Trotz Trump USA wollen CO2-Ausstoß radikal einschränken

Überraschung auf der Uno-Klimakonferenz in Marokko: Die USA wollen ihren Ausstoß von Treibhausgasen auf ein Fünftel senken. Der Plan soll noch von der Obama-Regierung beschlossen werden.

US-Außenminister John Kerry auf der Uno-Klimakonferenz in Marrakesch
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US-Außenminister John Kerry auf der Uno-Klimakonferenz in Marrakesch

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Die zentrale Person der Uno-Klimakonferenz, die noch bis Freitag in Marrakesch tagt, war nicht anwesend. Nahezu jede Rede dort beschwor die Hoffnung, der designierte US-Präsident Donald Trump würde den in 20 Jahren verhandelten Welt-Klimavertrag nicht kündigen.

"Ein Ausstieg wäre ein moralischer Fehler mit verheerenden Konsequenzen", rief John Kerry in seinem wohl letzten Auftritt als Außenminister der USA den Delegierten zu. Die meisten Amerikaner wollten, dass die USA dem Abkommen treu blieben.

Die scheidende US-Regierung setzt ein letztes kraftvolles Signal: Sie präsentiert ambitionierte Klimaziele der USA bis zur Mitte des Jahrhunderts. Auf ein Fünftel im Vergleich zu 2005 sollen die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2050 reduziert werden - so sieht es die "Dekarbonisierungsstrategie" vor, die noch im Dezember beschlossen werden soll.

Die neue Regierung entscheidet

Das Ziel liege auf einer Linie mit dem bislang geltenden Ziel, die Emissionen der USA bis 2025 um 27 Prozent zu senken im Vergleich zu 2005. Um beide Ziele zu erreichen, müssten die Emissionen nach 2020 allerdings doppelt so schnell zurückgehen wie zuvor, erklärten Delegierte der US-Regierung in Marrakesch.

Erreicht werden soll das Ziel vor allem mit erneuerbaren Energien, Atomkraft - und auch, indem CO2 aus der Luft gefiltert wird: Aufgeforstete Wälder und Moore sollen CO2 aufnehmen, aber auch umstrittene CCS-Technologien sollen das Gas dauerhaft unterirdisch binden.

Die USA sind damit nach Deutschland das zweite Land, das einen langfristigen Klimaplan veröffentlicht hat, wie es der Welt-Klimavertrag vorsieht. Kanada und Mexiko wollen Gerüchten zufolge noch in Marrakesch nachziehen.

Ihr Klimaplan zeige, dass treibhausgasarme Energien zentrales Anliegen der USA seien, erklärte die Delegation der USA in Marrakesch. Er sei nur der Anfang - mit dem Trump unter Druck gesetzt werden soll.

Ob der Plan umgesetzt werden kann, entscheidet die neue Regierung der USA.

Der gewählte US-Präsident Donald Trump und viele Politiker seiner republikanischen Partei stellen den vom Menschen gemachten Klimawandel infrage, sie wollen die treibhausgasintensive Kohleenergie ausbauen.

Proteste von US-Firmen gegen Trump

Schon jetzt bekommen sie Widerstand aus der Industrie. Auf der Uno-Klimatagung in Marrakesch präsentierten 360 US-amerikanische Unternehmen und Investoren einen Aufruf an die US-Regierung, sich weiter für den Klimaschutz zu engagieren.

"Wenn es nicht gelingt, eine CO2-arme Wirtschaft zu bauen, bedroht dies den amerikanischen Wohlstand", schreiben die Wirtschaftsvertreter, unter ihnen die Kaffeehauskette Starbucks, die Lebensmittelhersteller Mars und Unilever, der Jeansproduzent Levi Strauss, der Sportartikelhersteller Nike und die US-Tochter von L'Oreal.

Was aus dem Klimavertrag ohne die USA würde, ist fraglich: Das Land ist bedeutender Geldgeber für Klimaschutzhilfen an arme Länder. Erst der gemeinsame Beitritt mit China hat den Welt-Klimavertrag überhaupt ermöglicht - der Gleichschritt sollte etwaige Wettbewerbsnachteile verhindern. China hat die USA in Marrakesch dazu aufgerufen, an ihren Klimazielen festzuhalten.

Europa und China im Schulterschluss?

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte in Marrakesch die Hoffnung, dass Trump seine ablehnende Haltung zum Klimaschutz überdenken würde: "Ich bin sicher, dass er das verstehen wird als Präsident der Vereinigten Staaten. Er wird zuhören."

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht Europa nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten beim Klimaschutz in besonderer Verantwortung. "Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa die Lücke füllen muss, die die USA jetzt hinterlassen", sagte die SPD-Politikerin in Marrakesch. "Wir als Europa müssen den engen Schulterschluss mit China finden."

Hendricks räumte im Deutschlandfunk ein, dass Deutschland die von der Regierung zugesicherte Minderung des Treibhausgasausstoßes bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 "höchstwahrscheinlich" knapp verfehlen werde. Zugleich verteidigte sie den neuen Klimaschutzplan der Bundesregierung, um den die Bundesregierung in den vergangenen Wochen heftig gerungen hatte.

In Marrakesch nannte Hendricks die nationalen Klimapläne "das Herzstück des Pariser Abkommens". Entwicklungsländer sollen künftig dabei unterstützt werden, Klimapläne zu verfassen und umzusetzen.

Mit Material von dpa/AFP

insgesamt 71 Beiträge
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BettyB. 16.11.2016
1. Klasse!
Dann wird da wohl demnächst noch einmal gewählt und Trump tritt vorsichtshalber nicht mehr an oder hat Bojanowski die letzte Wahl einfach nur verschlafen und deshalb nicht mitbekommen, dass Trump die Umweltschutzbeschlüsse zurücknehmen wird?
mijaps 16.11.2016
2. In die Garage
Da müssen aber einige hundert Millionen Kraftfahrzeuge in die Garage. Und etwa 50 neue Atomkraftwerke müssen gebaut werden. Solche Versprechungen machen nur Scharlatane wie Hussein B. Obama und Co. 4/5 der Gase einzusparen heißt: Zurück in die Steinzeit.
annalaska.meiere 16.11.2016
3.
Der Plan soll noch von der Obama-Regierung beschlossen werden. Pro forma und zum letztmöglichen Zeitpunkt den Klimaretter spielen, damit dies in den Annalen als "gute Tat" vermerkt wird. Typisch Obama, große Worte, wenig Ertrag.
edelvollmilch 16.11.2016
4. What's the point?
Sieht mir nach Aktionismus aus. Unter Druck setzen lässt sich die Trump-Regierung dadurch sicher nicht, eher im Gegenteil -- je höher die Zusagen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie später ausgesetzt werden. Oder übersehe ich was?
scsimodo 16.11.2016
5. War doch klar
"Der Plan soll noch von der Obama-Regierung beschlossen werden. " War doch klar, dass den salbungsvollen Worten Obamas noch etwas folgen würde. Er legt seinem verhassten Nachfolger noch ein Ei ins Nest :)
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