Trinidad In der Karibik wächst ein Matschvulkan

Die Fischer der westindischen Insel Trinidad verfolgen ein geologisches Schauspiel - und wähnen ein böses Omen. Unweit der Küste wächst unter der Wasseroberfläche ein Matschvulkan. Anwohner zitieren die Apokalypse, Geologen wetten, ob der schlammige Berg es an die Oberfläche schafft.


"Es ist ein Zeichen der Zeit. Offenbarung", sagt der Fischer Bert Peter in Anspielung auf die Offenbarung des Johannes. In der apokalyptischen Vision im Neuen Testament heißt es: "Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen." Ob vor Trinidad wirklich etwas dem Meer entsteigen wird, das verfolgen Bewohner und Behröden der Karibikinsel derzeit gebannt. Fischer Peter führt seine tägliche Arbeit dorthin, wo Gas und Schlamm eine neue Insel acht Kilometer vor der Ostküste Trinidads verheißen.

Vielen Anwohnern macht der unterseeische Vulkan Sorgen. "Er könnte wachsen und wachsen, bis er eines Tages ausbricht", sagt Jude Neckles, der von der Veranda seines Hauses in der Küstenstadt Mayaro auf die Stelle schauen kann, an der Wellen über dem Schlammkegel brechen.

Seit Mai ist die eigentümliche Erscheinung auf 12 Meter Höhe angewachsen und durchmisst rund 150 Meter. Noch endet diese Masse geradeso unterhalb der Wasseroberfläche. Und obwohl das Naturschauspiel den Einwohnern als schlechtes Omen gilt, haben es einige der Fischer schon ganz genau in Augenschein genommen. "Es fühlte sich seltsam an", sagt Graham Scott, der als möglicher Entdecker des Vulkans gilt, "der Matsch war weich, so wie Lehm."

Die Katastrophenschutzbehörde von Trinidad hat die Bürger ermahnt, sich von dem Schlammberg fernzuhalten - vor allem wegen der Turbulenzen im nahen Wasser. Für die Menschen an Land stelle er aber keine Gefahr dar.

"Keine Lava, kein Magma"

Auch Wissenschaftler glauben nicht an einen Ausbruch vor dem Strand der Karibikinsel. Schlammvulkane seien keine gewöhnlichen Vulkane, die Lava und superheiße Gase aus den Tiefen der Erdkruste an die Oberfläche transportierten, sagte Roderick Stewart, ein Seismologe der University of the West Indies. Vielmehr entstünden sie, wenn natürliche Gase - meist Methan - unter Druck aus oberflächennäheren Schichten in der Erdkruste entwichen. "Dahinter steckt nur wenig Hitze und Energie", sagte er, "es gibt keine Lava und kein Magma."

Dass allerdings auch Schlammvulkane Quell großen Übels sein können, erfahren seit über einem Jahr die Einwohner der indonesischen Insel Java. Dort speit ein stinkendes, qualmendes Loch im Boden einen zähen Schlamm, der Felder und Dörfer unter sich begräbt. Im Pazifik hingegen entdeckte im vergangenen Jahr die Besatzung der Segeljacht "Maiken", wie plötzlich ein neu entstandener Vulkan aus der Südsee bei Tonga ragte - und ausgestoßener Bimsstein ein schwimmendes Geröllfeld auf der Wasseroberfläche bildete.

Auch auf Trinidad hatte man schon einmal beobachtet, wie etwas - wenngleich vorübergehend - dem Meer entstieg: Schon in den Jahren 1964 und 2001 bildeten sich vor der Küste der Insel Schlammvulkane. Ob auch das neuerliche Schlammmonster es schaffen wird, sich über die Wasseroberfläche zu erheben, ist nach Ansicht des Geowissenschaftlers Stewart nicht gewiss: Das Meer erodiere den frisch ausgeworfenen weichen Schlamm gleich wieder.

stx/AP

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