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Tiefsee-Ausstellung: Abstieg zum Ozeanboden

Foto: Museum für Naturkunde, Berlin

Tiefsee-Ausstellung in Berlin Zu Gast bei den bizarren Bewohnern der Finsternis

Über die Tiefen unserer Ozeane wissen wir Menschen weniger als über die Oberfläche des Mondes. Trotzdem wird die Tiefsee bereits jetzt wirtschaftlich genutzt. Eine neue Ausstellung in Berlin stellt diese faszinierende Region vor - und wirbt für ihren Schutz.

So bequem kann Forschung sein. Im dick gepolsterten Ledersitz von "Mariana 10914" geht es unter dem Licht einer roten Glühbirne hinab in die Tiefsee. Irgendwo im Hintergrund ist ein tiefes Brummen zu hören, außerdem regelmäßige Sonar-Pings. Vor dem Fenster ziehen im Scheinwerferlicht Schwärme von Plankton vorbei, ab und zu auch ein Fisch. An der Wand sind ein paar Messgeräte montiert, Steuerräder und ein schwarzes, uraltes Telefon. Im hinteren Teil des Bootes kann man aus kleinen Fenstern leuchtende Tiefseekreaturen wie den Fußballfisch und den Teufelsangler beobachten.

"Mariana 10914" ist allerdings gar kein echtes Forschungstauchboot. Es steht in der frisch eröffneten Sonderausstellung "Tiefsee" im Berliner Museum für Naturkunde - und soll Besucher für die Faszination der ewigen Finsternis begeistern. Und das Konzept scheint aufzugehen: Unter UV-Licht zieht eine Grundschulklasse begeistert durch den Ausstellungsraum mit seinen schwarzen Aufstellwänden. Besonders aufgeregt sind die Kinder, als sie einem Modell der japanischen Riesenseespinne gegenüber stehen. Immerhin hat das Tier eine Spannweite von drei Metern.

Doch längst nicht alle Tiefseebewohner sind so groß, ganz im Gegenteil. Manche sind sogar ganz und gar transparent - und machen sich so unsichtbar. Die Berliner Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie sich die Tiere an ihren extremen Lebensraum angepasst haben, in dem mit fortschreitender Tiefe Temperatur, Lichteinfall und Nahrungsdichte sinken - während der Druck stetig zunimmt.

Martialische Instrumente

Manche Arten haben sich wegen des knappen Nahrungsangebots in der Tiefsee martialische Instrumente zugelegt. Fangzahn und Vipernfisch haben furchterregende Zähne. Und damit sie bei jeder Gelegenheit ihre Beute sofort verschlingen können, haben etwa der Schwarze Schlinger und der Schwarzangler extrem dehnbare Mägen.

Wir Menschen wissen noch immer reichlich wenig über die Tiefsee. Sie gilt als schlechter erforscht als die Oberfläche des Mondes. " Wir plündern und schädigen diese unbekannten Bereiche, bevor wir sie kennen. Es ist erschreckend, wie wenig Regelungen es bisher zur Nutzung der Tiefsee-Ressourcen und zum Schutz dieses Ökosystems gibt", beklagt Reinhold Leinfelder. Er ist Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin und damit für die Ausstellung verantwortlich.

Mit 45 originalen Alkoholpräparaten und 35 Modellen, darunter Riesenmodelle vom Pottwal und Kalmar wollen Leinfelder und seine Mitarbeiter das ändern. Dabei erzählen sie auch die Geschichte der Tiefseeforschung und berichten unter anderem von der ersten deutschen Tiefsee-Expedition des Dampfers "Valdivia" Ende des 19. Jahrhunderts. Ein weiteres Ausstellungsobjekt zeigt, wie entbehrungsreich und gefährlich Tauchgänge in die Finsternis der Ozeane waren - und zum Teil auch noch sind. In der Mitte der Ausstellung steht ein Modell der Tauchkugel "Bathysphäre'', mit der William Beebe und Otis Barton 1930 bis 1934 zahlreiche Tauchgänge unternahmen. Sie erreichten dabei eine Tiefe von 923 Metern.

Der Stahlkörper misst gerade mal anderthalb Meter. Und Ledersitze wird man darin vergeblich suchen.


Die Sonderausstellung "Tiefsee" im Museum für Naturkunde Berlin läuft bis zum 31. Januar 2010. Der Eintritt ins Museum kostet für Erwachsene 6 Euro und ermäßigt 3,50 Euro. Vorschulkinder haben freien Eintritt.

chs
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