Treibhausgase Angaben zum CO2-Ausstoß oft unzuverlässig

Treibhausgase erwärmen das Klima - aber wie viel CO2 pumpen die Staaten in die Luft? Eine Studie zeigt: Die Angaben über den Abgasausstoß stimmten oftmals nicht mit tatsächlich gemessenen Werten überein.
Fabriken in Melbourne, Australien: Unterschiede zwischen Nord und Süd

Fabriken in Melbourne, Australien: Unterschiede zwischen Nord und Süd

Foto: MICK TSIKAS/ REUTERS

Hamburg - Die früheren Angaben von Ländern zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) sind offenbar wenig zuverlässig. Wissenschaftler um Roger Francey vom Centre for Australian Weather and Climate Research im australischen Aspendale sind auf eine Diskrepanz in der CO2-Bilanz gestoßen. Die gemessenen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre in den Nullerjahren weichen demnach deutlich von den gemeldeten Emissionen des Treibhausgases ab, berichten die Forscher in der Zeitschrift "Nature Climate Change" .

Eigentlich ist die Berechnung der CO2-Bilanz einfach: Man nimmt die von den Ländern gemeldeten Emissionen und zieht davon den Zuwachs der in der Luft gemessenen Werte ab. Die Differenz entspricht dann der Menge, die von der Erde in sogenannten CO2-Senken gespeichert wird - etwa in Wäldern oder Ozeanen. Allerdings fand Erstautor Francey in einer früheren Studie, dass die Entwicklung der CO2-Werte in den Nullerjahren von den gemeldeten Emissionen auffällig stark abwich.

Nun nahmen die Forscher, darunter Christian Rödenbeck vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, die CO2-Entwicklung in der Atmosphäre seit den neunziger Jahren genauer unter die Lupe. Dabei stützten sie sich vor allem auf Messdaten zweier Stationen: Mauna Loa auf Hawaii und Cape Grim in Tasmanien.

Zu niedrige Werte in den neunziger Jahren

Die Unterschiede zwischen den auf der Nord- und Südhalbkugel liegenden Orten sind wichtig, denn auf der Nordhalbkugel mit den vielen Industrie- und Schwellenländern müssten die CO2-Konzentrationen stärker zunehmen als auf der südlichen Hemisphäre. Tatsächlich erwiesen sich die Daten als belastbar: So spiegelte im Jahr 2010 etwa ein deutlicher Anstieg der gemessenen Werte die damals gemeldete Zunahme klar wider.

Dagegen stiegen die tatsächlichen CO2-Werte von 2000 bis 2008 langsamer, als es laut den deklarierten Angaben zu erwarten war. Die Emissionsangaben seien nur schwer mit den Messdaten vereinbar, folgern die Forscher. Das könnte zwar auch daran liegen, dass mehr CO2 in Senken wie etwa Wäldern der Nordhalbkugel gespeichert wurde. Doch Francey und seine Kollegen neigen zu einer anderen, weniger bequemen Erklärung: In den neunziger Jahren wurden zu niedrige CO2-Ausstoßwerte angegeben.

"Was man während der Nullerjahre in der Atmosphäre beobachtet hat, passte nicht zur Emissionsstatistik", sagt Martin Heimann, Leiter des beteiligten Max-Planck-Instituts. "Die berichteten Emissionen sind ein größerer Unsicherheitsfaktor, als man bisher dachte." Möglicherweise seien die damaligen Daten lückenhaft gewesen.

Der tatsächliche Ausstoß ließe sich künftig einfach kontrollieren, schreiben die Wissenschaftler: Ein gut kalibriertes Stationsnetz zur Gasmessung in der Luft könnte die Emissionsrate zuverlässig widerspiegeln.

boj/dpa
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