Tierischer Rekord Laubheuschrecken haben die größten Hoden

Eine Laubheuschreckenart besitzt die größten Hoden der Welt, zumindest in Relation zu ihrem Körpergewicht. Allerdings werden darin nicht unbedingt mehr Samenzellen produziert als bei weniger üppig bestückten Verwandten.

Laubheuschrecke mit Hoden: Männliche Tiere können Weibchen mehrfach befruchten
DPA / University of Derby / Richard Richards

Laubheuschrecke mit Hoden: Männliche Tiere können Weibchen mehrfach befruchten


London - Bei den zwei bis drei Zentimeter langen Männchen der Südlichen Beißschrecke entfallen stattliche 14 Prozent des Körpergewichts auf die Hoden. Damit stellt die Laubheuschreckenart den absoluten Rekord in dieser Hinsicht auf. Bei Fruchtfliegen sind es knapp 11 Prozent - und beim Menschen etwa ein Promille. Das berichten britische Forscher in den "Biology Letters" der Royal Society in London.

Für die Studie hatten die Wissenschaftler bei 21 Heuschrecken-Arten die relative Größe der Hoden untersucht. Sie fanden heraus, dass die Geschlechtsteile vor allem bei den Arten ausgeprägt sind, bei denen die Weibchen sich mit mehreren Männchen paaren. Bei den Laubheuschrecken, die vor allem im Mittelmeerraum leben, ist das ganz klar der Fall. In ihrem zwei Monate dauernden Erwachsenenleben bringen es die weiblichen Tiere auf bis zu 23 Sexualpartner.

Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer Studien, in denen Fische, Vögel und Insekten untersucht wurden. Auch hier gilt: Je promisker die Weibchen, desto größer die Hoden der Männchen. Bislang waren Biologen jedoch davon ausgegangen, dass größere Hoden der erhöhten Samenproduktion dienen, damit Männchen möglichst große Mengen ihres eigenen Erbguts weitergeben können. So sollten die Tiere sicherstellen, dass das Weibchen sich mit ihren Erbinformationen fortpflanzen und nicht etwa mit denen ihrer Konkurrenten.

Deshalb zeigten sich die Forscher überrascht, dass die Laubheuschrecke weniger Samen pro Ejakulat produziert. "Unsere Studie zeigt, dass größere Hoden nicht unbedingt mehr Ejakulat produzieren - zumindest, was die Laubheuschrecke betrifft", erläuterte Karim Vahed von der Universität Derby. "Anscheinend sind die Hoden nur deshalb so groß, damit die Männchen Weibchen mehrfach befruchten können, ohne dass ihre Spermareserven zur Neige gehen", erklärte Vahed.

chs/dpa

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