Tierische Kommunikation Frösche unterhalten sich mit Rüttel-Signalen

Ungewöhnliches Kommunikationsmittel: Rotaugen-Laubfrösche lassen das Geäst vibrieren, um sich mitzuteilen. Ein reiches Rüttel-Vokabular erlaubt es ihnen, Botschaften über körperliche Größe, den Status und ihre Absichten abzugeben - die Antworten lassen nie lange auf sich warten.

Vibrierendes Geäst: Manche Frösche kommunizieren mit Laubrütteln.
WWF / Stefan Hertwig

Vibrierendes Geäst: Manche Frösche kommunizieren mit Laubrütteln.


Hamburg - Männliche Rotaugen-Laubfrösche lassen das Laub vibrieren, wenn sie mit ihren Artgenossen kommunizieren. Das haben Forscher herausgefunden, indem sie die Tiere in freier Wildbahn studierten und außerdem Laborversuche mit Roboterfröschen durchführten. Die als Tremulation bezeichneten Vibrationssignale werden im Vorfeld aggressiver Auseinandersetzungen zwischen Männchen erzeugt. Sie enthalten Botschaften über die körperliche Größe, den Status und die Absichten des Senders, berichten die Wissenschaftler um Michael Caldwell von der Boston University im Fachmagazin "Current Biology".

Die in ganz Mittelamerika beheimateten Rotaugenlaubfrösche besiedeln bevorzugt Bäume in der Nähe von stillen Gewässern. Während der Regenzeit von Mai bis November widmen sich die nachtaktiven Tiere der Fortpflanzung. Zusätzlich zu den Paarungsrufen, die die männlichen Frösche ausstoßen, um Weibchen anzulocken, erzeugen sie auch aggressivere Laute zur Verteidigung ihres Territoriums vor unliebsamen männlichen Konkurrenten.

Da die Weibchen sich meist nur mit einem einzigen Männchen paaren, kämpfen die Bewerber häufig um den Zuschlag. Doch vorher drohen die Frösche potentiellen Gegnern: Sie schütteln ihren Körper. So erzeugten sie Vibrationen im ganzen Geäst, die von den Konkurrenten als Signale erkannt und beantwortet werden, berichten die Forscher.

Von Insekten und anderen Gliederfüßern kennen Forscher diese Kommunikationsform. Um sie auch bei Wirbeltieren nachzuweisen, reisten Michael Caldwell und seine Kollegen nach Panama und beobachteten die Frösche in ihrem natürlichen Lebensraum. Die Forscher arbeiteten mit speziellen Infrarotkameras, um die sensiblen Tiere nicht zu stören.

Der Kampf ums Weibchen

Weitere Untersuchungen fanden dann im Smithsonian Tropical Research Institute in Panama City statt, wo mittels eines Roboterfrosches künstliche Vibrationen erzeugt wurden. So konnten die Forscher die Reichweite und die Sensitivität der Signale genau messen.

Den Beobachtungen der Forscher zufolge steht die Art der erzeugten Vibration im direkten Zusammenhang mit der Größe des Männchens und dem Inhalt der Botschaft. Die Tremulation sei ein eindeutig aggressives Signal und führte in vielen Fällen zu einem Kampf zwischen den Streitenden, sagen die Forscher.

Die bei den Rotaugenlaubfröschen gewonnenen Erkenntnisse ließen sich möglicherweise auch auf andere auf Bäumen lebende Wirbeltierarten anwenden, meinen die Experten. Kommunikation durch Vibrationserzeugung könnte auch bei anderen Froscharten, Vögel oder Primaten vorkommen.

boj/ddp



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