Wenn Schiffe plötzlich ins Stocken geraten Forscher erklären Totwasser-Effekt

Die Motoren laufen, aber das Schiff kommt kaum voran: Seit Jahrhunderten klagen Seeleute über "Totwasser", das sie bremst. Nun präsentieren Forscher eine Erklärung für das merkwürdige Phänomen.
Totwasser kann auf allen Meeren und Ozeanen entstehen

Totwasser kann auf allen Meeren und Ozeanen entstehen

Foto: Cameron Spencer/ Getty Images

Als die berühmte ägyptische Königin Kleopatra  und ihr Verbündeter Marcus Antonius im Jahr 31 vor Christus versuchten, die verhängnisvolle Seeblockade ihres Gegners Octavian zu durchbrechen, kamen ihre Schiffe auf unerklärliche Weise kaum in Fahrt, berichten zeitgenössische Quellen. Damals verbreitete sich die Legende, Fische hätten sich an den Booten festgesaugt und sie so zurückgehalten.

Sollte sich die Schlacht tatsächlich so abgespielt haben, halten Forscher inzwischen jedoch eine andere Erklärung für plausibler: Totwasser. Schon seit Jahrhunderten berichten Seefahrern, dass ihre Schiffe aus unerfindlichen Gründen plötzlich kaum noch vorankommen oder wie auf einem stockenden Fließband vorwärtsruckeln, obwohl die Motoren einwandfrei funktionieren. Nun konnten Forscher Details klären, die zu dem merkwürdigen Phänomen führen, berichten sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Nicht eine, sondern zwei Wellen

Sogenanntes Totwasser kann in allen Meeren und Ozeanen entstehen, wenn Wasser unterschiedlicher Dichte aufeinandertrifft, weil sich die Temperatur oder der Salzgehalt unterscheidet. In diesem Fall schiebt sich das Wasser mit der geringeren Dichte über das Wasser mit der höheren Dichte.

Wenn ein Schiff diese Grenzschicht in einigen Metern durchpflügt, entsteht eine Welle, die sich regelrecht am Bug festsaugt und das Schiff dadurch abbremst. Dieser Effekt ist schon seit Langem bekannt. Doch warum das Schiff mal langsamer und mal schneller wird, ließ sich dadurch nicht erklären.

Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, ließen Wissenschaftler um Germain Rousseaux von der Université de Poitiers, Modellboote in einem Becken losschippern, das mit Wasser unterschiedlicher Dichte gefüllt war. Weil das Wasser gefärbt war, konnten die Forscher den Effekt später in Computermodellen analysieren.

Demnach entsteht nicht nur eine Welle, sondern zwei. Vor dem Schiff bilden sich für kurze Zeit Wellenberge und -täler, die es mal beschleunigen, mal abbremsen. Danach setzt die Bremswirkung der schon bekannten Heckwelle ein. Die Ruckelwellen machen sich laut den Forschern besonders in Meerengen bemerkbar.

In genau so einer Meerenge steckten die Schiffe von Kleopatra und Antonius fest, als sie versuchten, ins Ionische Meer durchzubrechen. Das Forschungsteam glaubt, dass der Totwasser-Effekt die ägyptische Königin und ihre Verbündeten in der Bucht von Actium gefangen hielt und zu ihrer verheerenden Niederlage beitrug, die das Ende der römischen Republik besiegelte.

koe
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