Edelpilze Landwirte bauen Trüffel in Deutschland an

Etwa 60 Tonnen Trüffel werden in Deutschland jährlich angeboten - sie alle werden importiert. Das könnte sich bald ändern. Landwirte und private Liebhaber haben begonnen, die Edelpilze auch hierzulande anzubauen.

Trüffelernte in Deutschland: "Mit einem regionalen Angebot wird die Nachfrage wachsen"
Peter Steffen/dpa

Trüffelernte in Deutschland: "Mit einem regionalen Angebot wird die Nachfrage wachsen"


Trüffel stammen üblicherweise aus Italien, Frankreich oder Spanien - bislang. Denn auch in Deutschland steht einem Anbau nach Einschätzung von Experten nichts im Weg. Einige Projekte, in denen der Edelpilz angebaut wird, gibt es bereits. In den kommenden Jahren könnten es immer mehr werden.

Wie im europäischen Ausland werde sich mit dem Anbau auch in Deutschland Geld verdienen lassen, prognostiziert Ulrich Stobbe vom Verband für Trüffelanbau und Nutzung. Weltweit werden Trüffel seit den Siebzigerjahren angebaut - zusammen mit ihren Wirtsbäumen wie Haselnuss, Buche oder Stieleiche. Pilz und Baum gehen eine Symbiose ein, bei der jeder Partner vom anderen profitiert.

Seit rund zehn Jahren wachse die Zahl der Trüffelpflanzungen in Deutschland, so Stobbe: "Das Bundesgebiet liegt mitten im natürlichen Verbreitungsgebiet des Burgundertrüffels." Der Pilz brauche kalkhaltige Böden und komme auch in freier Natur vor. Alle Trüffelarten stehen in Deutschland unter strengem Schutz und dürfen nicht gesammelt werden. Angebaute Trüffel sind davon ausgenommen.

Rund 60 Tonnen Trüffel im Jahr werden in Deutschland vermarktet

In den Trüffelanlagen, die es nun vereinzelt in Deutschland gibt, werden Wirtsbäume gezielt mit Trüffelpilzsporen geimpft. An den Wurzeln sollen sich dann Trüffel entwickeln. Es dauert allerdings rund sieben Jahre, bis die ersten Trüffel ausgegraben werden können - am besten mithilfe eines Trüffelhundes. Die Ernte sei nicht so planbar wie bei anderen Kulturen, erklärt Stobbe: "Im Moment sind die Leute, die Trüffel in Deutschland anbauen, noch Pioniere."

Vertreten seien "interessierte Pilzfans", aber auch größere landwirtschaftliche Betriebe, die sich ein weiteres Standbein aufbauen möchten. Vor wenigen Tagen meldete etwa der Verein Ahrtrüffel seine erste nennenswerte Ernte. Die Gruppe hatte 2006 ein Grundstück gepachtet und geimpfte Bäume gepflanzt. Nun wurden unter anderem 500 Gramm Burgundertrüffel aus dem Boden geholt. Auch im Leinebergland in Niedersachsen erntete ein privater Züchter mehrere Edelpilze.

Stobbe geht davon aus, dass rund 60 Tonnen Trüffel im Jahr in Deutschland vermarktet werden - bislang sind sie alle importiert. Hauptanbauländer sind Frankreich, Italien und Spanien. Kulturen gibt es auch in Schweden oder England. "Mit einem regionalen Angebot wird die Nachfrage wachsen", so der Forstwissenschaftler. Zu diesem Ergebnis sei auch eine Umfrage unter Köchen gekommen. Die Kunden der gehobenen Gastronomie schätzten "Frische und Regionalität".

Dürren erschweren den Anbau

Der Anbau von Trüffeln könnte im Zuge des globalen Temperaturanstiegs allerdings schwieriger werden. Das ist auch Thema beim Jahrestreffen des Trüffelverbands mit rund hundert Mitgliedern in Geisenheim an diesem Wochenende.

"Bei Dauerkulturen muss ich in die Zukunft schauen", sagt Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgenforschung an der Hochschule Geisenheim. "Wir werden in 30 Jahren ein ganz anderes Klima haben als heute." Davon seien auch die Wirtsbäume der Trüffel betroffen.

Bäume und Pilze litten unter extrem trockenen Phasen, erläutert Stobbe. "Für die Anlagen könnte das einen geringeren Ertrag bedeuten." Der Trüffelverband erforsche daher, wie Trüffelplantagen sinnvoll bewässert werden könnten.

jme/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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günter1934 12.10.2019
1. Als
ich vor einigen Jahren hier in Südfrankreich an einer Gärtnerei das Angebot "Trüffeleichen" sah, wurde mir mit einem Schlag mein Alter bewusst! Allerdings hatte meine Allerliebste vorher schon auf unserem Grundstück einige Sommertrüffel gefunden.
tutnet 12.10.2019
2. Italienische Alba Trüffel
kommen mitunter auch aus Slovenien oder dem Norden Kroatiens. Dort sind die wesentlich billiger und qualitativ erste Klasse.
manicmecanic 12.10.2019
3. Hauptanbauländer ? siehe Kommentar 2
ich bin durch Zufall mal in Urlaub in Kroatien gewesen.Guter Witz daß das schöne Istrien nicht als Anbauland genannt wurde.Ich bin mir sicher daß da eine Menge der in Europa gegessenen Trüffel herkommen.Als ich im istrischen Haupterntegebiet war habe ich täglich massig italienische Lieferwagen gesehen die dort Trüffel wagenweise geholt haben.Oft waren auch Autos dabei mit Werbung für ein italienisches Restaurant.Ich war schon oft in France und Italia,habe dort auch öfters in Sternerestaurants geschmaust.Natürlich auch mal Trüffel probiert,haben mich aber nie besonders angesprochen.Nun diese Einschätzung mußte ich nach dem ersten Trip ins schöne Istrien ändern.Ich probiere oft in Restaurants was meine Holde so ißt und umgekehrt.Sie hatte in Kroatien Pasta mit Trüffeln und meinte ich muß probieren obwohl sie wußte daß ich sie bis da nicht mochte.Nachdem ich dann doch mal einen Happen testete wußte ich warum sie das sagte.Diese frischen Trüffel waren eine echte Leckerei,zum Teller ablecken.Das sind die besten mir Abstand,obnsie nun so gur waren weil sie direkt um die Ecke eben geerntet waren oder wegen der Lage,was weiß ich aber s.o. sie sind superb.
telarien 12.10.2019
4. Eine Lanze für Istrien
Danke an meine Vorredner, im Artikel fehlt definitiv Istrien. Hier sind hausgemachte Fuzi (Nudeln) mit schwarzen oder weißen Trüffeln eine Spezialität in jedem guten Restaurant. Das ist einfach lecker. Gerne auch mit Omelette oder auf einem Steak. Eine sehenswerte kleine Stadt mit starkem Bezug zu Trüffeln ist Motovun.
RalfBukowski 12.10.2019
5. Lecker Trüffel...
...aber ich glaube wirklich, dass die meisten Menschen ganz andere Sorgen haben (ich persönlich finde z.B. Pasta mit dezenten Trüffeln klasse). Ob die nun auch noch in Deutschland angebaut werden oder eben nicht - who cares.
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