Rodungen und Brände Tropenwald schwindet dramatisch

Im vergangenen Jahr sind laut einer Studie weltweit zwölf Millionen Hektar Tropenwald verloren gegangen. Am stärksten betroffen ist Brasilien.

Waldverlust auf Sumatra in Indonesien (Archivbild)
Christiane Oelrich/ DPA

Waldverlust auf Sumatra in Indonesien (Archivbild)


Der Baumbestand in Tropenwäldern ist im vergangenen Jahr weltweit um zwölf Millionen Hektar zurückgegangen. Das geht aus einem Bericht des Forschungsprojekts Global Forest Watch (GFW) hervor, der nun veröffentlicht wurde. Die verloren gegangene Fläche entspricht der von Bayern und Niedersachsen zusammen.

Besonders problematisch sei der Verlust von ursprünglichem Regenwald - diese Regionen zeichnen sich durch besonders feuchtes Klima aus. Insgesamt 3,64 Millionen Hektar von diesem Baumbestand seien verschwunden - eine Fläche größer als Belgien. Den höchsten Anteil an diesem Verlust hätten Waldrodungen im Amazonasgebiet.

Die Daten aus dem Bericht stammen nach GWF-Angaben von der Universität Maryland und wurden durch die Auswertung von Satellitenbildern zusammengetragen. Auch die Nasa und Google waren an dem Projekt beteiligt.

Insgesamt gesehen verzeichneten die Autoren im vergangenen Jahr aber einen geringeren Rückgang als in den Jahren davor. Demnach belief sich die Zahl der Verluste beim Tropenwald 2016 auf etwa 17 Millionen Hektar, 2017 waren es etwa 16 Millionen. Der Bericht erfasst nicht nur die Abholzung von Wäldern, sondern auch die Zerstörung durch Brände.

Vor allem tropische Wälder beherbergen zahlreiche teils seltene Pflanzen- und Tierarten. Der Rückgang ihrer Lebensräume führt somit auch zu einer Bedrohung der Arten. Schon jetzt sind immer mehr Wirbeltierarten auf der Erde bedroht, haben Untersuchungen gezeigt. Zudem haben Wälder auch eine wichtige Schutzfunktion beim Klimawandel. Sie haben etwa als Kohlenstoffspeicher einen großen Einfluss auf das Klima.

Spitzenreiter beim Waldrückgang nach Nationen war im vergangenen Jahr Brasilien, wo laut der Studie 1,35 Millionen Hektar an ursprünglichem Regenwald verloren gingen. Manches davon sei auf Waldbrände zurückzuführen, der Großteil habe aber damit zu tun, dass Flächen abgeholzt wurden, um Weideflächen zu schaffen, heißt es in dem Bericht. Die Autoren betonen dabei, dass es noch zu früh sei, um die Auswirkungen der Politik des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro einschätzen zu können.

Die hohen Rückgänge seien noch vor dessen Amtsantritt passiert. Bolsonaro hat deutlich gemacht, dass Umweltschutz nicht zu seinen Prioritäten zähle. Er will keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausweisen und weitere Rodungen im Regenwald zulassen.

Auch in den afrikanischen Staaten Ghana und der Elfenbeinküste ging der Regenwald durch die Ausbreitung von Goldminen und Kakaoplantagen stark zurück. Als positives Beispiel wird in der Studie Indonesien angeführt. Dort hatten vor allem Palmölplantagen für den Rückgang von Wäldern gesorgt. In dem südostasiatischen Land seien die Waldverluste nun aber auf den niedrigsten Stand seit 2003 gefallen. Das deute darauf hin, dass Schutzmaßnahmen der Regierung Wirkung zeigten.

Im Video: Auf der Spur der Holzmafia - Brasiliens Klima-SEK im Einsatz

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joe/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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nadennmallos 25.04.2019
1. Wir werden den Untergang unser Spezies nicht aufhalten, bzw. ....
... deren drastische Reduzierung. Solange Gewinnstreben, Profitmaximierung und Anspruchsdenken im Vordergrund stehen. Und ja, ich habe auch erst jetzt, im Alter, diese Problematik wahrgenommen. Vorher hat der Verdrängungmechanismus exzellent funktioniert! Aber auch bei Diskussionen mit meinen gleichaltrigen und jüngeren Bekannten stelle ich heute fest, das die Maxime der meisten heißt: Genießen um jeden Preis, solange man die Folgen nicht selbst tragen muß. Die Flora und Fauna zurück zu gewinnen ist unmöglich, das Stoppen von Umweltsünden ebenso. Aber vielleicht kommt ja ein richtig großer Knall (clash of the cultures o.s.ä.) und eventuell reicht der aus, um ein radikales Umdenken einzuläuten. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Smarty- 25.04.2019
2.
Zitat von nadennmallos... deren drastische Reduzierung. Solange Gewinnstreben, Profitmaximierung und Anspruchsdenken im Vordergrund stehen. Und ja, ich habe auch erst jetzt, im Alter, diese Problematik wahrgenommen. Vorher hat der Verdrängungmechanismus exzellent funktioniert! Aber auch bei Diskussionen mit meinen gleichaltrigen und jüngeren Bekannten stelle ich heute fest, das die Maxime der meisten heißt: Genießen um jeden Preis, solange man die Folgen nicht selbst tragen muß. Die Flora und Fauna zurück zu gewinnen ist unmöglich, das Stoppen von Umweltsünden ebenso. Aber vielleicht kommt ja ein richtig großer Knall (clash of the cultures o.s.ä.) und eventuell reicht der aus, um ein radikales Umdenken einzuläuten. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ist leider genauso. Der weltweite exzessive Fleischkonsum (siehe hier: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klimawandel-fleischkonzerne-co-emissionen-1.4058225) wird die Menschheit in spätestens 100 Jahren vom Planeten getilgt haben. Das ist dann aber auch besser so. Das neue Fleisch wird anscheinend die Schokolade, was im Artikel genannt wird. Ich selber versuche neben dem Fleisch (seit ca 15 Jahren Vegetarier) seit neustem auch vermehrt auf Schokolade zu verzichten.
christian18 25.04.2019
3. Ist Tropenholz billiger ais europäische Hölzer...?
Diese Frage stellte sich bei mir, als bei Türen bzw. Fenstern gerne die deutschen Hersteller eher sich an "Tropen-Plantagen Hölzer" bedienen als alternativ europäische Eiche, Buche...etc. zu verwenden. Diese Erfahrung habe ich bei Angeboten bei Türen bzw. auch Fenstern gemacht. Ein Gang durch diverse Baumärkte gibt ein gleiches Bild. Es ist davon auszugehen, dass teilweise die Plantagen dort stehen, wo vorher der Urwald venichtet wurde. In manchen "Fachkreisen" ist dieses Phänomen bekannt, jedoch will man dieses so nicht öffentlich darstellen. Zum Glück gibt es für uns als Verbraucher entsprechende "Siegel", die alles "transparenter" machen,.....sollen. Für mich stellt sich dann eine laienhafte Frage, warum die Schüler an den Freitagsdemos u.a. dieses Thema nicht in ausreichendem darstellen, denn wenn der Urwald eines Tages nicht mehr vorhanden ist, was wäre dann....
SchneiderG 25.04.2019
4.
Wo ist das Problem? Die Tropenwälder sind extrem wichtig für die Welt. Wir haben unser Ur-Natur bereits vernichtet für den Profit. Die beschriebenen und unterschwellig kritisierten Länder noch nicht. Soll die Weltgemeinschaft die Tropenwälder kaufen und schützen und nicht die Verantwortung auf die Dritt- und Schwellenländer abwälzen wo Menschen keinen sozialen Schutz wie in D genießen und von der Hand in Mund Leben und die Superreichen dort, sich eine Goldene Nase dran verdienen. Mit wäre lieber das Geld für Notre Dame und andere sinnlosen Bauwerke, Kriege, sonstige Ausgaben und Investitionen würden in einem Tropenwald-Fond gesammelt (und nicht veruntreut) und dann wird der Tropenwald sukzessive gekauft und unter Schutz gestellt.
edhoc 25.04.2019
5. Rückgang von Sauerstoff
Wald - bzw. grüne Pflanzen allgemein, aber Wald hat besonders viele pro Flächeneinheit - ist wichtig für die Sauerstoffproduktion der Erde. Als es in der Frühzeit der Erde noch keine grünen Pflanzen gab, hatte die Erdatmosphäre kaum Sauerstoff. Heute wird durch Atmung der Lebewesen (auch wir Menschen) und Verbrennung Sauerstoff "verbraucht", also z.B. in CO² umgewandelt. Im Moment gibt es wohl noch genügend Pflanzen, aber irgendwann wird auch der Punkt erreicht sein, an dem weniger Sauerstoff von den Pflanzen erzeugt wird als durch Lebewesen, Verbrennung, usw. verbraucht wird. Dann würde der Sauerstoffgehalt der Luft kontinuierlich sinken, und irgendwann reicht es nicht mehr zum Leben. Die Menschheit gräbt ihr eigenes Grab, wenn es so weiter geht.
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