Bedrohte Tierarten Ein schreckliches Jahr für Eisbären, Koalas und Nashörner

Lebensräume werden zerstört, Tiere gewildert: Die Klimakrise und der Mensch setzen vielen Arten dramatisch zu. Die Umweltschützer vom WWF sprechen vom größten "Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier".
Hungrige Eisbären vor russischer Siedlung Ryrkaipij

Hungrige Eisbären vor russischer Siedlung Ryrkaipij

Foto: WWF-Russia/dpa

Mehr als 30.000 Tiere sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als bedroht vermerkt. Rund 6400 davon sind vom Aussterben bedroht. Derzeit sei das "größte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier" im Gange, erklärte die Umweltstiftung WWF am Freitag zum Erscheinen ihrer neuen Liste der Gewinner und Verlierer im Tierreich 2019 . Die Hauptgründe für die kritische Lage:

  • Verlust des Lebensraums
  • Übernutzung von Beständen
  • Wilderei und illegaler Handel
  • Klimakrise
  • Invasion gebietsfremder Arten
  • Umweltverschmutzung (inklusive Plastik)

Warum das Artensterben für den Planeten insgesamt und damit auch den Menschen so gefährlich ist, erklären die Umweltschützer vom WWF so: Artenvielfalt sei kein Luxus, sie erfülle wichtige Aufgaben. Unzählige Arten seien beispielsweise für die Nahrungssicherung der Menschheit von größter Bedeutung - wie die Insekten, die etwa drei Viertel aller vom Menschen genutzten Nahrungspflanzen bestäuben. Der Ausfall einer Art, warnt der WWF, "kann daher eine Kaskade von Veränderungen in Gang setzen. Dabei kennen wir viele Arten noch zu wenig, um die Folgen ihres Verschwindens überhaupt abschätzen zu können. Was wir wissen: Sie alle gehören zum globalen ökologischen Netzwerk, das auch uns Menschen trägt."

Als Verlierer sieht der WWF in diesem Jahr:

Eisbären: Den Tieren geht es laut WWF in einigen Regionen deutlich schlechter. Insgesamt könnte ein Drittel der globalen Population bis 2050 verschwinden. Schuld daran sei vor allem die Klimakrise. So leben demnach beispielsweise in der nördlichen Hudson Bay noch 842 Tiere. Das sind etwa 18 Prozent weniger als 2011. Die IUCN stufte Eisbären (Ursus maritimus) bei der jüngsten Bewertung im Jahr 2015 als "gefährdet" ein. Damals wurde die Population auf insgesamt rund 26.000 Tiere geschätzt. Weil sich die Jagdgründe der Bären verändern, tauchen immer öfter aggressive Exemplare in der Nähe von Siedlungen auf. In Sibirien wurde deshalb 2019 die Armee zur Jagd auf Eisbären eingesetzt.

Iman, das letzte Sumatra-Nashorn, starb im November

Iman, das letzte Sumatra-Nashorn, starb im November

Foto: Sabah Wildlife Department (swd)/BERNAMA/dpa

Sumatra-Nashörner: Das letzte Sumatra-Nashorn Malaysias starb im November. Der Lebensraum der Tiere war enorm geschwunden, weil der Wald für Palmölplantagen, Papierproduktion und Bergbau in den vergangenen Jahrzehnten gerodet wurde. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) als "vom Aussterben bedroht". Derzeit streifen noch einige Exemplare durch Indonesien - laut WWF-Schätzungen weniger als 80 Tiere.

Koala-Klinik in Port Macquarie: Rettung für ein Buschbrandopfer

Koala-Klinik in Port Macquarie: Rettung für ein Buschbrandopfer

Foto: Nathan Edwards/Getty Images

Koalas: Bei schweren Buschbränden in Australien sind seit Oktober mehr als 2000 Koalas verbrannt. Das sagten Wissenschaftler kürzlich bei einer Anhörung im Parlament. Große Flächen an Eukalyptuswäldern, Lebensraum und gleichzeitig Nahrungsgrundlage der Koalas, sind niedergebrannt. Nach Angaben der Naturschutzorganisation Australia Koala Foundation (AKF) gibt es noch zwischen 43.000 und 100.000 Koalas. Die Tiere kommen nur in Australien vor. Laut WWF ist ihre Zahl in den vergangenen 25 Jahren um rund ein Drittel geschrumpft.

Als Gewinner bezeichnet der WWF:

Aufnahme einer Fotofalle: Ein seltener Goldschakal (Archivfoto)

Aufnahme einer Fotofalle: Ein seltener Goldschakal (Archivfoto)

Foto: Universitäts- Und Hansestadt Gr/ dpa

Goldschakale: Der kleine Bruder des Wolfes verlässt mehr und mehr den warmen Südosten Europas und besiedelt Gebiete in Mitteleuropa. Das ist nach Ansicht des WWF eine Konsequenz der Erderhitzung. Auch in Deutschland werden ab und zu Goldschakale gesichtet. Nach Hochrechnungen der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) besteht die europäische Population aus 117.000 Tieren.

Saiga-Antilopen: Vor knapp drei Jahren starben Tausende mongolische Saiga-Antilopen an einer Viruserkrankung, die von Schaf- und Ziegenherden übertragen wurde. Die Seuche und der folgende harte Winter seien laut WWF fatal gewesen: Der Bestand schrumpfte demnach von 11.000 auf 3000 Tiere. Zwar sei die Population immer noch stark geschwächt, allerdings seien einige Tiere mittlerweile immun gegen das Virus.

Hirschferkel: Im November sichteten Forscher erstmals nach 30 Jahren wieder ein Vietnam-Kantschil. Das Huftier aus der Familie der Hirschferkel war im Osten Vietnams in eine Kamerafalle getappt. Wie viele Tiere der Art genau in der Region lebten, war zunächst nicht bekannt. Der letzte bekannte Artgenosse des Tieres war im Jahr 1990 von einem Jäger erschossen worden.

oka/dpa
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