Krach beim Fisch-Sex Geht das nicht auch ein bisschen leiser?

Klar, wenn es zur Sache geht, kann es auch schon mal laut werden. Aber die Lautstärke beim Liebesspiel der Trommlerfische ist rekordverdächtig. Forscher haben die spektakulären Unterwassergeräusche nun analysiert.

Fischer am Golf von Mexiko mit einer Ladung Umberfische
DPA

Fischer am Golf von Mexiko mit einer Ladung Umberfische


Der Trommlerfisch (Cynoscion othonopterus) trägt seinen Namen ganz offensichtlich nicht ohne Grund. Denn wenn sich die Tiere in ihrem Lebensraum im Golf von Kalifornien paaren, dann kann es laut werden. Sehr laut.

Genau genommen wird es so laut, dass anderen Meeresbewohnern ein Gehörschaden droht. Das jedenfalls berichtet ein Wissenschaftlerteam um Timothy Rowell von der University of San Diego in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Fachmagazin "Biology Letters".

Die - wegen Überfischung bedrohte - Art gehört zur Familie der Umberfische. Die Tiere sind in tropischen und gemäßigten Gebieten des Westatlantiks und des östlichen Pazifiks zu Hause. Und sie sind offenbar richtige Krachmacher beim Sex. Der Fisch sei der nach bisherigen Aufnahmen "lauteste der Welt", so Rowell.

Die Forscher hatten die Tiere vier Tage lang belauscht. Mit Echoloten lokalisierten sie sie zuerst, dann nahmen sie die Geräusche mit Hydrofonen auf.

Stimmstärke eines Wals

In der Paarungszeit kommen Millionen der bis zu einen Meter langen Fische zu den Brutplätzen - und was dann passiert, vergleicht Forscher Rowell mit einer "brüllenden Menge in einem Stadion". Schon ein einziger Fisch der Art sei in der Lage, die Stimmstärke eines Wals zu erreichen, heißt es in der Studie. Der Laut von Cynoscion othonopterus gleiche dem eines Maschinengewehrs.

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Männliche Exemplare sind der Studie zufolge mit vibrationsfähigen Muskeln um ihre Schwimmblase ausgestattet. Deren rasende Kontraktionen erzeugten das Geräusch von Trommelstöcken auf einem Trommelfell. Für ein paar Wochen versammeln sich sämtliche geschlechtsreifen Umberfische der Welt auf weniger als einem Prozent ihres üblichen Verbreitungsgebiets, sie wandern jeden Frühling ins Delta des Colorado River im nördlichen Teil des Golfs von Kalifornien vor der Küste Mexikos.

Wenn ihnen dann ihre Feinde wie etwa Delfine zu nahe kommen, droht diesen ein bleibender Gehörschaden, heißt es in der Studie. Die Fischer, die den Tieren nachstellen, lassen sich von den Geräuschen indes nicht abschrecken. Ein kleines Boot allein kann zwei Tonnen Fisch innerhalb von Minuten an Bord holen. Eine Flotte von 500 Booten kommt den Angaben der Forscher zufolge während einer 20-tägigen Fangperiode auf 5900 Tonnen.

chs/AFP



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