Trotz Fangverbot Grauwal-Bestände erholen sich nicht

Meeresforscher präsentieren eine neue, besorgniserregende Erkenntnis über die Grauwal-Population im Pazifik: Trotz des Fangverbotes, das vor 60 Jahren erlassen wurde, haben sich die Bestände der Tiere kaum erholt. Bisher galt das Verbot immer als Triumph des Artenschutzes.


22.000 Grauwale leben vor der kalifornischen Küste. Was sich für den Laien anhört, als würde es im Pazifik vor lauter Meeressäugern nur so wimmeln, ist für Wissenschaftler von der Stanford University eher eine schlechte Nachricht. Denn ursprünglich lebten dort drei bis fünfmal so viele der riesigen Tiere, haben Elizabeth Alter und ihre Kollegen jetzt herausgefunden. Der Grund für den Rückgang: Die jahrhundertelange Jagd auf die Wale, von denen sich die Population bis heute nicht erholt hat.

Das Team von Alter hatte das Erbgut von 42 Grauwalen untersucht. Dabei stellten sie erstaunlich viele Unterschiede in den getesteten DNA-Bereichen fest. Ihre Vermutung: Damit so viele Varianten in der Wal-DNA vorkommen können, muss die Population im Ostpazifik vor Beginn des Walfangs viel größer gewesen sein als heute, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung).

Das Erbgut der einzelnen Wale habe sich in den zehn untersuchten DNA-Abschnitten so stark unterschieden, dass die Grauwale eigentlich zu einer Population von rund 100.000 Tieren gehören müssten, schreiben die Forscher. Bei kleineren Populationen gehen DNA-Varianten im Laufe der Zeit durch Inzucht verloren.

"Diese genetischen Erkenntnisse lassen vermuten, dass sich Grauwale nicht vollständig vom Walfang erholt haben", sagt Mit-Autor Steve Palumbi von der Stanford University. "Daraus können wir ablesen, dass die Wale nun einer neuen Bedrohung gegenüberstehen: der Veränderung der Ozeane, die ihrer Erholung Grenzen setzt."

Bisher galt die Erholung der Grauwal-Population im Pazifik nach dem 1946 erlassenen Fangverbot immer als Paradebeispiel für erfolgreichen Artenschutz. Die neuen Forschungsergebnisse stellen diese Erfolgsgeschichte nun in Frage. Noch immer vermehren sich die Wale nicht so, wie Forscher es erwarten würden. Da Walfänger als Feinde derzeit ausscheiden, muss die Ursache für die begrenzte Vermehrung anderswo liegen.

Einen möglichen Grund sehen die Wissenschaftler in der Erderwärmung, die den Vorrat an Nahrung für die Wale in ihrem Hauptverbreitungsgebiet, der nordpazifischen Behringsee, begrenzt. Dort hatten Wissenschaftler immer wieder ungewöhnlich dünne Tiere entdeckt. Grauwale ernähren sich, indem sie den Meeresgrund aufwühlen und daraus ihre Nahrung filtern. Die Wissenschaftler fordern, die Grauwale und ihren Lebensraum noch besser zu schützen.

khü/ddp/AFP



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