Tsunami von 2018 Der fatale Kollaps des Anak Krakatau

2018 stürzte der indonesische Vulkan Anak Krakatau ein, auf Sumatra und Java tötete ein Tsunami anschließend Hunderte Menschen. Nun zeigen Forscher, wie vor solchen Katastrophen gewarnt werden könnte.
Satellitenbild des Anak Krakatau aus dem Jahr 2018

Satellitenbild des Anak Krakatau aus dem Jahr 2018

Foto: UPI Photo/ ESA/ imago images

Die dramatischen Bilder aus Indonesien sind unvergessen: Am 22. Dezember des vergangenen Jahres verwüstete ein Tsunami die Küsten der Inseln Sumatra und Java. Ein Handyvideo zeigte, wie Wassermassen blitzartig ein Konzert der koreanischen Band Seventeen überrollten. Der Bassist und ein Manager kamen dabei ums Leben. Insgesamt rissen die Wellen 430 Menschen in den Tod, 14.000 wurden verletzt und über 30.000 verloren ihr Zuhause.

Die tödlichen Fluten kam ohne Vorwarnung. Dabei verfügt Indonesien mit rund 300 Messstationen und verschiedenen GPS-Einheiten über eines der modernsten Frühwarnsysteme für Tsunamis. Schon wenige Minuten nach einem Beben können Warnungen herausgegeben werden.

Aber diesmal lag die Ursache nicht in einem Seebeben. Vielmehr war ein gewaltiger Bergrutsch verantwortlich, als Flanken des Inselvulkans Anak Krakatau kollabierten. Mehr als eine Million Kubikmeter Erdmasse rutschten ins Meer, sie setzen die fatalen Flutwellen in Bewegung. Aber das System schlug nicht Alarm.

Forscher um Thomas Walter vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam haben in einer neuen Studie den Ablauf der Katastrophe rekonstruiert. "Der Vulkan ist seit den Vierzigerjahren fast permanent aktiv", sagt er.

Laut der Untersuchung gingen dem Kollaps durchaus Warnsignale voraus. Die Forscher erkannten dies, bei der Auswertung von Daten von Erdsatelliten und Drohnen sowie von Messwarten am Boden, sie reichten weit bis vor den Zusammenbruch zurück. Die Resultate wurden nun im Fachblatt "Nature Communications" publiziert .

Häufig sind Vulkaninseln nicht besonders stabil. Ein Kollaps von Vulkanflanken kommt deshalb immer wieder vor, bisher fehlten allerdings detaillierte Messungen solcher Ereignisse. "Wir konnten am Krakatau nun erstmals genau beobachten, wie der Abbruch einer solchen Vulkanflanke vonstatten ging und welche Signale diesen ankündigten", so Vulkanologe Walter.

Drohnenbild des Vulkans: Der Berg hat mehr als 300 Höhenmeter verloren

Drohnenbild des Vulkans: Der Berg hat mehr als 300 Höhenmeter verloren

Foto: GFZ

Beispielsweise zeigten bereits Monate vor der Katastrophe Messungen eines Nasa-Satelliten viel mehr Hitze an der südwestlichen Vulkanflanke als üblich. "Wahrscheinlich hatte die Fläche der ausgetretenen Lava deutlich zugenommen und strahlte die erhöhte Wärme ab", sagte Walter. Radardaten belegen darüber hinaus, dass es immer wieder Bodenbewegungen gab - ebenfalls gemessen aus dem Weltall.

Am 22. Dezember spitzte sich die Lage zu. Das registrierten auch Seismometer quasi von der ersten Reihe aus, die nächste Station war nur 65 Kilometer vom Vulkan entfernt. Ihre Nadeln schlugen bereits 115 Sekunden vor dem Kollaps aus - wohl verursacht von einem kleinen Erdbeben. Offenbar war es das allerletzte Ereignis vor dem Abrutschen der instabilen Bergflanke und womöglich auch der Auslöser, schreiben die Autoren.

Selbst 1150 Kilometer entfernt registrierte ein australischer Infraschalldetektor des Netzwerks zur Überwachung des Kernwaffenteststopps (CTBT) das Ereignis. Aber um die rund zwei Minuten dauernde Rutschung selbst in den Messungen zu identifizieren, mussten die Forscher sehr genau hinschauen, denn sie offenbarte sich in einem ungewohnten seismischen Muster. Die Seismometer maßen sehr langsame Frequenzen von etwa 0,03 Hertz, also nur einer Schwingung pro 33 Sekunden. Bei der Routineauswertung war das Signal anfangs übersehen worden, so GFZ-Experte Frederik Tilmann.

Der fatale Tsunami traf mit seinen Wellen die Küstenstädte zwischen 31 und 57 Minuten nach dem Rutsch. Da die seismischen Wellen jedoch weit schneller sind, wäre eine Vorwarnung wohl prinzipiell möglich gewesen. Dafür müssten bestehende Messmethoden durch zusätzliche Sensoren und neue Algorithmen ergänzt werden, so die Forscher.

Als nächstes wollen sie ihre Ergebnisse auf andere Risikovulkane übertragen, um die Früherkennung zu verbessern. Tsunami-Warnsysteme sollten auch Ereignisse berücksichtigen, die durch Rutschungen erzeugt werden, so Walter. Man sei aber zuversichtlich, dass sich mit den neuen Erkenntnissen verbesserte Überwachungssysteme entwickeln lassen, heißt es in einer Mitteilung des GFZ.

Der Anak Krakatau liegt in einer der geologisch aktivsten Zonen der Erde. Manchmal bebt er täglich viele Male und gilt selbst unter den 130 aktiven Vulkanen der Region als Pulverfass. Schon vor dem Ausbruch 2018 hatten Geologen bemerkt, dass der Vulkan gewachsen war, weil er viel Gestein an die Oberfläche geschleudert hatte.

Der Anak Krakatau steht an derselben Stelle wie einst der Krakatau. Sein Ausbruch im Jahr 1883 gilt als eine der größten Vulkankatastrophen der Neuzeit. Dabei starben mehr als 36.000 Menschen. Die allermeisten bei dem ausgelösten Tsunami.