Tierische Vorliebe Löwinnen stehen auf dunkle Mähnen

Dunkle und lange Mähnen können unter Afrikas Sonne unerträglich sein. Doch die rassige Haarpracht zahlt sich für Löwenmännchen spätestens dann aus, wenn es zur Damenwahl kommt.

Von Martin Paetsch


Löwe im Serengeti-Nationalpark: Dunkle Mähnen bevorzugt
Science

Löwe im Serengeti-Nationalpark: Dunkle Mähnen bevorzugt

Blonde Löwen haben in Tansanias Serengeti-Nationalpark wenig zu melden. Die dortigen Raubtierdamen bevorzugen eindeutig Männchen mit dunklen Mähnen, wie Experimente US-amerikanischer Forscher ergeben haben. Peyton West und Craig Packer von der University of Minnesota stellen ihre Studie im Fachmagazin "Science" vor.

Löwenmähnen können in der Farbe von hellblond bis zu schwarz variieren und eine Länge von 30 Zentimeter erreichen. Im Serengeti-Park werden gelegentlich auch mähnenlose Männchen gesichtet, im kenianischen Tsavo-Nationalpark gehen sogar die meisten Könige der Tierwelt oben ohne. Obwohl solche Unterschiede bereits länger bekannt sind, war die genaue Rolle der Haarpracht in der Löwengemeinschaft weitgehend unerforscht.

Infrarot-Bild eines Löwen mit zwei Weibchen (liegend): Hitzestau unter Zotteln
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Infrarot-Bild eines Löwen mit zwei Weibchen (liegend): Hitzestau unter Zotteln

"Seit mindestens einem Jahrhundert weiß man, dass Löwen in kälteren Regionen eher lange und dunkle Mähnen haben", erklärt West. "Bislang wusste aber niemand, weshalb Löwen überhaupt Mähnen haben und warum es Variationen innerhalb spezifischer Populationen gibt. Wir wollten herausfinden, welche Vor- und Nachteile ein Löwe durch eine besonders große oder dunkle Mähne hat."

Die Wissenschaftler vermuteten, dass besonders auffällige Frisuren zur Einschüchterung von Rivalen dienen. Ein Löwe mit imposanter Mähne könnte dann sein Rudel besser schützen, eine solche Haarpracht müsste daher auch den Weibchen vorteilhaft erscheinen. Um diese Theorie zu testen, konfrontierten die beiden Forscher Serengeti-Löwen beider Geschlechter mit Stofftieren, die unterschiedliche Mähnen aufwiesen.

In den Feldversuchen zeigte sich, dass Männchen tatsächlich in den meisten Fällen solche Löwenpuppen mieden, die eine lange und dunkle Mähne trugen. Die Weibchen näherten sich in neun von zehn Situationen dem Tiermodell mit dunklem Kopfputz, die Länge spielte keine Rolle. Die Auswertung jahrelanger Beobachtungen ergab zudem, dass Löwinnen, die zwischen verschiedenen Männchen wählen konnten, fast immer den dunkleren Typ zum Partner nahmen.

Dass die Vorliebe der Raubtierdamen einen triftigen Grund hat, belegten Blutproben, die betäubten Löwen entnommen und auf Sexualhormone untersucht wurden. "Dunkle Haarfarben finden sich oft bei Männchen mit hohen Testosteron-Werten", sagt West. "Es verwundert daher nicht, wenn Weibchen dunkle Mähnen bevorzugen und Männchen davon abgeschreckt werden." Die Mähnenlänge hing nicht mit dem Hormon zusammen - wie die Forscher spekulieren, dient sie nur Männchen als Hinweis, ob ihr Rivale durch eine Verletzung seine Haarpracht eingebüßt hat.

Seine Potenz so offen zur Schau zu tragen, hat für Männchen jedoch gewichtige Nachteile. Mit Infrarot-Aufnahmen von Löwenrudeln fanden die Wissenschaftler heraus, dass reich ausgestattete Löwen eine höhere Körpertemperatur haben als mähnenlose Männchen oder Weibchen - unter den Zotteln kommt es zum Hitzestau. "Einem Löwen mit dunkler Mähne könnte es schwerer fallen, kühl zu bleiben", spekuliert West. "Sie könnte daher auf seine Widerstandsfähigkeit hinweisen."

Offenbar hat die Mähne eine ähnliche Funktion wie ein Pfauenschwanz: Sie ist ein Zeichen für die Gesundheit eines Löwen und seine Fähigkeit, Nachkommen zu zeugen und zu beschützen. Überdies könnte die tierische Haarpracht auch Menschen als Hinweis dienen. West: "Löwenmähnen, Vogelgefieder und Hirschgeweihe sind womöglich empfindliche Bioindikatoren für einen Klimawandel." Ein Beispiel könnten schon die Haarprobleme der Tsavo-Löwen liefern: Nach Ansicht der Forscher geht deren Nacktheit auf klimatische Veränderungen zurück.



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