Tier-Gesänge Vögel trällern Pop und Klassik

Vögel kennen verschiedene Musikrichtungen: Bei der Paarung vertrauen sie auf Klassik, in anderen Situationen auf Pop. Doch männliche Vögel müssen immer den Ton treffen: Schlechter Gesang animiert Weibchen zum Fremdgehen.

Zebrafinken: Vögel variieren ihre Gesänge.
DPA

Zebrafinken: Vögel variieren ihre Gesänge.


Dass Vögel ihren Gesang der Umwelt anpassen, wurde inzwischen vielfach belegt: Bei schlechter Witterung etwa singen die Tiere virtuoser. Im Stadtlärm trällern sie lauter, um sich Gehör zu verschaffen. In Gefangenschaft singen sie tiefer, als wollten sie einen Blues anstimmen. Dabei nehmen sie keine Rücksicht auf Eigentumsrechte - Laubenvögel etwa klauen mitunter fremde Songs; sie imitieren die Stimmen anderer Vögel.

Manche Gesänge geraten allerdings aus der Mode. Biologen hatten unlängst festgestellt, dass vor 25 Jahren aufgenommenes Gezwitscher bei Vögeln nicht mehr ankommt. Die Kompostion neuer Gesänge sollte allerdings an heimische Gepflogenheiten angepasst sein. Denn Vögel tun sich - wie manche Menschen - mit Dialekten schwer. Dachs-Ammern etwa stehen auf die Hits ihrer Artgenossen, die vor der eigenen der Haustür leben; Weltmusik hat keine Chance.

Vögel haben aber sowohl Klassiker als auch Popmusik im Repertoire, berichten Forscher nun. Bei der Paarung etwa wagten die Tiere keine Experimente, schreiben Bruce Byers von der University of Massachusetts und seine Kollegen im Fachblatt "The American Naturalist".Um eine potentielle Partnerin zu überzeugen, stimmen Gelbscheitel-Waldsänger demnach die Lieder ihrer Vorfahren an - Klassiker sind gefragt. Kampfgesänge hingegen werden ständig dem neuesten Geschmack angepasst - Popmusik also.

19 Jahre haben die Forscher die Gesänge von Gelbscheitel-Waldsängern analysiert. Spätestens nach sieben Jahren hatten moderne Lieder die alten abgelöst. Meist jedoch gab es bereits nach einem Jahr neue Songs.

Dass experimentelle Popmusik bei der Vogel-Paarung nicht gut ankommt, hatten bereits Experimente mit Kanarienvögeln ergeben: Junge Vögel singen demnach, was sie wollen, sie erlernen in ihrer Kindheit wilde Melodien - auch wenn die Töne nicht dem Gesang erwachsener Artgenossen ähneln. Doch sie wissen auch, wann es ernst wird: Sobald sie Weibchen anlocken wollen, trällern sie die Klassiker ihrer Vorfahren.

Die Mühe lohnt sich: Guter Gesang lasse auf Stärke schließen, haben Ornithologen jüngst herausgefunden. Deshalb hätten gute Sänger weitaus bessere Chancen bei Weibchen. Versagen Vögel hingegen beim Singen, kann das auf Weibchen einen verheerenden Eindruck machen: Die Partnerinnen werden regelrecht zum Fremdgehen animiert- jedenfalls bei Meisen.

boj

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