Trinkwasserskandal in Flint Anklage wegen Totschlags erhoben

Das Leitungswasser in der US-Stadt war zwei Jahre lang mit Blei verseucht, mehrere Todesfälle werden damit in Verbindung gebracht. Nun wird der Gesundheits-Chef von Michigan wegen Totschlags angeklagt.
Wasserturm in Flint, Michigan

Wasserturm in Flint, Michigan

Foto: REBECCA COOK/ REUTERS

Die US-Stadt Flint wollte Geld sparen - und zapfte ihr Trinkwasser ab dem Sommer 2014 aus einem Fluss. Doch die Wasseraufbereitungsanlage konnte das Wasser nicht entsprechend den Trinkwasservorschriften aufbereiten. Das aggressive Wasser löste Blei aus alten Leitungen, viele Bürger wurden krank.

Die Bewohner hatten schon ab 2014 geklagt, das stinkende und trübe Wasser löse Hautausschlag, Erbrechen und Haarausfall aus. Anfang 2016 musste der damalige US-Präsident Barack Obama den Notstand ausrufen. Die Anwohner wurden teils mit Wasser aus Flaschen versorgt.

Zwölf Todesopfer

Nun hat das juristische Nachspiel des Skandals begonnen. Nick Lyon, der Gesundheits-Chef des Bundesstaats Michigan, wird wegen Totschlags angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, die Bevölkerung nicht rechtzeitig über den Ausbruch der Legionärskrankheit gewarnt zu haben.

Der Ausbruch könnte in Zusammenhang mit der schlechten Wasserqualität gestanden haben. Etwa hundert Menschen aus der Region Flint waren im Zeitraum 2014 bis 2015 an der Legionärskrankheit erkrankt. Zwölf Menschen starben.

Die Infektionskrankheit wird von Bakterien verursacht. Betroffene leiden meist unter einer Lungenentzündung, die tödlich verlaufen kann.

Ziel: Kosten sparen

Die verarmte Industriestadt hatte im April 2014 die Wasserversorgung umgestellt, um Kosten zu sparen. Statt aus dem nahe gelegenen Detroit kam das Wasser nun aus dem Flint River - einem durch die Autoindustrie verseuchten Fluss. Das aggressive Wasser griff die alten Bleirohre an, das giftige Schwermetall gelangte ins Wasser.

Anderthalb Jahre vergingen, bis die Stadtverwaltung die knapp 100.000 Einwohner über die Gefahren aufklärte. Für Kinder ist Blei besonders schädlich, es kann ihr Gehirn dauerhaft schädigen.

hda/AP
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