Rekonstruktion eines Raubsauriers Gestatten, Spinosaurus!

Davide Bonadonna/ Ibrahim et al., Science/AAAS

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Gerade erst haben Forscher einen der spektakulärsten Raubsaurier neu beschrieben. Jetzt bekommt er seinen ersten TV-Auftritt: Am Sonntag zeigt das ZDF den Spinosaurus als krokodilähnlichen Jäger - kurzbeinig, aber tödlich.

Paläontologie ist ein langsames, mühseliges Geschäft: Es ist nicht einfach, die versteinerten Reste einzelner Wesen im Boden oder Gestein oft entlegener Gegenden zu finden. Es dauert Monate, mitunter Jahre, solche Fossilien zu bergen und zu präparieren. Auch die Analyse braucht Zeit und Gelegenheit - so manches Fundstück wird erst einmal eingelagert. Die Archive vieler Institute sind voller Sensationen im Wartestand.

Oft genug gibt es brandheiße Neuigkeiten von Fossilien, deren Fund Jahre, manchmal Jahrzehnte zurückliegt. Und dann dauert es mitunter noch einmal Jahre, bis neue Erkenntnisse ins öffentliche Bewusstsein einfließen und sich unser Bild vergangener Arten verändert - so wie das der kleinen flinken Raubsaurier, von denen wir inzwischen wissen, dass viele, wenn nicht gar die meisten gefiedert waren.

Was das neue Bild des Spinosaurus aegyptiacus angeht, gilt das alles nicht. Nur zwei kurze Wochen nachdem Nizar Ibrahim, Paul Sereno und ihre Kollegen die Neu-Rekonstruktion des spektakulären Raubsauriers im Fachmagazin "Science" veröffentlichten, erlebt der nun seinen ersten Auftritt als neu gestalteter TV-Star. Erstmals wird Spinosaurus nicht als an Land lebender, langbeiniger Mega-Raubsaurier gezeigt, sondern als kurzbeiniger, kaum weniger tödlicher Wasserbewohner.

Zwei Wochen vom Wissenschaftsmagazin bis ins Fernsehen?

Möglich ist das, weil der Deutsch-Marokkaner Ibrahim ein "Emerging Explorer" ist: Er gehört zum kleinen Kreis junger Wissenschaftler, deren Forschungsprojekte von der National Geographic Society gefördert und medial begleitet werden. Im Fall des Spinosaurus fiel die Entscheidung zur medialen Dokumentation also schon, sobald sich abzeichnete, dass sich das lohnen könnte.

Viele deutsche Akademiker misstrauen solchen Modellen. Sie sind irritiert von der Geschwindigkeit, mit der hier Forschung in Veröffentlichung übergeht. Doch auch wenn "National Geographic" in Deutschland vornehmlich als populär orientierte Medienmarke wahrgenommen wird, ist die Society doch weit mehr als das: 1888 von einem illustren Kreis zur "Förderung und Verbreitung des geografischen Wissens" gegründet, versteht sich die Society bis heute primär als Institution zur Wissensmehrung - populär, aber korrekt.

Zu den in der Vergangenheit geförderten Projekten gehören unter anderem

  • Xu Xings Ausgrabungen, die zur Entdeckung gefiederter Saurier führten,
  • Dian Fosseys und Jane Goodalls Primatenprojekte,
  • Die Frühmenschen-Forschungen von Louis und Mary Leakey,
  • Hiram Binghams Entdeckung der Inka-Stadt Machu Picchu,
  • Robert Ballards Suche nach dem Wrack der "Titanic".

Zwar waren dies höchst präsentable Projekte, denen das Interesse des Publikums sicher war - wofür die National Geographic Society oft kritisiert wird. Andererseits trägt ihre populär-mediale Verwertung zur Finanzierung ernsthafter Forschung bei, die ansonsten vielleicht weniger erfolgreich verlaufen würde.

Man darf von der National-Geographic-Dokumentation "Expedition Supersaurier", die das ZDF am Sonntag um 19.30 Uhr in der Reihe "Terra X" zeigt, also durchaus mehr erwarten als einen medialen Schnellschuss mit eilig am Computer generierten Trickfilmchen. Natürlich wird das populär, aber es wird auch nahe dran sein am Kern der Dinge.


"Terra X: Expedition Supersaurier", Sonntag, 19.30 Uhr, ZDF



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12 Leserkommentare
Indigo76 11.10.2014
technoheini 11.10.2014
steinpeter 11.10.2014
50penny 11.10.2014
Pflanze01 11.10.2014
pxanadu@gmail.com 11.10.2014
7eggert 11.10.2014
druck_im_topf 11.10.2014
Frank Patalong 11.10.2014
schmunda 12.10.2014
Spirit in Black 12.10.2014
andreas.kurpisz 16.10.2014

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