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04. Februar 2015, 09:28 Uhr

Tierbeobachtung

Vögel sehen Drohnen kaum als Gefahr

Vögel haben erstaunlich wenig Angst vor Drohnen, wie eine Studie mit Stockenten, Rosaflamingos und Schnepfen zeigt. Selbst eine Annäherungen auf vier Meter störte die Tiere kaum.

Zur Vogelbeobachtung eingesetzte Drohnen stören die Tiere anscheinend nicht übermäßig - solange sie nicht über ihren Köpfen fliegen. Die Farbe und die Geschwindigkeit der Flugkörper beeinflussen zumindest bei Wasservögeln die Reaktionen der Tiere kaum.

Schon seit einigen Jahren werden unbemannte Flugkörper intensiv zur Beobachtung von Vögeln eingesetzt - etwa beim Zählen von Kolonien. Allerdings sei bislang nicht erforscht worden, wie sich die Drohnen auf die Tiere auswirken und unter welchen Umständen sie stören könnten, schreiben die Wissenschaftler um David Grémillet in der Fachzeitschrift "Biology Letters".

Auf den Winkel kommt es an

Um dies zu prüfen, steuerten die Forscher Stockenten, Rosaflamingos und Grünschenkel mehr als 200 Mal mit Quadrocoptern an. Die 35 Zentimeter großen Geräte hatten verschiedene Farben und näherten sich mit verschiedenen Geschwindigkeiten aus unterschiedlichen Winkeln.

In 80 Prozent der Versuche kamen die Drohnen bis auf vier Meter an die Vögel heran, ohne sie sichtbar zu stören. Farbe, Geschwindigkeit und Lärm hatten keinen Einfluss auf die Reaktion der Tiere, wohl aber die Position. Wenn die Drohnen über den Vögeln standen, bewegten die Tiere meistens entweder Kopf oder Schwanzgefieder oder gingen beziehungsweise flogen weg. Die Forscher betonen, dass Flamingos und Grünschenkel generell sehr sensibel auf Störungen reagieren.

Drohnenregeln je nach Vogelart

"Diese Resultate legen nahe, dass - bei vorsichtiger Flugweise - Drohnen in der Ornithologie für viele Zwecke genutzt werden können", schreiben die Wissenschaftler. "Diese Anwendungen könnten enorm nützlich sein, vor allem in schwer zugänglichem Gelände wie Bergregionen oder Feuchtgebieten."

Peter Berthold vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell spricht von einer Studie mit sehr guten Ansätzen zu einem wichtigen Thema. Schon jetzt seien Drohnen viel im Einsatz, etwa um Populationszählungen aus Hubschraubern zu ersetzen, die sehr problematisch seien. Der Verhaltensforscher rechnet damit, dass in einigen Jahren sogar für verschiedene Arten Regeln zum Einsatz von Drohnen erstellt werden.

jme/dpa

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