Tierische Navigation Robben schwimmen nach den Sternen
Berlin - Robben im Planetarium: Im ehemaligen Eisbärenbecken des Kölner Zoos haben Forscher mit diesem nicht alltäglichen Versuchsaufbau interessante Erkenntnisse zu den kognitiven Fähigkeiten der Meeressäuger gewonnen. Ein Wissenschaftlerteam um Björn Mauck von der Universität Odense hatte zwei der Tiere trainiert, einem an die Decke über ihrem Schwimmbecken projizierten Leitstern zu folgen. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler nun im Fachmagazin "Animal Cognition" vor .

Baby-Robbe: "Wir haben bewiesen, dass die Tiere zu diese kognitiven Leistung in der Lage sind."
Foto: AP"Es war wichtig, diese Versuche nicht an Land zu machen", sagt Mauck im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Deswegen hätten die Forscher die Konstruktion des Planetariums auf einer schwimmenden Konstruktion im Wasser untergebracht. Die Wissenschaftler trainierten die beiden Versuchstiere anschließend darauf, in einer realgetreuen Abbildung des nördlichen Sternenhimmels einem bestimmten Stern zu folgen. Mit einem Laserpointer zeigten sie auf den Lichtfleck und belohnten die Tiere, wenn sie in seine Richtung schwammen.
Mit großer Genauigkeit orientierten sich die Robben an dem künstlichen Firmament, das die Forscher in ihren Tests nach dem Zufallsprinzip immer wieder anders ausrichteten. Mauck und seine Kollegen vermuten, dass sich Robben in freier Wildbahn auf ihren Wanderungen nachts ebenfalls an den Sternen orientieren. Direkte Beweise dafür haben sie zwar nicht, aber Mauck zeigt sich überzeugt: "Wir haben bewiesen, dass die Tiere zu diese kognitiven Leistung in der Lage sind. Es spricht einiges dafür, dass sie diese auch nutzen."
Robben wären demnach die ersten Meeressäuger, bei denen diese Art der Orientierung bekannt ist. Bisher hatten Forscher bei nachts ziehenden Vögeln eine solche Navigation nach den Sternen beobachtet. Die Tiere erkennen dabei nicht etwa einzelne Sterne, sondern ermitteln anhand der Rotation der Himmelskörper um den Polarstern lediglich die Nordrichtung und richten sich danach aus. Im Gegensatz dazu fanden die Robben sogar einen einzelnen, sich bewegenden Stern immer wieder.
Die Navigationstechnik könnte bei den Meeressäugern sogar noch weiter entwickelt sein als bei den Vögeln, spekulieren die Forscher. Die Fähigkeit, aus der Lage einzelner, sich bewegender Sterne auf die Richtung zu schließen, ist bei Tieren bisher nicht bekannt. Die polynesischen Seefahrer nutzten sie, um sich ohne weitere technische Hilfsmittel auf See selbst auf weiten Strecken zu orientieren.
chs/ddp