Tsunami Warnsystem soll trotz Problemen pünktlich kommen

Deutsche Forscher glauben, dass ihr Tsunami-Frühwarnsystem in Südostasien Ende 2008 in Betrieb gehen kann. Sie räumen ein, dass bis dahin noch eine Reihe technischer Probleme gelöst werden müssten. Das fertige System soll Seebeben binnen drei Minuten orten können.


Berlin - Zwei Jahre nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean sind deutsche Forscher und Politiker zuversichtlich, bis Ende 2008 ein Frühwarnsystem in Betrieb nehmen zu können. Der Staatssekretär im Forschungsministerium, Thomas Rachel, und der Vorsitzende des Forschungskonsortiums, Rolf Emmermann, wiesen am Mittwoch in Berlin zugleich Kritik an dem Zeitplan zurück. "Ich bin zuversichtlich, dass wir wie geplant den Betrieb starten können", sagte Rachel.

Banda Aceh (Indonesien): Ein Turm, der Teil des Warnsystems ist, wird installiert
DPA

Banda Aceh (Indonesien): Ein Turm, der Teil des Warnsystems ist, wird installiert

Bei der Flutwelle in Südasien waren im Dezember 2004 etwa 220.000 Menschen ums Leben gekommen, am schwersten betroffen war Indonesien. Unter Federführung des Geoforschungszentrums Potsdam arbeitet ein Konsortium deutscher Forschungseinrichtungen seit 2005 an der Umsetzung des Frühwarnsystems.

Etwa 45 Millionen Euro fließen aus dem Etat des Forschungsministeriums in das Frühwarnsystem. Die gesamte Warnkette - also die Sensortechnologie auf dem Meeresboden, dem Wasser und an Land sowie die einzelnen Warnvorrichtungen für die betroffenen Menschen -, stammt aus Deutschland. Nach einer zweijährigen Probezeit unter deutscher Aufsicht soll das Projekt dann komplett an die Indonesier übertragen werden.

Die speziellen Anforderungen der Region seien eine große Herausforderung, sagte Staatssekretär Rachel. Wegen der geologischen Gegebenheiten seien die Vorwarnzeiten extrem kurz. Die Potsdamer Wissenschaftler wollen künftig ein Seebeben innerhalb von drei Minuten orten können.

Konsortiumsleiter Emmermann räumte ein, dass es besonders bei den GPS-gestützten Bojen noch Probleme gebe. Diese sind mit Seismometern und anderen Sensoren auf dem Meeresboden verbunden. Per Schall sollen die dort gewonnenen Informationen zu den Bojen an der Meeresoberfläche gesendet werden. "Dies funktioniert aufgrund der immensen Datenmengen bislang noch nicht", sagte Emmermann. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, das Problem bis 2008 lösen zu können.

Tsunami-Boje: Schallübertragung von Sensoren auf Meeresboden macht noch Probleme
REUTERS

Tsunami-Boje: Schallübertragung von Sensoren auf Meeresboden macht noch Probleme

Deutsche Experten haben laut Ministerium gemeinsam mit ihren indonesischen Kollegen in den vergangenen anderthalb Jahren die ersten Erdbebenstationen aufgebaut und mit den in Thailand, Malaysia und Australien bestehenden rund 60 Stationen zu einem Netz verknüpft. Das System beliefert bereits das vorläufige Warnzentrum in Indonesiens Hauptstadt Jakarta und ermöglicht eine noch schnellere und präzisere Ortung von Erdbeben. Dauerte es vor einem Jahr noch mehr als 100 Minuten, um ein Beben zu orten, gelingt dies nun bereits nach weniger als fünf Minuten.

Zum Tsunami-Projekt gehören auch Warnsysteme für Privathaushalte. Das Flensburger Unternehmen 2wcom will speziell ausgerüstete Radios liefern, die Bewohner des Inselstaates ähnlich wie beim Verkehrsfunk im Auto vor drohenden Riesenfluten warnen. In der nächsten Woche soll nach Angaben Rachels die Touristenregion Bali an das System angeschlossen werden. Danach folgen weitere Gebiete.

hda/rtr/AFP



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