Tödliche Aschewolke Vulkan Merapi auf Java ausgebrochen

Alarm auf der indonesischen Insel Java: Der Vulkan Merapi ist ausgebrochen und hat Rauch und Vulkanasche bis in 1,5 Kilometer Höhe ausgestoßen. 16 Menschen kamen zu Tode, mindestens 20 Menschen wurden verletzt. Tausende Anwohner sind auf der Flucht.

dpa

Merapi - Es hatte sich angekündigt - und nun ist es passiert: Auf Indonesien ist am Dienstag der Vulkan Merapi ausgebrochen, wie Wissenschaftler schon länger erwartet hatten. Der Vulkan spuckte drei Mal Rauch und Vulkanasche bis in 1,5 Kilometer Höhe, wie der Vulkanexperte der indonesischen Regierung, Surono, mitteilte.

Der Ausbruch hatte tödliche Folgen: 15 Menschen verbrannten am Fuße des Berges, wie der lokale Fernsehsender Metro TV am Dienstag (Ortszeit) berichtete. Außerdem starb nach Angaben der Gesundheitsbehörden ein drei Monate altes Baby im Ascheregen. Mindestens 13 Menschen hätten sich Brandverletzungen zugezogen und müssten behandelt werden, hieß es weiter. Einer von ihnen sei schwer verletzt, der Zustand kritisch.

Die 15 verkohlten Körper wurden nach Angaben des Fernsehsenders in der Nähe des Hauses eines Mannes gefunden, der sich bis zuletzt geweigert hatte, die Flucht zu ergreifen. Der Säugling sei nach dem Einatmen heißer Asche gestorben, teilten die Behörden mit.

Innerhalb weniger Stunden hatten Vulkanologen am Montagabend 137 Eruptionen im Krater registriert. Lava floss und heiße Asche flog umher. Doch Wissenschaftler befürchten seit Jahren noch weitaus größere Eruptionen des Merapi. Zehntausende Anwohner wären in Gefahr.

Die Behörden hatten am Montag die Evakuierung der dichtbesiedelten Gegend um den Vulkan angeordnet, wo 19.000 Menschen leben. In einem Umkreis von zehn Kilometern um den Krater waren die Bewohner aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Der Ausbruch begann kurz vor der Abenddämmerung am Dienstag. Zuvor hatte die Aktivität des Vulkans seit dem Wochenende merklich zugenommen hat.

Die größte Sorge gilt dem steigenden Druck unter dem riesigen Lavadom, wie der Vulkanologe Surono sagte. "Die Energie baut sich auf", sagte er. "Wir hoffen, dass sie langsam entweicht." Andernfalls stehe eine heftige Eruption bevor - "größer als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben", warnte Surono.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, der Gipfel des Bergs sei in Rauch gehüllt. Man könne nicht erkennen, ob auch Lava ausgespuckt werde, es regne jedoch Asche in der Umgebung des Vulkans. "Die Leute können den Berg nicht sehen und plötzlich war überall Asche", sagte der Mann, viele seien in Panik geraten. "Menschen schreien, Hunderte sind auf der Flucht." Die Luft sei dick und rieche nach Asche, das Atmen bereite jedoch keine Probleme.

Der rund 2900 Meter hohe Merapi ist der aktivste der 129 aktiven indonesischen Vulkan. Der Vulkan war zuletzt im Jahr 2006 ausgebrochen. Damals kamen zwei Menschen ums Leben. Im Jahr 1930 wurde der bislang schwerste Ausbruch des Merapi registriert, bei dem mehr als 1300 Menschen starben.

hda/boj/dapd/AFP/Reuters



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