Tiefsee vor Australien Forscher entdecken völlig neue Tierwelt

Schöne neue Unterwasserwelt: Biologen sind vor Australien mit einem ferngesteuerten Roboter in unbekannte Tiefseegegenden vorgestoßen. Wohin das Licht schon längst nicht mehr vordringt, entdeckten die Forscher gigantische Spinnen und andere nie gesehene Tiere.


Sydney - Es war eine ziemliche Überraschung für Ron Thresher vom staatlichen australischen Forschungsinstitut CSIRO und sein Team: Sie suchten nach fossilen Korallen - und fanden 3000 Meter unter dem Meeresspiegel eine völlig neue Tier- und Pflanzenwelt. Unter den bislang unbekannten Arten waren auch fleischfressende Seescheiden und riesige Spinnen, wie CSIRO am Sonntag berichtete. Es war die erste Forschungsmission in derartige Tiefen in australischen Gewässern. Tiefer wurde Leben in Australien bislang noch nie dokumentiert.

"Was uns echt überrascht hat, ist die Lebensvielfalt in dieser Tiefe", erzählt Thresher. "Wir wussten absolut nicht, was uns erwartet - es hätte kahler Schlamm sein können oder eben üppiges Leben."

Das Team aus australischen und US-amerikanischen Biologen und Tiefseeforschern hatte vier Wochen lang einen ferngesteuerten Roboter von der Größe eines Kleinwagens durch den Graben gelenkt. Das Gerät mit dem Namen Jason verbrachte bis zu 48 Stunden am Stück in der Tiefe, nahm Fotos und Videos auf und brachte Proben mit an die Oberfläche. Der letzte von insgesamt 14 Tauchgängen erfolgte am Samstag.

Auf den Fotos sahen die Biologen zu ihrer Überraschung in 3000 Metern Tiefe Tausende 30 Zentimeter große Spinnen, die mit Landspinnen aber nicht verwandt sein sollen. Auf 3500 Metern breitete sich ein riesiger Anemonen-Teppich aus. Mehrere Millionen Pflanzen mit lilafarbenen Punkten wurden sichtbar, die für die Forscher ebenfalls neu sind.

Sie entdeckten neben anderen neuen Arten auch 50 Zentimeter große Seescheiden, die Fische einfingen. Seescheiden filtern normalerweise nur Nahrung aus Meereswasser.

Die Forscher hatten gehofft, mehr als hunderttausend Jahre alte Korallenfossile zu finden. Daran wollten sie Klima- und Ozeanveränderungen erforschen. Sie fanden entgegen den Erwartungen aber nur vereinzelte, vermutlich rund 10.000 Jahre alte Stücke. "Sie sehen wirklich seltsam aus", sagte Thresher. "Da unten muss chemisch etwas Seltsames vor sich gehen."

dab/dpa



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