Treibhauseffekt Neue Argumente für Klimawandel von Menschenhand

Einige Kritiker glauben nach wie vor nicht, dass die globalen Klimaveränderungen vom Menschen mitverursacht werden, oder bestreiten sogar, dass sie überhaupt stattfinden. Neue Forschungsergebnisse entkräften jetzt wichtige Argumente dieser Skeptiker - auch die der US-Regierung.


Klimasimulation: Diskrepanzen zwischen Modell und Messung
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Klimasimulation: Diskrepanzen zwischen Modell und Messung

An seinem Ende ist der Streit mit Sicherheit noch nicht angelangt. Aber die Verfechter der These, dass der Mensch für den globalen Klimawandel verantwortlich ist, sind sicher: Ihre neuen Argumente "kommen der Wahrheit immer näher". So formulierte es der Klimaforscher Phil Jones, von der britischen University of East Anglia im Gespräch mit dem Nachrichtendienst des Fachblattes "Nature".

Jones ist an keiner der drei Studien beteiligt, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" erschienen sind. Aber wie die Autoren dieser Studien und auch die überwiegende Mehrheit der übrigen Experten glaubt er, dass sich die Erdatmosphäre erwärmt, und zwar durch den Einfluss von Treibhausgasen wie CO2. Die Gegner dieser These führten in den vergangenen 15 Jahren immer wieder ein Argument ins Feld: Satellitenmessungen hätten 1990 ergeben, dass sich die Troposphäre, also die unterste Schicht der Erdatmosphäre, langsamer erwärme als von Klimamodellen vorhergesagt.

Die Gegner der These vom menschengemachten Klimawandel betrachteten das als Beleg für die generelle Unzuverlässigkeit solcher Modelle. Jetzt zeigten Carl Mears und Frank Wentz von Remote Sensing Systems in Santa Rosa, dass die Unstimmigkeiten wohl nicht an den Modellen, sondern an den Messdaten lagen. Sie führten eine Korrektur ein, die Ungenauigkeiten ausgleichen soll, die bei Satelliten-Temperaturmessungen auftreten: Theoretisch sollten sich die Messgeräte immer zur gleichen Tageszeit über dem gleichen Punkt befinden, praktisch variieren diese Positionen jedoch leicht.

Erwärmung doppelt so stark wie zuvor gemessen

Um zwei Zehntel Grad Celsius erwärmt sich die Troposphäre, die 10 bis 18 Kilometer dick ist, nach den neuen Berechnungen innerhalb von zehn Jahren - die umstrittenen Ergebnisse von 1990 hatten eine weniger als halb so große Zunahme ergeben. Ein weiterer Artikel in der gleichen Ausgabe von "Science", verfasst von einer Gruppe um Benjamin Santer vom Lawrence Livermore National Laboratory, vergleicht die Vorhersagen von Mears und Wentz mit 19 unterschiedlichen Modellen für die Temperaturentwicklung in der tropischen Troposphäre – und alle Modelle stimmen mit den korrigierten Daten überein. Es sei plausibel, dass bisherige Diskrepanzen zwischen Messung und Vorhersage auf kleinen "Fehlern in mehreren Datensätzen" beruhten.

Ein dritter Artikel in der gleichen Ausgabe weist auch einer zweiten Methode, mit der Temperaturprofile für die Troposphäre erstellt werden, Fehler nach. Die Arbeitsgruppe von Steven Sherwood von der Yale University zeigt darin, dass Messungen mit Wetterballons ungenau sind, weil sich manche Messgeräte durch Sonneneinstrahlung selbst stärker erwärmen als andere. Bisherige Unstimmigkeiten zwischen Temperaturmessungen am Boden und in der Troposphäre könnten mit diesen Ungenauigkeiten erklärt werden, schreiben die Autoren in "Science".

Die neuen Erkenntnisse entkräften einige der stärksten Argumente, die CO2-Apologeten bislang gegen eine menschengemachten Treibhauseffekt ins Feld führten, darunter auch die US-Regierung. Sie werden also wohl kontrovers diskutiert werden. Gegenüber dem Nachrichtendienst von "Nature" sagte Klimaforscher Carl Mears: "Ich rechne damit, dass bis Dienstag eine Menge Artikel erschienen sein werden, die mich als Betrüger bezeichnen."



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christian_g., 12.04.2005
1.
Ich denke, wenn man sich Seiten wie diese hier - http://www.lifeaftertheoilcrash.net/ - durchliest, sind Klimakatastrophen in den nächsten Jahren eines unserer geringsten Probleme. Ich bin eigentlich ein Optimist, aber so etwas macht einen dann doch schon etwas nachdenklich :)
C_Kulmann, 13.04.2005
2. Noch ist Zeit zum Bremsen
Aktuelle Wetterereignisse als Vorboten des Klimawandels zu sehen ist ohnehin Blödsinn. Das Jahreswetter verläuft in Wellen, jeder Sommer und jeder Winter hat seine Höhen und Tiefen. Der Klimawandel wird sich dadurch bemerkbar machen, dass sich das ganze System langsam, in der Größenordnung von Jahrzehnten, verschiebt. Auf die leichte Schulter nehmen sollten wir das trotzdem nicht. Im Februar 2005 gab es eine große Konferenz zu diesem Thema in England. Was diese Konferenz von ihren vielen Vorgängern unterschied war die Frage, was genau man denn als "gefährlichen Klimawandel" einschätzen muss. Ein Beitrag befasste sich mit der Eiskappe von Grönland. Das Grönlandeis ist im Augenblick noch stabil, aber wenn sich der Kohlendioxidgehalt der Luft ca. vervierfacht, fängt die Eiskappe an zu schmelzen. Das große Problem dabei ist, dass dieser Vorgang unumkehrbar ist, selbst wenn mittendrin das Klima wieder in seinen heutigen Zustand zurückkehrt. Weil die Oberfläche der Eiskappe beim Schmelzen in immer tiefere und wärmere Luftschichten absinkt, würde sie, wenn dieser Vorgang einmal begonnen hat, vollständig verschwinden. Der Meeresspiegel wäre dann um sieben Meter höher, und Hamburg und Bremen wären die neuen Traumziele von Unterwasser-Touristen. Auf dieser Konferenz wurden noch mehrere andere Beispiele für solche "gefährlichen Klimaveränderungen" genannt. Was mich persönlich erschreckt hat war die Tatsache, dass bei der Hälfte dieser Phänomene derzeit niemand weiss, ob sie eventuell schon begonnen haben. Es sind auf jeden Fall ziemlich heftige klimatische Schneebretter, die wir möglichst nicht lostreten sollten. Das Thema zu verharmlosen halte ich daher für unangebracht, unbegründet und sehr leichtsinnig. Bei der Klima-Diskussion ist mir auch noch ein weiterer Punkt immer wieder sauer aufgestoßen. Die meisten Berichte enthalten irgendwo den Satz "...es wird eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2°C / 5°C / 11°C etc. erwartet." Schön, könnte man meinen, dann werden die Sommer eben 2°C wärmer und die Winter etwas milder. Alles kein Problem? Nur die wenigsten Leser bedenken dabei, dass der Unterschied zwischen der heutigen Welt und dem Höhepunkt der letzten Eiszeit als "globale Durchschnittstemperatur" betrachtet gerade mal 5°C betrug. Es waren "nur 5°C", die darüber entschieden, ob z.B. hier in Bremen ein mild-maritimes Klima wie heute oder ein voll entwickeltes arktisches Klima wie vor 20.000 Jahren herrschte. Die Veränderungen in den Ozeanen und der Atmosphäre sind leider erheblich komplizierter, als einfach nur die "Suppe" etwas wärmer zu machen. Das sollten wir dabei bedenken. Ich möchte damit keine Katastrophen herbeireden und auch niemandem den Tag verderben - ganz im Gegenteil. Wenn man sich mal ein bisschen breiter über das Thema informiert wird deutlich, dass wir auch jetzt immer noch eine ganze Menge zu unserem eigenen Vorteil unternehmen können. Der Klimawandel ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass wir zwangsläufig in eine Katastrophe geraten. Immerhin hieß es bei der Hälfte der "gefährlichen Klimaveränderungen" auf der Konferenz, dass sie noch nicht begonnen haben. Es ist also immer noch Zeit zum Bremsen.
Abakan, 14.04.2005
3. ups and downs and our wallets
Und wer sagt das es sich dabei eben NICHT um ein natürliches Phänomen handelt? Eiszeiten und Hitzeperioden hat es schon vor dem Menschen gegeben. Ich persönlich glaube das die ganze Klimageschichte nur aufgezogen wird um uns die Kohle aus den Taschen zu ziehen ( zumindest beim Staat ist das offensichtlich )
C_Kulmann, 15.04.2005
4.
Moin Abakan, Ob natürliches Phänomen hin oder her, bedrohlich ist es allemal und wir wären dämlich, nicht darauf zu reagieren. Aber für meinen Geschmack kämen dabei zuviele Zufälle auf einmal zusammen; zumal der Temperaturtrend der letzten 8.000 Jahre zumindest für die Nordhalbkugel eher auf eine Abkühlung hinlief. Die meisten Prognosen sind bisher lediglich Computermodelle, aber immer mehr von diesen Vorhersagen scheinen sich zu bestätigen. Die Welt verändert sich, und wir müssen uns irgendwie darauf einstellen. Und was ich vor allem sagen wollte war, dass wir lieber nicht die Hände in den Schoß legen und einfach abwarten sollten, bis die schlimmsten Prognosen eingetreten sind. Denn manche dieser Vorgänge würden die Erde unwiderruflich und sehr zu unserem Nachteil verändern. Christoph
C_Kulmann, 19.04.2005
5. Menschengemacht?
Zur Frage, inwieweit die jüngste Erderwärmung von Menschen mitverursacht wird, gibt es bei SPIEGEL Online gerade einen interessanten Artikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,351110,00.html Christoph
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