SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. Mai 2004, 10:22 Uhr

Tongrube bei Heidelberg

Ältestes Kolibri-Fossil der Welt entdeckt

Deutsche Wissenschaftler haben die bislang ältesten Fossilien eines modernen Kolibris entdeckt. Die beiden winzigen, vier Zentimeter langen Skelette sind zudem die ersten Kolibri-Fossilien in Europa überhaupt.

Kolibri: Einst auch hierzulande zu Hause
J. Ferdinand

Kolibri: Einst auch hierzulande zu Hause

Ausgerechnet im vergleichsweise kühlen Deutschland, in einer Tongrube in Frauenweiler südlich von Heidelberg, stießen Ornithologen auf die ersten Spuren von Kolibris in der Alten Welt. Gerald Mayr vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt taufte die ausgestorbene Art auf den Namen "Eurotrochilus inexpectatus". Das bedeutet so viel wie "Unerwartete Europäische Variante des Trochilus".

Eurotrochilus inexpectatus lebte vor etwa 30 Millionen Jahren. Die bis dato ältesten Kolibri-Fossilien stammen aus Südamerika und sind nur rund eine Million Jahre alt, schreibt der Ornithologer im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 304, S. 861).

Heute sind Kolibris lediglich aus Amerika bekannt. Ihre längst ausgestorbenen europäischen Verwandten waren allerdings genauso winzig und besaßen ebenfalls den typischen langgezogenen Schnabel zum Nektarsaugen und ein weiteres charakteristisches Skelettmerkmal: Auch ihre Schultergelenke und Oberarmknochen waren so gebaut, dass der Vogel wie moderne Kolibris die Flügel rotieren lassen und so in der Luft schwebend Nektar aus Blütenkelchen trinken konnte.

Fossiles Kolibrinest: 30 Millionen Jahre alter Fund
AP/ Forschungsinstitut Senckenberg

Fossiles Kolibrinest: 30 Millionen Jahre alter Fund

Dass es auch in der Alten Welt Kolibris gab, könnte erklären, wie die Form einiger asiatischer und afrikanischer Blumen entstanden ist, die eine sehr schnabelfreundliche Form haben, aber ohne Äste wachsen. Sie könnten sich gemeinsam mit den winzigen, schwebenden Vögeln entwickelt haben, vermutet Mayr. Als die Kolibris dann von der Bildfläche verschwanden, übernahmen Insekten die Bestäubungsaufgaben der zierlichen Vögel, spekuliert der Biologe.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung