Tierischer Gesang Auch Vögel tun sich mit Dialekten schwer

Nicht nur Menschen mögen aktuelle Hits aus dem eigenen Land - auch Singvögel können verblüffend heimatverbunden sein. Dachs-Ammern etwa stehen auf Gesänge ihrer Artgenossen - am besten, wenn sie direkt vor eigenen der Haustür leben. Weltmusik hat keine Chance.

Dachsammer (Archivbild): Gesangsveränderung innerhalb von 20 bis 40 Jahren
DDP / Katherine Oman

Dachsammer (Archivbild): Gesangsveränderung innerhalb von 20 bis 40 Jahren


London - Wer richtig zwitschert, hat gute Chancen auf ein Rendezvous: Der Gesang ist bei Singvögeln extrem wichtig für die Partnerwahl. Dabei können sich sich innerhalb einer Art zahlreiche Dialekte entwickeln. Eine Biologin hat jetzt herausgefunden, dass die Tiere vor allem das Geträller aus der Umgebung attraktiv finden - und recht schnell eine entsprechende Vorliebe entwickeln.

Elizabeth Derryberry von der Duke University in Durham berichtet in den "Biology Letters" der britischen Royal Society von der Vorliebe der Dachs-Ammern für aktuelle Songs aus der Nachbarschaft. Sie hat untersucht, wie genau und mit welcher Geschwindigkeit sich Unterschiede zwischen Populationen aus verschiedenen Gegenden entwickeln.

Die Männchen der Dachs-Ammer, eines in Amerika lebenden Sperlingsvogels, sind beim Singen vergleichsweise einfallslos: Sie trällern meist nur ein einziges Lied und verwenden immer dieselbe Tonart. Ammern anderer Bestände benutzen dagegen deutlich andere Tonarten und Tonfolgen. Bei der Untersuchung der zeitlichen Entwicklung des Gesangs zeigte sich: Die Anordnung der Töne blieb über mehrere Jahrzehnte konstant, aber Tempo und Frequenz veränderten sich.

Die Biologin spielte nun männlichen Dachs-Ammern ein Zwitscher-Repertoire von Artgenossen aus verschiedenen Regionen vor, um die Reaktion der Vögel zu testen. Die Tiere leben am Tioga-Pass in der kalifornischen Sierra Nevada - und sollten auf Gesänge männlicher Artgenossen eigentlich mit einer aggressiven Revierverteidigung reagieren. Beschallt wurden die Vögel mit:

  • aktuellen Gesängen von Familienangehörigen vor Ort,
  • dem Lied einer benachbarten Population und
  • Gezwitscher von Tieren, die 600 Kilometer entfernt leben.

Außerdem spielte die Forscherin den Singvögeln die Töne ihrer regionalen Vorfahren aus den Jahren 1970, 1978 und 1996 vor. Das Ergebnis: Die Männchen reagierten am stärksten auf die aktuellen lokalen Lieder. Weniger deutlich fiel die Antwort sowohl auf alte lokale Lieder als auch auf die Gesänge der benachbarten Population aus. Das Gezwitscher der weit entfernt lebenden Bestände ignorierten die Tiere komplett.

Vermutlich passen die Männchen ihre Reaktion an, je nachdem wie stark sich die vorgespielten Tonsignale von den eigenen unterscheiden, glaubt Derryberry. Da die Abweichung bei den benachbarten Beständen denen der rund 30 Jahre alten Lieder der eigenen Population ähnele, lasse sich daraus die zeitliche Entwicklung ableiten. "Die Veränderung entsteht innerhalb einer kurzen Zeitspanne von 12 bis 24 Generationen", sagt Derryberry - das sind 20 bis 40 Jahre.

chs/ddp



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