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Hochkultur Mexikos: Das Reich der Maya

Foto: Israel Leal/ AP

Tödliche Dürre Selbstgemachter Klimawandel stürzte Maya ins Verderben

Die Maya waren an ihrem Untergang selbst schuld - das vermuten Wissenschaftler schon lange. Doch nun zeigt eine neue Studie den genauen Zusammenhang. Demnach ist die mittelamerikanische Hochkultur einfach zu schnell gewachsen, mit fatalen Folgen für das regionale Wetter.

Sollten Politiker auf der derzeit laufenden Uno-Klimakonferenz in Südafrika daran zweifeln, dass Menschen Klimakatastrophen auslösen können, werden sie von den Maya eines Besseren belehrt. Die mittelalterliche Hochkultur in Mittelamerika ist einer neuen Studie zufolge an einer Klimakatastrophe zugrunde gegangen, die sie selbst angerichtet hatte, berichtet der Nasa-Forscher Benjamin Cook auf der internationalen Herbst-Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) in San Francisco .

Den Weltuntergang soll der Maya-Kalender angeblich ja erst fürs Jahr 2012 prophezeit haben . Doch während diese Prognose wohl auf einer Fehldeutung beruht, konnten die Maya ihre reale Apokalypse kaum vorhersehen. Die Rodung ihrer Wälder habe wesentlich zum Untergang des Volkes beigetragen, berichtet Cook, der die mittelalterliche Umweltveränderung in Mittelamerika am Computer simuliert hat. Der Kahlschlag habe dazu geführt, dass in der ohnehin trockenen Region ein Fünftel weniger Niederschlag gefallen ist - die Dürre in den Jahren des Niedergangs verschärfte sich dramatisch. Wie hätten die Maya die Folgen ahnen sollen?

Lange Zeit gab es eine Theorie nach der anderen über den Kollaps der Maya: Krankheiten, Revolten oder Missmanagement etwa wurden als Ursache gehandelt. Dass die Maya in Wahrheit aber wohl an Dürre zugrunde gingen, hatte bereits eine Studie 2003 dokumentiert. Zur Blütezeit der Maya-Kultur im neunten Jahrhundert fiel jahrzehntelang kaum noch Regen. Das beweisen die ungewöhnlich dünnen Jahresringe in Baumstämmen aus jener Zeit und Sedimente im Meeresgrund.

Fatale Kettenreaktion

Die Studie von Cook zeigt nun, dass einer der Gründe für den Aufstieg der Maya gleichzeitig ihr Verderben bedeutete: Die Landwirtschaft konnte zwar zeitweise knapp 20 Millionen Menschen ernähren, ihr fielen jedoch immer mehr Wälder zum Opfer. Eine fatale Kettenreaktion kam in Gang.

Das gelichtete Land reflektierte mehr Sonnenlicht als die Wälder zuvor, woraufhin Wärme verlorenging. In der kühleren Luft verdunstete weniger Wasser, woraufhin sich seltener Regenwolken bilden. Es fiel weniger Niederschlag, die Böden trockneten aus - es verdunstete noch weniger Wasser.

Er wolle zwar nicht behaupten, dass die Entwaldung für die fatale Dürre zur Hochzeit der Maya-Kultur alleine verantwortlich sei, sagte Cook auf der AGU-Tagung. "Aber die Rodung hat das Klima in Richtung Trockenheit gelenkt", sagt der Forscher. Etwa die Hälfte des Rückgangs an Regen sei mit der Kultivierung des Landes zu erklären. Der Vergleich mit den Niederschlagsaufzeichnungen in mexikanischen Tropfsteinhöhlen zeige, dass die Berechnungen seiner Modelle "gut hinkämen", berichtet Cook.

Ein Leben lang Dürre

Ohne es zu wissen, steuerten die Maya auf die Katastrophe zu. Dass die Entwaldung der Landschaft die Trockenheit verschlimmert haben könnte, hatte bereits letztes Jahr eine Studie nahegelegt. Doch Cooks Simulation beruht nun auf genaueren Daten über die Umwelt Mittelamerikas zu jener Zeit. "Die Maya nutzten ihr Land intensiver als oft angenommen wird", sagt Cook. Fast sämtliche Wälder auf der Halbinsel Yucatán hätten sie gerodet.

Die Klimakrise erwischte die Kultur in ihrer Hochphase: Ein verzweigtes Netz von Bewässerungskanälen und Zisternen versorgte die Bevölkerung und die weiten Getreidefelder und Äcker. Doch nachdem zwei Trockenperioden um 810 und 860 bereits schweres Leid gebracht hatten, setzte 897 die schlimmste Dürre ein: Fast 30 Jahre lang - damals oft die Dauer eines Menschenlebens - fiel wenig Regen. Verzweifelt versuchte das Volk, das Unheil abzuwenden, fast jeder Tropfen wurde gespeichert.

Doch es half wenig; die Maya erholten sich nicht mehr von der Katastrophe: 950 lebten in vielen Maya-Gebieten nur noch ein Zehntel so viele Menschen wie zur Hochphase. Bald eroberte die Natur die Landschaft zurück: Schon im elften Jahrhundert wucherte dichter Dschungel über ehemaligen Maya-Städten. Mit dem Wald kam der Regen zurück, wie die neuen Klimasimulationen zeigen. Doch nun waren kaum noch Menschen da, die ihn nutzen konnten.