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Forschung in der Ostsee Delfin »Delle« ist ein Einzelgänger, quatscht aber trotzdem ganz schön viel

Es ist ein echter Glückstreffer: »Delle« aus Travemünde ist einer der wenigen allein lebenden Delfine. Forscher belauschten ihn nun für eine Studie – und waren von seinem Mitteilungsbedürfnis überrascht.
Delfin »Delle« 2023 in Travemünde: Sprung im Strandbad

Delfin »Delle« 2023 in Travemünde: Sprung im Strandbad

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Bereits seit einigen Jahren lebt Delfin »Delle« als Einzelgänger in der Ostsee. Erst machte er sich in der Nähe von Svendborg in Dänemark bekannt, seit 2023 lebt er mit Unterbrechungen in der Lübecker Bucht bei Travemünde. Dort ist »Delle« bei Touristen und Einheimischen ziemlich beliebt – und nun hat er auch noch der Wissenschaft weitergeholfen.

Forscherinnen und Forscher haben den Delfin für eine Studie belauscht, teilt die Deutsche Stiftung Meeresschutz laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Dabei hätten sie herausgefunden, dass Einzelgänger »Delle« trotz fehlender »Gesprächspartner« viele Geräusche von sich gebe.

Einzelgänger »Delle« zwischen Schiffen an der Trave: »Ein echter Glückstreffer«

Einzelgänger »Delle« zwischen Schiffen an der Trave: »Ein echter Glückstreffer«

Foto:

Michael Sprengel / dpa

Durch »Delles« Leben bei Travemünde habe sich für Forscherin Olga Filatova und ihr Team die Gelegenheit geboten, »einen dieser rätselhaften Solitärdelfine zu belauschen«, schreibt die Deutsche Stiftung Meeresschutz. Von Dezember 2022 bis Februar 2023 hätten die Forscher mithilfe von Unterwasserrekordern die Lautäußerungen des Tiers aufgezeichnet. Dabei hätten sie zu ihrer Überraschung festgestellt, dass »Delle« extrem »gesprächig« sei. In rhythmischen Schüben gebe er impulsartige Töne von sich.

»Solche Solitärdelfine kommen sehr selten vor. Dass man da die Chance bekommt, ihre Laute zu untersuchen, ist ein echter Glückstreffer«, sagt Diplom-Biologe Ulrich Karlowski von der Stiftung.

Warum quatscht »Delle« so viel?

Zur Frage, warum der Delfin so gesprächig sei, hätten die dänischen Forschenden mehrere Hypothesen: Vielleicht unterhielt sich Delle mit Wassersportler Jesper Stig Andersen, mit dem er während seines dreijährigen Aufenthalts in Dänemark Freundschaft geschlossen hatte. Vielleicht wollte er auch mögliche Artgenossen auf sich aufmerksam machen.

Es könne auch sein, dass die Laute als emotionale Signale unbeabsichtigt erfolgten, so die Forscher. Vielleicht seien sie aber auch einfach eine »Ersatzhandlung« für das natürliche Bedürfnis der Delfine nach sozialer Interaktion – denn Selbstgespräche seien uns Menschen ja auch nicht fremd.

Diplombiologe Karlowski freut sich jedenfalls über »Delle« und seine häufigen Besuche in der Lübecker Bucht. »So ein Delfin transportiert auch viel Bewusstsein für den Meeresschutz«, sagt er.

ptz/dpa