Trockenheit und Borkenkäfer Der Deutsche Wald schwindet immer schneller

Die Menge an Schadholz in deutschen Wäldern steigt dramatisch. Insekten wie der Borkenkäfer profitieren von der Klimakrise - und zerstören ganze Waldflächen.
In diesem Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen hat der Borkenkäfer große Fichten-Areale zerstört.

In diesem Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen hat der Borkenkäfer große Fichten-Areale zerstört.

Foto: Jochen Tack / imago images

Die zunehmende Trockenheit schwächt die Wälder, Schädlinge wie der Borkenkäfer breiten sich in der Folge immer weiter aus. Die Menge an Schadholz steigt entsprechend drastisch: im Jahr 2020 auf 60,1 Millionen Kubikmeter. Fünf Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 12,9 Millionen. Die Schadholzmenge hat sich also beinahe verfünffacht.

Diese Zahlen gehen aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes  hervor. Besonders alarmierend ist demnach die Zunahme des Insektenbefalls: Schädlinge – und allen voran der Borkenkäfer – stellen mehrheitlich die Hauptursache für die Entstehung von Schadholz dar. Knapp drei Viertel der Menge aus dem vergangenen Jahr ließen sich darauf zurückführen – ein Rekordwert. 2015 verursachten Insekten nur ein Viertel des Schadholzes. Im Vergleich ist die Menge an Holz, das von Insekten zerstört worden ist, im Jahr 2020 damit fast 13 Mal so groß.

Der Einfluss von Wind und Stürmen, der 2015 noch die wichtigste Ursache darstellte, ist hingegen gesunken.

Auch für das vermehrte Auftreten des Borkenkäfers gibt es Ursachen. Die vermutlich wichtigste ist die zunehmende und anhaltende Trockenheit.

Der Borkenkäfer befälllt vor allem geschwächte Bäume. Und vermehrt sich in ihnen manchmal sprunghaft.

Der Borkenkäfer befälllt vor allem geschwächte Bäume. Und vermehrt sich in ihnen manchmal sprunghaft.

Foto: agrarmotive / imago images

Borkenkäfer sind eine artenreiche Gruppe brauner oder schwarzer Käfer, die sich zum Teil von Holz ernähren. Ein bekannter Vertreter ist der Buchdrucker. Diese Art verursacht in Deutschland die meisten Schäden. Der Buchdrucker befällt vor allem Nadelbäume. Das zeigt sich auch in der Schadholzstatistik: Ein Anteil von 99 Prozent des durch Insektenbefall zerstörten Holzes entfiel auf Nadelbäume wie Fichten, Tannen oder Kiefern.

Geschwächte Bäume können sich kaum gegen Schädlinge wehren

Bäume, die zu wenig Wasser bekommen, sind geschwächt. Ein gesunder Baum kann sich gegen einen Borkenkäferangriff eher zur Wehr setzen – zum Beispiel, indem er an der Stelle, an der der Käfer in die Rinde bohrt, Harz austreten lässt. Bei einem geschwächten Baum funktioniert dieser Schutzmechanismus häufig nicht mehr. Findet der Borkenkäfer genügend tote oder kranke Bäume vor, pflanzt er sich zahlreich fort. Bald befallen ganze Käferkolonien die umstehenden Bäume. Gegen zu viele Käfer auf einmal kommt auch ein gesunder Baum kaum an.

Der Anteil von Schadholz an der gesamten Holzmenge, die 2020 geschlagen wurde, lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei etwa drei Viertel. 2015 betrug dieser Wert noch 23 Prozent.

Auch ein Blick ins Kronendach eines Waldes kann übrigens Aufschluss über seinen Zustand geben. Bilden die Kronen eine dichte Decke aus Nadeln oder Blättern, ist das ein gutes Zeichen: Der Wald schirmt den Boden vor der Sonne ab und die Bäume haben sichtlich genug Kraft.

Mittlerweile lässt sich allerdings bei 37 Prozent der Bäume eine »deutliche Kronenverlichtung« feststellen. Diese Information findet sich in der Waldzustandserhebung der Bundesregierung für das Jahr 2020 . Noch nie, seit 1984 mit der Erhebung dieser Daten begonnen wurde, war der Wert so hoch. Nur bei einem Fünftel der Bäume sei die Krone im Jahr 2020 unbeeinträchtigt.

vki
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