Warnung des Umweltbundesamts Wird das Trinkwasser wirklich knapp?

Häufen sich trockene Sommer, könnte Trinkwasser zur umkämpften Ressource werden, warnt das Umweltbundesamt. Für Panik ist es jedoch zu früh.

Nach dem Dürresommer 2018 kam in einigen deutschen Orten zeitweise kaum noch etwas aus der Leitung
Lino Mirgeler/ DPA

Nach dem Dürresommer 2018 kam in einigen deutschen Orten zeitweise kaum noch etwas aus der Leitung


Wem wie viel Trinkwasser zusteht, könnte in Deutschland erstmals seit Jahrzehnten zum Thema werden, warnt das Umweltbundesamt. "Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr Nutzer um die Ressource Wasser streiten werden", sagte Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA).

Die kommunalen Wasserversorger warnen bereits davor, dass Landwirtschaft und Industrie immer mehr Wasser nachfragen werden. Sie fordern, der Versorgung mit Trinkwasser weiter den Vorrang zu geben.

Unmittelbar steht Deutschland allerdings keine Wasserknappheit bevor. Die Trinkwasserversorgung in Deutschland speist sich vor allem aus dem Grundwasser, darauf hat die aktuelle Wetterlage kaum Einfluss. Regenwasser braucht viele Jahre oder Jahrzehnte, bis es in die Grundwasserreservoirs sickert. Außerdem verfügen Wasserversorger über einen gewissen Puffer und können bei Bedarf mehr Grundwasser aufbereiten.

"Wasser läuft ja einfach immer aus dem Hahn"

Insgesamt gebe es in Deutschland keinen Wassermangel, auch keine flächendeckenden Versorgungsengpässe beim Trinkwasser, sagte Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). In den vergangenen beiden Jahren habe es aber zu wenig geregnet, die Grundwasserstände hätten sich noch nicht erholt.

Dass die Situation in Deutschland noch entspannt ist, liegt auch daran, dass nicht einfach jeder so viel Grundwasser nutzen darf, wie es ihm passt. Die Trinkwasserversorgung hat immer Vorrang. Wer darüber hinaus an das Grundwasser will, braucht eine Genehmigung. Das gilt auch für Bauern, die ihre Felder wässern wollen.

Die sogenannte Bewässerungslandwirtschaft hat in Deutschland erst einen Anteil von 2,7 Prozent, berichtet Uba-Experte Rechenberg. "Die Beregnungsbedürftigkeit wird deutschlandweit tendenziell zunehmen, allerdings ist dies regional sehr unterschiedlich."

Seit 2018 häufen sich Trockenheit und Hitzerekorde auch in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts war der vergangene Juni der wärmste und sonnigste seit Beginn flächendeckender Messungen.

"Landwirte nehmen das Wasser für die Felder teils aus dem Grundwasser", sagte Specht. Es werde mehr bewässert, die Konkurrenz nehme zu. "Aus unserer Sicht muss aber die Trinkwasserversorgung Vorrang haben. Das ist nicht überall gewährleistet", sagte Specht, der auch Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands ist. Die gesamte Politik müsse die Trinkwasserversorgung sichern. "Wir merken gerade, dass unsere Aufgabe zu selbstverständlich wahrgenommen wird: Wasser läuft ja einfach immer aus dem Hahn."

Das UBA hat noch keine aktuellen Daten zur Grundwassermenge 2018. "Aber es ist zu befürchten, dass sich die Grundwasserpegel noch nicht wieder auf den Stand vor 2018 aufgefüllt haben", sagte auch Rechenberg. Flächendeckend wisse man auch nicht, wie sich diese Pegel im Fall von drei dürren Sommern hintereinander mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter entwickeln würden. "Das hatten wir in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten so noch nicht."

Rasensprenger verbraucht 800 Liter Wasser pro Stunde

Ein Effekt würde sich aber mit Sicherheit zeigen, ergänzte er: "Das hätte in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Darauf müssen sich auch die Wasserversorger einstellen."

In diesem Sommer haben einige Regionen, zum Beispiel in Brandenburg, die Bevölkerung zum sensiblen Umgang mit Wasser aufgerufen. In einigen Orten kam zeitweise kaum noch etwas aus der Leitung, weil zu viele Menschen gleichzeitig Wasser zapften - vor allem für ihre Gärten.

Einige Wasserversorger hätten im letzten und in diesem Jahr immer wieder eine "historisch hohe" Nachfrage am späten Nachmittag und am Abend verzeichnet, berichtete VKU-Experte Specht. "Ein Rasensprenger beispielsweise verbraucht bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde, im Verhältnis zu durchschnittlich 121 Litern Trinkwasser, die ansonsten jeder Bürger am Tag nutzt."

Dazu kämen immer größere Pools. Die Wasserleitungen ließen sich nicht extrem viel größer bauen. Aber es werde in Zukunft vermehrt mit Speichern gearbeitet werden, die Wasserwerke würden auf größere Spitzenlasten ausgerichtet.

koe/dpa



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