Übergewicht Auch Mäuse haben gutes und böses Fett

Mäuse als Vorbild für gesunde Ernährung: Die Fettzellen bei männlichen und weiblichen Mäusen unterscheiden sich erheblich - in ihrer Wirkung auf die Gesundheit und ihrer genetischen Aktivität. Eine Spur im Kampf gegen schädliches Fett?

Labormaus: Aktivität der Gene in Fettzellen verschieden
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Labormaus: Aktivität der Gene in Fettzellen verschieden


Richmond - Obwohl Übergewicht allgemein als ungesund gilt, entscheidet vor allem die Art und Verteilung der überschüssigen Pfunde über positive oder negative Einflüsse auf den Stoffwechsel. Der typische Männer-Bierbauch, bei dem das Fett rund um die inneren Bauchorgane eingelagert wird, wird als besonders problematisch eingestuft - er erhöht massiv das Risiko, an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken. Ein dicker Po, bei dem die Fettdepots direkt unter der Haut zu finden sind und der typischerweise bei jungen Frauen zu finden ist, kann dagegen sogar vor bestimmten Gesundheitsproblemen schützen.

Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen haben Forscher der University of Texas jetzt Mäuse untersucht. Deborah Clegg und ihre Kollegen fütterten drei Tiergruppen mit sehr fettreichem Futter - Männchen, Weibchen und weibliche Tiere, denen die Eierstöcke entfernt worden waren. Letztere benutzten die Forscher als Modell für die Situation bei Frauen nach den Wechseljahren, bei denen sich die Fettdepots häufig umverteilen und anschließend eher dem männlichen Muster entsprechen.

Bei allen Mäusen analysierten die Wissenschaftler nach zwölf Wochen Proben aus dem Bauchfett und aus dem Hüftspeck und verglichen die Aktivität verschiedener Gene. Die Überraschung: "Von etwa 40.000 Maus-Genen gleicht sich nur bei 138 die Aktivität in männlichen und in weiblichen Fettzellen", berichtet Clegg. "Das war vollkommen unerwartet. Wir haben sogar mit dem genauen Gegenteil gerechnet - dass 138 unterschiedlich sein würden und der Rest zwischen den Geschlechtern übereinstimmt."

Besonders unterschiedlich reguliert waren Gene, die Entzündungsreaktionen steuern: Sie waren sowohl bei den Männchen als auch bei den Weibchen ohne Eierstöcke deutlich aktiver als bei der weiblichen Vergleichsgruppe - ein Effekt, der sich durch die fettreiche Nahrung noch verschärfte. Auch Gene, die mit dem Insulinspiegel und dem Fettstoffwechsel in Verbindung gebracht werden, arbeiteten in den Geschlechtern unterschiedlich, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "International Journal of Obesity".

Die Ergebnisse unterstrichen einmal mehr, dass dringend nach den vermutlich hormonellen Mechanismen gesucht werden muss, die die Fettverteilung steuerten. Wenn es gelänge, diesen Mechanismus genau zu entschlüsseln, könne man die Verteilung möglicherweise sogar beeinflussen.

hda/ddp

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