächtigen Tiere machten ihrem Namen offenbar alle Ehre: Nicht nur durch ihre Größe und ihre furchterregenden Schnäbel verbreiteten die Terrorvögel unter den Tieren Südamerikas einst Angst und Schrecken, sondern auch durch ihre ausgefeilten Jagdtaktiken. Bis vor rund zwei Millionen Jahren gingen die flugunfähigen Tiere auf Beutejagd - und waren dafür bestens ausgestattet. Tod bringend waren die kräftigen Beine mit starken Muskeln und der große, meist hakenförmig gebogene Schnabel.

Doch während Forscher über die Beine schon einiges wussten - schon wenige Tritte dürften gereicht haben, um die Beute zur Strecke zu bringen -, war über die genaue Funktion des Schnabels bisher nur wenig bekannt. Argentinische und amerikanische Forscher haben nun erstmals herausgefunden, wie die riesigen Schnäbel dabei mithalfen, dass die Terrorvögel zu den gefährlichsten Raubtieren ihrer Zeit wurden.

Die Analyse im Fachjournal "PLoS One" zeigt, dass die Vögel handelten wie ein guter Boxer: Sie verbissen sich nicht in ihr Opfer, sondern stießen und hackten immer wieder zu. Federico Degrange von der Universität La Plata in Argentinien und seine Kollegen hatten den Schädel von Andalgalornis steulleti untersucht, einem Tier, das vor etwa sechs Millionen Jahren im Nordwesten Argentiniens gelebt hatte. Mit etwa 1,4 Metern Größe lag es nur im Mittelfeld der Terrorvögel. Unter den mindestens 20 verschiedenen Arten gab es nämlich auch drei Meter lange Exemplare, vielleicht sogar noch größere - mit Schädeln so groß wie die von Pferden.

Knochige Strukturen sorgen für extrem festen Schädel

Bei Andalgalornis steulleti maß der Schädel immerhin 37 Zentimeter. Zwei Drittel davon machte der feste Schnabel aus. Bei einer Computertomographie fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Schädel deutlich fester war als bei Vögeln sonst üblich. Die einzelnen Knochenteile, die bei den meisten heute lebenden Vögeln mit flexiblem, stoßdämpferartigem Gewebe verbunden sind, waren bei ihm durch feste, knochige Strukturen verknüpft.

Computermodelle ergaben, dass er vor allem Zug- und Stoßkräfte in Längsrichtung und von oben nach unten aushielt, bei seitlichen Kräften jedoch erhebliche Schwächen hatte. Das verrät, wie die Tiere ihre Beute erlegten, glauben die Forscher.

Die Vögel hätten ihre Beute demnach nicht einfach packen und schütteln können, wie es viele heutige Raubvögel tun. Denn seitliche Bewegungen durch sich wehrende Tiere hätten den großen Schnabel wohl leicht brechen lassen. Stattdessen hätten die Terrorvögel vermutlich auf wiederholte, kurze Angriffe gesetzt. Die Forscher glauben, dass sie Kopf und Schnabel dank kräftiger Halsmuskeln wie eine Axt einsetzten.

Was die Kraft des Schnabels beim Zubeißen anging, sind die Forscher auf grobe Schätzungen angewiesen. Vermutlich habe sie irgendwo oberhalb von 133 Newton gelegen, schreiben die Wissenschaftler. Damit war sie zwar geringer als die vergleichbar großer heute lebender Säugetiere, jedoch deutlich größer als die aktueller Raubvögel wie etwa des südamerikanischen Blaubussards - der kommt lediglich auf 50 Newton, wenn auch bei deutlich geringerer Körpergröße.

Warum die Terrorvögel vor etwa zwei Millionen Jahren ausstarben, weiß übrigens niemand so recht. Ihre wohl letzten noch lebenden Verwandten kommen aber eher wenig bedrohlich daher: Die Seriemas sind kleine Laufvögel in Argentinien und Brasilien, die von Insekten und Fröschen leben.

chs/dpa/ddp
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