Überlebenstrick Ur-Fische filterten Nahrung wie Wale

Einfacher kann Nahrungsaufnahme nicht sein: Bartenwale brauchen nur das Maul aufzureißen, massenhaft Plankton bleibt darin hängen. Auch Fische haben die Technik einst ausgiebig angewendet - wie Forscher im Museum erkannten.
Knochenfisch Bonnerichthys (künstlerische Darstellung): Nahrung aus dem Wasser gesiebt

Knochenfisch Bonnerichthys (künstlerische Darstellung): Nahrung aus dem Wasser gesiebt

Foto: Robert Nicholls

Mit weit aufgerissenem Maul pflügen Wale durchs Meer, um Nahrung einzusammeln. Sie nehmen dabei einen tiefen Schluck Meerwasser. Das Wasser pressen sie durch die sogenannten Barten heraus: Wie ausgefranste Vorhänge halten die kammartigen Filter im Maul Plankton, Fische und Krebse zurück.

Die Barten - sie können mehr als vier Meter lang sein - galten bislang als Eigenart der Wale. Nur wenige Fische, darunter der Walhai (Rhincodon typus), filtern ihre Nahrung. Doch Fische siebten schon weit vor dem Auftreten der Wale über lange Zeit ihre Nahrung aus dem Meer, berichten Wissenschaftler nun im Magazin "Science" .

Versteinerte Fische, die seit Jahrzehnten in Museen ausgestellt wurden, brachten die Forscher um Matt Friedmann von der britischen University of Oxford auf die Spur. Bei näherer Untersuchung zeigte sich, dass die Fossilien Barten aufwiesen.

Bislang wurde vermutet, dass die uralten, meterlangen Knochenfische nur über eine relativ kurze Zeitspanne lebten. Damit wäre die Filtertechnik bei Fischen mit großen Körpern nur ein kleines und letztlich nicht erfolgreiches Experiment der Natur gewesen.

Das sei jedoch ein Trugschluss, schreiben nun Friedmann und seine Kollegen. Fische mit Filtertechnik hätten rund 100 Millionen Jahre lang gelebt - und damit deutlich länger als bislang angenommen. Bereits lange vor den Walen in der Zeit von 170 Millionen bis vor 65 Millionen Jahren hätten einige Urzeit-Fische ihre Nahrung aus dem Meer gesiebt. Im Laufe der Evolution erfanden Wale diese Methode dann erneut. Deren Vorfahren waren vom Land ins Wasser zurückgekehrt.

boj/dpa
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