Erderwärmung Trump will sich Klimawandel schönrechnen

Laut einem Medienbericht schreibt die US-Regierung Wissenschaftlern künftig vor, wie sie ihre Klimaberechnungen anstellen sollen. Worst-Case-Szenarien sind dabei nicht länger vorgesehen.

Präsident Trump beim Staatsbesuch in Japan
Charly Triballeau/Getty Images

Präsident Trump beim Staatsbesuch in Japan


US-Präsident Donald Trump gilt weder als Klimaschützer noch als Förderer der Wissenschaft. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat er den Etat der Umweltschutzbehörde EPA gekürzt sowie den inzwischen zurückgetretenen Klimawandelskeptiker Scott Pruitt zum neuen Chef der Einrichtung ernannt. Zudem stieg er aus dem Weltklimavertrag von Paris aus - sein bisher aggressivster Schritt.

Nun hat Trump neue Pläne. Laut einem Bericht der "New York Times" soll das U.S. Geological Survey (USGS), das dem Innenministerium untersteht, angewiesen werden, ihre Klimaprognosen künftig nur noch bis ins Jahr 2040 statt wie üblich bis 2100 zu modellieren. Auch der Bericht des Uno-Klimarats IPCC modelliert das Weltklima bis zum Ende des Jahrhunderts.

Über die Änderungen in den Computermodellen sei USGS-Direktor James Reilly bereits informiert worden.

Eine Änderung der Modelle würde die Prognosen stark verzerren, warnen Forscher. Denn die stärksten Effekte von Treibhausgasemissionen seien erst nach 2040 zu erwarten.

Auch der National Climate Assessment (NCA), ein Klimabericht, der alle vier Jahre erscheint, soll sich künftig ändern. An dem Papier arbeiten Hunderte Wissenschaftler und verschiedene US-Ministerien und -Behörden. Die Veröffentlichung der letzten Version im November 2018 geriet zum Affront gegen Trump, der als Skeptiker des menschengemachten Klimawandels gilt.

Denn die tausendseitige Studie hatte gezeigt, dass die Erderwärmung Schäden von Hunderten Milliarden Dollar pro Jahr für die US-Wirtschaft bedeuten könnte. Die Studie widerspricht Trump in vielen Punkten. Sie wurde aber vom Weißen Haus kommentarlos ausgerechnet am Schnäppchentag Black Friday veröffentlicht und nicht wie geplant im Dezember.

Künftig soll offenbar sichergestellt werden, dass der Inhalt des nächsten Berichts stärker den Auffassungen der Trump-Regierung entspricht. Dazu seien die Experten angehalten, auf sogenannte Worst-Case-Szenarien zu verzichten: Im Papier von 2018 hatten die Forscher beispielsweise errechnet, dass sich die Erdatmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts auf deutlich über vier Grad Celsius erhöhen könnte, wenn sich bei den Emissionen nichts verändert. Solche Szenarien würden künftig bei der wissenschaftlichen Beurteilung keine Rolle mehr spielen.

Viele Forscher halten Worst-Case-Szenarien in der Klimaforschung für unverzichtbar und vollkommen normal. Michael Oppenheimer von der Princeton University sagt, dass niemand Klimaforschung so betreiben würde, wie es im kommenden Bericht angestrebt sei. Und Philip Duffy, Präsident des Woods Hole Research Center, zitiert das Blatt so: "Das ist der Versuch, Wissenschaft zu politisieren. Es erinnert mich an die Sowjetunion". Duffy hatte den letzten NCA-Bericht analysiert.

"Die Dämonisierung von Kohlendioxid ist genau wie die Dämonisierung der armen Juden unter Hitler"

Die Umweltbehörde EPA dagegen verteidigt die Entscheidung der Trump-Regierung. Worst-Case-Szenarien würden nicht die realen Bedingungen widerspiegeln und sollten keinen Einfluss auf nationale Entscheidungen haben, teilte ein Sprecher mit. Zu einem drastischen Vergleich griff William Happer. Der umstrittene Physiker und emeritierter Professor an der Princeton-Universität ist Teil des Nationalen Sicherheitsrats und dafür bekannt, dem menschengemachten Klimawandel skeptisch gegenüber zu stehen.

Über die Rolle von CO2 zitiert ihn die "New York Times" nun mit den Worten: "Die Dämonisierung von Kohlendioxid ist genau wie die Dämonisierung der armen Juden unter Hitler".

Der kommende NCA-Bericht ist bereits in Arbeit. Er soll 2021 oder 2022 veröffentlicht werden.

joe

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Fragensteller1 28.05.2019
1. Zwei Seiten einer Medaille
Die Grünen praktizieren das Gegenteil von Trump - sie haben ein "Klima der Angst" geschaffen. Beides ist doch eigentlich durchschaubar und abzulehnen. Aber, das klappt offensichtlich nur bei D. Trump...
Beat Adler 28.05.2019
2. Seit 2015 ueberschritten wir Menschen mindestens 3 Schwellenwerte
Seit 2015 ueberschritten wir Menschen mindestens 3 Schwellenwerte. Das zeigt sich an Hand von Messreihen aus der Vergangenheit, also keine Prognosen, und bedeutet dass nun mindestens 3 positive Rueckkopplungen ablaufen, auch Teufelskreise genannnt. 1. Immer mehr Eismasse geht immer schneller verloren. 2. Die Meereisbedeckung in der Arktis im Sommer schrumpft. und 3. Der Permafrosboden begann zu tauen. All dies laeuft ab bei den Temperaturen von heute, und laeuft weiter, und weiter und weiter und weiter und immer schneller und immer schneller und immer schneller, selbst wenn sich die Temperaturen nicht erhoehen wuerden. Es gibt keine denkbare, menschliche Massnahme und auch keine ueberirdische Massnahme, die das stoppen koennte. Einen Asteroideneinschlag herbeibeten gilt nicht;-) Aus diesem Grund ist die Umsetzung aller Versprechen aller Staaten, die das COP21 Protokoll in Paris im Nov 2015 unterschrieben NUR die Voraussetzung fuer das Ergreifen der Massnahmen, die noetig sind uns, die Menschen, an eine viel waermere Welt mit einem viel hoeheren Meerespiegel ANZUPASSEN. mfG Beat
descartes 28.05.2019
3. ein altbekanntes Muster ...
erst die Medien versuchen zu manipulieren, dann die Wissenschaftler. Gab's in Europa bereits vor 80 Jahren, da sind die USA ja mächtig hinten dran ... Cefact und EIKE lassen grüssen!
The Restless 28.05.2019
4. Was nicht passt ...
... wird passend gemacht. Wenn man den Horizont auf 2040 beschränkt, dann hört sich natürlich alles wesentlich harmloser an. Soll sich doch ein späterer Präsident mit den Folgen ab 2040 beschäftigen ...
Andraax 28.05.2019
5.
Zitat "Die Dämonisierung von Kohlendioxid ist genau wie die Dämonisierung der armen Juden unter Hitler" Das ist genauso polemisch wie falsch. Kein ernsthafter Wissenschaftler würde mit diesem Vergleich arbeiten.
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