Tödliche Epidemie Sind Pelztierzüchter schuld am Seehundsterben?

Mehr als 2300 Seehunde fielen der Staupe bereits zum Opfer. Im Interview äußert sich Lothar Koch, 42, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer in Schleswig-Holstein, zum Sterben in Nordsee und Kattegat.


Seehunde
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SPIEGEL:

Experten rechnen mit bis zu 10.000 toten Seehunden. Droht wieder eine Epidemie wie 1988?

Koch: Das wissen wir noch nicht; wenn ja, ist die Zahl durchaus realistisch. Damals sind rund 20.000 Tiere eingegangen. Inzwischen sind unsere Bestände erheblich größer; insofern könnte es sogar noch mehr Opfer geben. Andererseits sind die Seehunde heute viel kräftiger. Alle kränklichen Tiere wurden ja damals hinweggerafft.

SPIEGEL: Was ist die Ursache der Seuche?

Koch: Ein Staupe-Virus, das die Lunge angreift. Es schlägt aber wohl erst so richtig zu, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Und unsere Seehunde in der Nordsee sind randvoll mit Schadstoffen. Das Virus wurde 1988 auch anderswo entdeckt, aber nur bei uns gingen die Tiere daran zu Grunde.

SPIEGEL: Die Seuche brach auch diesmal auf der dänischen Insel Anholt aus. Zufall?

Koch: Kaum. Es gibt in der Gegend viele Nerzfarmen. Das Virus könnte von dort verbreitet worden sein. Der Verdacht drängt sich jedenfalls auf. Es wäre eine Ironie, wenn wieder mal die Pelzindustrie den Zusammenbruch der Bestände verursacht ­ erst durch die Jagd, die seit den Siebzigern verboten ist, und nun durch die Massenzucht.



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